Zahlreiche Tretboote fahren während eines "Tretbootgottesdienst" im Rahmen des Katholikentages über den Aasee.
Zahlreiche Tretboote fahren während eines "Tretbootgottesdienst" im Rahmen des Katholikentages über den Aasee.

12.05.2018

Katholikentag bietet besondere Ausdrucksformen von Spiritualität Zwischen Tretboot-Gottesdienst und Wallfahrt zum Wunderbild

Das geistliche Angebot beim Katholikentag in Münster ist überwältigend. Das Programm reicht vom traditionellen Pilgern bis hin zum "Gloria"-Singen auf dem Aasee. Selbst der Zoo hat etwas für die Christen in petto.

Der Aasee ist für Münster das, was die Copacabana für Rio bedeutet. Klar, dass er eine besondere Rolle spielen muss, wenn der Katholikentag in der Westfalenmetropole weilt. Gut, keine kilometerlangen Sandstrände, aber bewachsene Ufer, an denen sich manches verfängt: Hinterlassenschaften von Enten und Gänsen zum Beispiel. Und das riecht dann so unappetitlich wie es sich liest, jedenfalls an den Rändern, da, wo der See steht wie ein Selters im Glas. Stille Wasser sind eben Mief. Gut also, wenn Bewegung hinein kommt, und sei diese noch so ungewöhnlich begründet. Etwa durch einen Tretboot-Gottesdienst.

Den hat am Freitag der Münsteraner Diözesanverband der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) organisiert. "Wir wollten eine neue Form von Gottesdienst finden, die junge Leute anspricht", erklärt Barbara Kockmann, geistliche Leiterin der KjG. Die Idee kommt an: Mehr als 200 Menschen in 50 Booten sind beim Schippern auf den Spuren Jesu dabei. Ihnen erklärt Kockmann, dass der Aasee sozusagen in bester Tradition stehe: "Jesus hat sein Wirken einst am See Genezareth begonnen." Und überhaupt, ein See passe bestens in die christliche Metaphorik: "Denn wir alle sind immer wieder neu zu Menschenfischern berufen."

Buntes Programm 

Und sie alle sind eine Gemeinschaft, das merken die Gottesdienst-Teilnehmer draußen auf dem See dann ganz besonders, als rings um sie herum auf einmal nur noch Wasser und Weite ist. Die Gestade rücken immer weiter weg und die Gestalten in ihren Booten umso mehr zusammen. Über ihnen rudert ein Reiher durch die Luft, durch die Wogen flitzen Blässhühner. Der Wind böt zwischen ihnen her und kräuselt die Oberfläche. Schöne Eindrücke von der Wunderbarkeit der Schöpfung sind es, die die Menschen beim Tretboot-Gottesdienst erleben. Passend, dass sie kurz darauf ein "Gloria" singen.

Der Tretboot-Gottesdienst ist vielleicht die ungewöhnlichste, aber nur eine von ganz vielen Ausdrucksformen von Spiritualität beim Katholikentag. Es gibt daneben noch jede Menge Anbetungen, Tagzeiten- und Stundengebete sowie Bibel-Impulse. Bei einem speziellen Impuls für die kleinen Gäste des Christentreffens hat der Kinderliedermacher Reinhard Horn für Stimmung und Besinnung in einem gesorgt. Für die erwachsenen Besucher stehen geistliche Angebote auf dem Programm: Gespräche wie "Die Bibel queer lesen" zum Thema Homosexualität zum Beispiel, oder auch "Vogelfraß und Feuersee – Gewalt in der Johannes-Offenbarung".

Berühmter Wallfahrtsort quasi nebenan

Es gibt eine Zoo-Führung zu Tieren, die in der Bibel vorkommen. Und eine Radtour zu Wegkreuzen und Bildstöcken im Münsterland. Und, und, und. Alles lässt sich nicht nennen, immerhin ist das Programmheft des Katholikentags knapp 700 Seiten dick und das Gros des darin Gelisteten mehr oder weniger spirituell. Erwähnt werden muss noch folgender Höhepunkt: die Wallfahrt nach Telgte.

Die Stadt liegt zwölf Kilometer östlich von Münster im Kreis Warendorf und gilt als bedeutender Marienwallfahrtsort. Am Samstag machen sich Gläubige gemeinsam mit Münsters Bischof Felix Genn auf den Weg dorthin. Unter dem Motto "Lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens" pilgern die Teilnehmer zum Telgter Gnadenbild der "Schmerzhaften Muttergottes". Das holzgeschnitzte Werk zeigt eine sogenannte Pieta: den Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Christus im Schoße seiner Mutter Maria. Über die Jahrhunderte sind dem Bild diverse Wunder zugeschrieben worden. 1904 nahm es Papst Pius X. ins Verzeichnis der weltweit anerkannten Gnadenbilder auf.

Damals war das Gnadenbild schon fast 600 Jahre alt: Geschaffen wurde es um 1370. So umfasst die geistliche Bandbreite des Katholikentags traditionelle Formen genauso wie moderne Angebote a la Gottesdienst in Tretschiffchen. Und apropos: So unterschiedlich die Menschen auch spirituell veranlagt sind – dadurch, dass sie nach Gott suchen, sitzen sie letztlich ja doch alle in einem Boot.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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