Kardinal Woelki (r.) und Präses Rekowski beim NRW-Bürgerfest
Kardinal Woelki (r.) und Präses Rekowski beim NRW-Bürgerfest
Kardinal Woelki beim Gottesdienst der 70-Jahres-Feier für NRW
Kardinal Woelki beim Gottesdienst der 70-Jahres-Feier für NRW
Sylvia Löhrmann und Hannelore Kraft auf dem NRW-Tag
Sylvia Löhrmann und Hannelore Kraft auf dem NRW-Tag
Bischof Franz-Josef Overbeck am domradio.de-Stand
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28.08.2016

Woelki und Rekowski mahnen gesellschaftlichen Zusammenhalt an Kirche, Politik und Sonne

Am Bürgerfest zum 70. Geburtstag NRWs in Düsseldorf an diesem Wochenende beteiligten sich auch die Kirchen. Kardinal Woelki und Präses Rekowski riefen zum gesellschaftlichen Engagement auf, Politiker lobten die gute Zusammenarbeit.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der rheinische Präses Manfred Rekowski appellierten, einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken und mehr für den Zusammenhalt zu tun. Woelki rief die Christen dazu auf, an der Gestaltung von Politik und Gesellschaft mitzuwirken. "Wir müssen dazu beitragen, dass die Spaltung zwischen denen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, und denen, die im Schatten sind, nicht größer wird", sagte der Kölner Erzbischof in einem ökumenischen Gottesdienst am zweiten Tag des Bürgerfestes zum NRW-Geburtstag. Als wichtige Themen nannte er Alters- und Kinderarmut, Bildungsgerechtigkeit und die Integration von Flüchtlingen.

Besonders die Integration der vielen Flüchtlinge sei "eine viel größere Herausforderung", als bislang wahrgenommen werde, ergänzte der rheinische Präses Rekowski. Aber auch bei der Infrastruktur und im Bildungssystem gebe es noch Defizite, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. In den Kindergärten fehlten Plätze, die Schulen im Lande seien "chronisch unterversorgt" und auch die Inklusion habe man "noch nicht richtig hinbekommen".

Der Präses mahnte die Handlungsfähigkeit des Staates an. Die anstehenden Aufgaben in den Bundesländern und im Bund seien "riesig". Auch auf die beiden großen christlichen Kirchen kommt nach seiner Einschätzung viel Arbeit zur Sicherung des Zusammenhalts in der Gesellschaft zu.

Politiker loben Rolle der Kirche

Auf dem "Roten Sofa" auf der Kirchenbühne bezogen prominente Politiker Stellung zur Rolle der Kirchen in der Gesellschaft. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) lobte das vielfältige Engagement der beiden großen christlichen Kirchen im Lande. "Ich erlebe Kirche als unglaublich konstruktiv und als tollen Partner." Sie freue sich besonders darüber, dass die Kirchen bei der Wertediskussion eine wichtige Rolle übernähmen. Ohne das gesamte Engagement beider Kirchen "könnte Nordrhein-Westfalen nicht so sein, wie es ist", sagte die Ministerpräsidentin.

Auch die stellvertretende NRW-Regierungschefin und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hob den Dialog und die gute Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Kirche hervor. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) appellierte an die Kirchen, "weniger kleinmütig" und stattdessen "frohgemuter und selbstbewusster" zu sein.

Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) würdigte die beiden großen Kirchen als "Mahner, Kritiker und Orientierungsgeber". Sie warb am Sonntag zudem für eine Intensivierung der Ökumene. Das sei nicht zuletzt wegen der nach wie vor rückläufigen Mitgliederzahlen in beiden Kirchen notwendig für die Zukunft. "Die katholische Kirche hat hierbei ein paar Schritte mehr zu gehen als die evangelische Kirche", sagte Gödecke.

NRW mit Nachholbedarf in der Ökumene?

Ökumene sei "immer auch eine Personenfrage, wie gut man es miteinander kann", räumte der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, ein. Gerade in Nordrhein-Westfalen sei es mit drei evangelischen Landeskirchen (Rheinland, Westfalen, Lippe) und fünf Bistümern (Köln, Aachen, Essen, Münster, Paderborn) "nicht ganz so einfach" mit der Ökumene.

Henz wies darauf hin, dass die Kirchen in Nordrhein-Westfallen "sehr präsent" seien und gute Kontakte zu Politik, Wirtschaft und Verbänden pflegten. "Von der Politik werden wir als Kirche sogar stärker als früher gefragt", sagte der Theologe. Er hob hervor, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Nordrhein-Westfalen einer der beiden großen Kirchen angehört, ein weiteres Viertel einer anderen Religionsgemeinschaft. Mit rund 20 Prozent seien Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, immer noch in der Minderheit. "Manchmal lautstark, aber eben eine Minderheit", sagte Henz am Sonntag weiter.

Dreitägiges Bürgerfest

Das Land Nordrhein-Westfalen und die Landeshauptstadt Düsseldorf feierten von Freitag bis Sonntag ihren 70. Geburtstag mit einem großen Bürgerfest. Auf 16 Bühnen in der Düsseldorfer Innenstadt und der Altstadt sorgten Musiker, Schauspieler und Künstler für Unterhaltung. Auf einer Festmeile mit über 500 Zeltständen und Aktionsbereichen präsentierten sich Politik, Institutionen, Vereine, Verbände, Kirchen und Kultureinrichtungen aus ganz NRW.

Bereits am Dienstagabend hatte NRW mit einem Festakt an die Gründung des Bundeslandes am 23. August 1946 durch die britische Militärregierung erinnert.

(epd, DR)

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