Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende
Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende

08.03.2016

Solidarität mit zurückgetretenem Zornedinger Pfarrer Online-Petition gestartet

Immer mehr Menschen solidarisieren sich mit dem nach Morddrohungen zurückgetretenen Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende. Die katholische St. Martins-Gemeinde rief am Dienstag zu einer Kundgebung als Zeichen gegen Rassismus auf.

Zudem soll die Solidarität mit dem aus dem Kongo stammenden Pfarrer symbolisiert werden. Nach der Kundgebung am Mittwochabend in der oberbayerischen Gemeinde Zorneding sei eine Lichterkette geplant von der evangelischen Christophorus-Kirche über das Rathaus zur Kirche St. Martin.

Onlinepetition mit über 50.000 Unterstützern

Eine am Montag gestartete Online-Petition "Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben!" hatte am Dienstagvormittag bereits mehr als 50.000 Unterstützer. Die Initiatorin Julia Peters-Klopp schrieb in ihrem Aufruf: "Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld." Der Vorfall sei deshalb so entsetzlich, "weil Pfarrer Olivier nicht geht, weil er möchte", sondern weil er Morddrohungen erhalten habe. "Ich möchte, dass unser Pfarrer bleibt - und dass die Bevölkerung aufbegehrt gegen diese Art von Machtergreifung!"

Bundesweites Aufsehen und Politikum

Die Anfeindungen gegen den dunkelhäutigen Pfarrer hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt: Im Herbst vergangenen Jahres kritisierte Ndjimbi-Tshiende die örtliche CSU wegen flüchtlingsfeindlicher Äußerungen. Ein CSU-Vertreter bezeichnete den Pfarrer daraufhin als "Neger". In den vergangenen Monaten erhielt Ndjimbi-Tshiende mehrere Drohbriefe. So war im Briefkasten des Pfarrers unter anderem eine anonyme Postkarte gelandet, in der ihm bedeutet wurde, dass er "nach Auschwitz" gehöre. Ende Januar bekam er weitere bedrohlich klingende Anschreiben. Der Staatsschutz ermittelt. Einen konkreten Tatverdacht gibt es laut Polizei derzeit nicht. 

Am Sonntag schließlich verkündete der 66-jährige Pfarrer im Gottesdienst seinen Rücktritt. Er hat er die oberbayerische Gemeinde bereits verlassen. Wie eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising am Dienstag bestätigte, hat er sich beurlauben lassen. "Er hat um Urlaub gebeten, und wir haben dem stattgegeben", sagte sie.

Der Fall ist ein Politikum, denn die CSU sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die rassistischen Auswüchse erst ins Rollen gebracht zu haben: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte am Montag zu den Vorfällen um den Pfarrer: "Das ist völlig inakzeptabel und ich verurteile das total." Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bezeichnete es als "böswillig", einen Zusammenhang zwischen den Drohungen gegen den Pfarrer und der CSU herzustellen. Generalsekretär Andreas Scheuer sagte, die CSU verurteile die Drohungen "aufs Schärfste".

Forderung nach Kirchenausschluss

Auch der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, meldete sich zu Wort. In einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung zeigte er sich "tief entsetzt" über das Gespinst des Hasses, das dem Pfarrer entgegengeschlagen sei. Es beunruhige ihn, dass solche Stimmen in Zorneding auch von CSU-Repräsentanten ausgegangen seien. Nach den Worten von Heubner wäre es fatal, wenn der Eindruck entstünde, eine Partei mit christlichem Menschenbild ließe solche Mitglieder gewähren. Diese müssten vielmehr ausgeschlossen werden.

Auch die katholische Kirche muss nach Ansicht Heubners dringend handeln. Es könne nicht sein, dass Menschen, die andere nach Auschwitz wünschten, Kirchenmitglieder blieben. Der Vizepräsident erinnerte daran, dass Papst Franziskus im Juli die Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz besuchen wird. Für die Überlebenden sei dieser Besuch eine tief empfundene Gelegenheit, im gemeinsamen Gebet ihrer ermordeten Angehörigen zu gedenken und die Welt vor Hass, Antisemitismus und Rassismus zu warnen.

(epd, KNA)

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