Erzbischof Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem
Erzbischof Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem
Nahost-Konflikt
Nahost-Konflikt

28.05.2016

Patriarch Twal sieht keine Hoffnung im Nahostkonflikt "Inkompetenz und Arroganz"

Patriarch Fouad Twal sieht Nahostkonflikt in der "Sackgasse". Der Lateinische Patriarch von Jerusalem beobachtet "Stillstand und Hoffnungslosigkeit" im Nahostkonflikt.

Nach Jahrzehnten der Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern sei man nun in einer "Sackgasse" angelangt, sagte der Geistliche am Samstag auf dem Katholikentag in Leipzig. "Inkompetenz auf palästinensischer und Arroganz auf israelischer Seite" führten zu immer neuen Gewaltausbrüchen; die Zweistaatenlösung sei in weite Ferne gerückt. Die Region sei zu einem "schlechten Ort" geworden, der noch schlechter zu werden drohe.

Der Patriarch kritisierte besonders die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik, die keineswegs zu Frieden und Sicherheit beitrage, sondern für alle Beteiligten negative Auswirkungen habe. So gebe es in Ost-Jerusalem und im Westjordanland 650.000 illegale Siedler. Internationales Recht werde dadurch permanent gebrochen, beklagte Twal. Unter diesen Umständen werde der Widerstand der Palästinenser anhalten, Fortschritte würden erschwert.

Deutschland drückt sich vor seiner Verantwortung

Twal forderte die europäischen Staaten auf, eine klarere Position zu beziehen. Vor allem Deutschland warf er vor, Israel in Sachen Zweistaatenlösung nicht ausreichend in die Pflicht zu nehmen. "Deutschland drückt sich vor seiner Verantwortung", sagte er wörtlich. Das sei "nicht hilfreich".

Miguel Berger, Nahost-Beauftragter des Auswärtigen Amts, räumte ein, dass es für die Bundesregierung derzeit schwierig sei, in dem Konflikt zu vermitteln. Es fehle auf beiden Seiten der politische Wille für eine Verständigung. Israelis und Palästinenser bewegten sich zusehends voneinander weg, so der Diplomat. Einen "Königsweg" sehe er daher nicht, vielmehr müsse "an vielen Ecken" gearbeitet werden. "Dafür werden wir weiter unseren Beitrag leisten", versicherte Berger.

(KNA)

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