ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

24.05.2016

ZdK-Präsident Sternberg zum 100. Katholikentag "Europas Stärken wahren und pflegen"

Der Katholikentag in Leipzig soll Impuls sein für Toleranz und Dialog - das wünscht sich ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Im domradio.de-Interview verteidigt er die Ausladung der AfD und mahnt zur Einheit der europäischen katholischen Kirche.

domradio.de: Der 100. Katholikentag ist ja ein Jubiläumskatholikentag. Was wünschen Sie sich zum Geburtstag für den Katholikentag?

Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Ich wünsche mir einen Impuls für Offenheit, Toleranz, Dialog und Integrationsbereitschaft. Das sind immer die großen Stärken Europas gewesen - gerade des christlichen Europas. Der Papst hat uns zur Verleihung des Karlspreises in Rom nochmal ins Stammbuch geschrieben, diese guten, alten Traditionen Europas zu wahren und zu pflegen - und das gegen jeden dumpfen Nationalismus, gegen jede Abschottungstendenz und gegen die großen Vereinfacher.

domradio.de: Könnte da nicht auch die europäische katholische Kirche viel einiger auftreten. Das ist ja jetzt eine große, schwierige Diskussion und da gibt es in Österreich, in Polen viele Stimmen, die nicht so gemeinsam mit einem katholischen Wort auftreten, wie man sich das wünscht.

Sternberg: Da sprechen Sie natürlich eines der ganz wichtigen und drängenden Gegenwartsprobleme an. Wir haben übrigens genau darauf auch geantwortet, indem wir den weißen Fleck - das ist die Veranstaltung, die wir noch ganz zum Schluss besetzen - jetzt ausgefüllt haben mit einer Veranstaltung, in der wir mit unseren Freunden in Polen, Österreich oder Frankreich über das Aufkommen von nationalistischen und rechtspopulistischen Bewegungen in den einzelnen Ländern sprechen. Wir sehen eine große Aufgabe darin, in den nächsten Monaten und Jahren gerade unsere Kontakte zu unseren europäischen Freunden zu beleben.

domradio.de: Sie haben sich entschieden, Vertreter der AfD nicht auf ein Podium einzuladen. Sie diskutieren aber mit der AfD - sie haben jetzt in "Christ und Welt" ein langes Interview mit Herrn Gauland geführt. Könnten Sie nochmal kurz umreißen, welche Gründe eine Rolle gespielt haben.

Sternberg: Die Programmmacher des Katholikentages suchen ihre Partner grundsätzlich nicht danach aus, ob es sich um Parteiführer oder Ähnliches handelt - da fehlen ganz wichtige. Vielmehr werden die Podien zusammengestellt nach den kompetenten Beiträgen, die von Männern und Frauen geleistet werden können. Das geht nicht - wie bei Talkshow-Zusammenstellungen - nach der Devise, dass möglichst schrille Positionen aufeinandernprallen. Statt dessen geht es darum, eine Fragestellung weiterzuführen.

Und in den Fragen, die hier in der Programmkommission zusammengestellt wurden - wie integrieren wir Menschen, die hier sind, wie gehen wir mit der Flüchtlingsfrage um, wie führen wir den Dialog mit dem Islam, wie entwickeln wir unsere familienpolitischen Positionen weiter, was machen wir im Sozialstaat - entdecke ich nichts, wofür das Führungspersonal dieser Sammelbewegungen glaubhafte und gute Beiträge liefern könnte. 

domradio.de: Die Reaktionen, die nach der Ausladung kommen, greifen Sie auch persönlich an. Wie haben Sie diese Reaktionen wahrgenommen? Ist das auch schockierend?

Sternberg: Ich muss sagen, dass mir das zunächst in den Kleidern hängenblieb. Dann habe ich aber gemerkt, dass das allen Leuten passiert, die sich erlauben, in diesen Fragen eine Position zu beziehen. Ich bin allerdings in einem Punkt erschrocken. Nämlich genau dann, wenn die Kommunikationsformen jedes Maß von normaler Mitmenschlichkeit und normalem Umgang unterschreiten. Und ich bin schon entsetzt darüber, dass das in Deutschland möglich ist.

Ich habe die große Hoffnung, dass das lediglich Kampagnen sind und dass das nicht zur Regel wird. Aber die Schärfe erstaunt mich dann schon. Allerdings: Mit den sonstigen kritischen Reaktionen muss man umgehen. Die gibt es natürlich. Wobei man sich auch im Klaren sein muss: die Anhänger solcher Gruppierungen schreiben mehr und intensiver als diejenigen, die mit der Sache einverstanden sind. Und ansonsten gilt auch für mich als Präsident des ZdK: Wer in die Küche geht, muss Dampf aushalten.

domradio.de: Gestern war ein Gespräch zwischen AfD-Vertretern und dem Zentralrat der Muslime angesetzt - das ist krachend gescheitert. Gibt Ihnen das jetzt recht, dass kein Gespräch mit der AfD möglich ist?

Sternberg: Ich möchte es vermeiden, jetzt triumphierend aufzutreten. Aber, wenn man den Eindruck hat, dass man mit seiner Position offensichtlich nicht ganz falsch lag, freut einen das auch.

domradio.de: Zum 100. Katholikentag wird es auch eine Premiere geben: Der Papst wird eine Videobotschaft zur Eröffnung schicken. Hat Sie das gefreut und wissen Sie schon, was der Papst sagen wird?

Sternberg: Wir haben uns natürlich riesig gefreut darüber. Der Papst sendet zum ersten Mal ein Grußwort in deutscher Sprache, und das tut er zur Eröffnung des Katholikentages - das macht schon ein bißchen stolz. 

Das Interview führte Johannes Schroeer.   

 

(dr)

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