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31.01.2014

Pax Christi zur Münchner Sicherheitskonferenz "Krieg wird wieder eine Option"

Die Generalsekretärin von Pax Christi, Christine Hoffmann, kritisiert vor dem Treffen der Regierungsvertreter und Militärs auf der Münchner Sicherheitskonferenz die "neue" Haltung im Verteidigungsressort. Krieg dürfe nie eine Option sein, erklärt sie im domradio.

domradio.de: Welches sind denn aus der Sicht von Pax Christi die besonders spannenden Themen auf der Sicherheitskonferenz?

Christine Hoffmann: Da wird zum Beispiel über den Syrienkonflikt gesprochen und das in einer Situation, in der immer bekannter wird, wie sehr auch aus Nato-Staaten Waffen nach Syrien gegangen sind, und eben nicht diejenige Unterstützung gefunden haben, die diplomatische gewaltfreie Veränderungen versucht haben. Die Bevölkerung flüchtet aus dem Land und dieser Krieg wird angeheizt von Waffen von überall. Man muss einfach hoffen, dass sie die Konferenzen und die Verhandlungen da einfach stärken und nicht weiter darauf setzen, Waffen in Gebiete zu bringen, wo dann nur die Gewalt eskaliert.

domradio.de: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird nicht nur dabei sein, sondern sie ist auch eine Rednerin. Welchen Eindruck haben Sie denn bislang von ihr?

Hoffmann: Für mich ist es unerheblich, ob das Verteidigungsressort von einer Frau oder einem Mann geleitet wird, und die Sprüche, die im Moment in Deutschland über von der Leyen – 'Kita für die Bundeswehr' und die 'Mutter der Kompanie' – gemacht werden, das ist für mich Verharmlosung der wirklichen Herausforderung, vor der Deutschland steht. Hier ist nämlich Krieg wieder zu einer Option geworden. Unter von der Leyen, jetzt vorherige Woche, ist entschieden worden, 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs wieder Soldaten nach Afrika zu schicken. Das ist ein Signal, und das ist kein friedenspolitisches Signal. Wenn von der Leyen Werbung für die Familienfreundlichkeit für die Bundeswehr macht, dann, weil ihr die Leute weglaufen. Das Unternehmen Bundeswehr findet keinen Nachwuchs mehr, und das ist ein ernsthaftes Problem, weil kein kluger Mensch möchte gern Soldat werden bei einer Armee im Einsatz, wo seit zwölf Jahren zu beobachten ist, dass das Konzept in Afghanistan nicht zu mehr Sicherheit geführt hat, sondern zu mehr Armut im Land und zehntausenden Opfern in der zivilen Bevölkerung und unter Soldaten gekostet hat. Das sind die Punkte, über die wir mit Frau von der Leyen reden müssen. Bisher hat sie da keine Veränderungssignale gesendet.

domradio.de: Die Sicherheitskonferenz war ja früher eine ganz exklusive Angelegenheit. Da blieben Regierungsvertreter und  Militärs unter sich. Seit einigen Jahren sind auch Beobachter zugelassen und unter anderem eben auch ihre Organisation Pax Christi. Wie muss man sich das vorstellen, sitzen sie dabei und nicken, oder haben sie auch die Möglichkeit Gespräche zu führen?

Hoffmann: Das ist eine ganz spannende Angelegenheit, weil ein schönes Beispiel für Dialog. Es hat sich da vor fast zehn Jahren eine Gruppe gegründet "Münchner Sicherheitskonferenz verändern", und die hatten gesagt: 'Wir als Friedensbewegung machen nicht nur eine Friedenskonferenz und demonstrieren gegen den Krieg, sondern wir wollen auch dort sein und mitreden'. Und dann ist erreicht worden, dass wir beobachten können, und das gibt eben die Möglichkeit auf den Gängen Gespräche zu führen. Vielleicht auch bei den Penal-Diskussionen sich mit zu Wort melden zu können, wenn dann diskutiert wird. Mittlerweile ist es so, dass zwei Frauen von dieser Projektgruppe "Münchner Sicherheitskonferenz verändern" als Beobachter da sind, aber es werden auch drei Leute dabei sein, die Referenten sind auf der Internationalen Friedenskonferenz, die die Friedensbewegung parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz organisiert. Und davon zum Beispiel einer, der sich sehr stark für die immer noch möglichen diplomatischen Lösungen in Syrien einsetzt und ein Fachmann für den Nahostkonflikt. Es sind immer die Gespräche, die auf den Fluren stattfinden, die wichtig sind.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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