Bischof Gebhard Fürst
Bischof Gebhard Fürst
Dom St. Martin in Rottenburg
Dom St. Martin in Rottenburg
Prominenz auf dem Katholikentag 2018 in Münster
Prominenz auf dem Katholikentag 2018 in Münster
Tasche, Isomatte und Sitzkissen – die wichtigsten Dinge auf einem Katholikentag
Tasche, Isomatte und Sitzkissen – die wichtigsten Dinge auf einem Katholikentag

17.05.2021

Nächstes großes Christentreffen ist in einem Jahr in Stuttgart "Reale Hoffnung" nach Corona

Der Ökumenische Kirchentag ist zu Ende, der Staffelstab von Frankfurt nach Stuttgart übergeben. Im Interview erläutert der künftig gastgebende Bischof Gebhard Fürst, welche Erwartungen er an den Katholikentag 2022 hat.

KNA: Herr Bischof Fürst, in einem Jahr soll in Stuttgart der nächste Katholikentag beginnen - es könnte mit Zehntausenden Teilnehmern das erste große Christentreffen nach der Pandemie werden.

Gebhard Fürst (Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart): Genau diese Perspektive sehe ich auch. Nach der großen Corona-Depression brauchen wir ein Treffen, bei dem wir wieder alle miteinander aufatmen können. Diese Perspektive motiviert sehr stark. Der Katholikentag ist eine reale Hoffnung.

KNA: Sie gehen also davon aus, dass alles analog, also in Präsenz vor Ort, stattfindet?

Fürst: Die ganze Katholikentags-Leitung sieht das so. Und wir planen auch nicht zweigleisig, das würde unserer aller Möglichkeiten überfordern.

KNA: Was wünschen Sie sich inhaltlich?

Fürst: Katholikentage sind immer Großveranstaltungen, um die Themen der Zeit aufzunehmen und aus einer christlichen Grundhaltung diskursiv und dialogisch zu besprechen. Das soll natürlich auch in Stuttgart so sein. Hauptthemen sind aus meiner Sicht der Klimawandel und andere Umweltfragen - wir verstehen uns ja als sehr schöpfungsfreundliche Diözese-, die Digitalisierung mit ihren ganzen Vorteilen und Schattenseiten, aber auch soziale Fragen wie Wohnungsbau und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Wir wollen in Stuttgart zeitgenössisch und offen miteinander reden.

KNA: Den Synodalen Weg mit seinen vier Schwerpunktthemen haben Sie bislang nicht genannt?

Fürst: Noch nicht. Der Katholikentag ist keine weitere Vollversammlung des Synodalen Weges, aber dessen Fragen kommen selbstverständlich alle vor und werden besprochen. Bei Foren, Podien und auch auf der Katholikentags-Meile. Allerdings darf der Katholikentag nicht zur öffentlichen Großveranstaltung des Synodalen Weges mutieren. Der Katholikentag ist mehr.

Ein konkretes Beispiel: Wir wollen unser weltweit einmaliges Modell der Rottenburger Gestalt von Ortskirche vorstellen. Dabei geht es um unseren Weg zu einer synodalen Kirche, der mit einer sehr starken Beteiligung der sogenannten Laien und einer klaren Begrenzung von Macht bis hin zur Etathoheit des Diözesanrates verbunden ist.

KNA: Die Ökumene in Württemberg funktioniert sehr gut - von der Basis bis zur Spitze. Wird sich das bemerkbar machen?

Fürst: Ja, ein Beispiel ist, dass Oberkirchenrat Ulrich Heckel im Arbeitskreis Ökumene dabei ist und dort die Landeskirche vertritt. Vieles wird in evangelischen Gotteshäusern stattfinden, und natürlich soll es ökumenische Feiern geben.

Stuttgart ist eine Stadt, die von ihrer Geschichte her protestantisch geprägt ist, in der heute aber fast gleich viele Menschen der beiden großen Konfessionen leben. Auch deshalb soll und muss der Katholikentag einen starken ökumenischen Akzent haben.

KNA: Das württembergische Bistum ist sehr stark weltkirchlich engagiert. Wird das - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Pandemie - auch mit Gästen vor Ort spürbar sein?

Fürst: Wir haben sehr lebendige Kontakte zu vielen Bistümern, und es soll deshalb auch ein eigenes Zentrum zu unserer weltkirchlichen Arbeit geben. Ob und wie Gäste aus der gesamten katholischen Welt mit ihren 1,3 Milliarden Gläubigen kommen können - das lässt sich im Blick auf die globale Pandemie heute nicht wirklich beantworten. Der Wunsch nach physischer Präsenz unserer Partner ist stark, und wir wollen alles tun, um ihn umzusetzen.

KNA: Was bedeutet für Sie persönlich der Katholikentag?

Fürst: Mich hat als Jugendlicher von 16 Jahren der Katholikentag in Stuttgart 1964 stark beeindruckt. Zum Beispiel eine Predigt des großen Jesuiten und Publizisten Mario von Galli. Es war die Zeit des Aufbruchs des Zweiten Vatikanischen Konzils. Mit anderen Jugendlichen haben wir 40.000 Katholikentags-Bibeln verteilt, und ich durfte ganz vorne beim Schlussgottesdienst sitzen.

KNA: Sie provozieren damit eine Nachfrage: Sollte der Katholikentag 2022 nicht auch mitten in der Zeit eines Konzils liegen?

Fürst: Viele Fragen des Synodalen Weges müssten in der Tat auf einem Konzil entschieden werden. Aber im Moment scheint mir eine solche weltweite Zusammenkunft nur sehr schwer vorstellbar.

Das Interview führte Michael Jacquemain.

(KNA)

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