Leipzig von oben
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ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper
ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper

27.04.2016 - 00:00

Katholikentag in Leipzig bietet vielfältiges Programm Auf den Menschen schauen

Der Countdown läuft: In einem Monat beginnt der Katholikentag in Leipzig. Der Generalsekretär des Katholikenkomitees, Stefan Vesper spricht im domradio.de-Interview über die großen Themen des Christentreffens.

domradio.de: "Seht, da ist der Mensch" – so lautet das Leitwort für den 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig. Viele fragen sich aber heute, wo der Mensch noch bleibt. Haben Sie die Antwort? Oder wird der Katholikentag eine Antwort geben können?

Stefan Vesper (Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK): Der Katholikentag ist ein Ort, der alle Zeitfragen diskutiert. Der schaut, wie sieht unsere Gesellschaft und unsere Kirche aus? Und im Mittelpunkt des Katholikentages steht die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhaltes, der ja eigentlich ein anderer Begriff dafür ist, dass man auf die Menschen und das Miteinander schaut. Diese fünf Tage in Leipzig dienen dazu, nach dem Menschen zu fragen. Nach dem, der glaubt und nach dem, der nicht glaubt. Nach dem, der Zukunftssorgen hat, sei es im Kleinen, also seiner Stadt oder seiner Gemeinde, oder auch im Großen, das betrifft dann den Frieden, die Gerechtigkeit, die sozialen Fragen oder den Klimawandel. Diese Fragen der Menschen wollen wir aufgreifen und bieten etwa 1.000 Veranstaltungen an, in denen sie im Mittelpunkt stehen.

domradio.de: Ein ganz großes Thema steht unter dem Motto "Vergesst die Gastfreundschaft nicht". Das ist auch der Titel einer Veranstaltung, an der Innenminister de Maizière teilnimmt. Wie ist es denn um die deutsche Gastfreundschaft derzeit bestellt?

Vesper: Sie ist meiner Meinung nach sehr gut ausgeprägt. Die Menschen außerhalb unseres Landes schauen mit Respekt und Anerkennung auf das, was wir leisten und wie Menschen hier aufgenommen werden, die in Not sind. Das gehört ja zu den zentralen Äußerungen der christlichen Botschaft, dass man dem Armen, dem Schwachen, dem Bedrängten hilft. Und ein Ereignis wie der Katholikentag greift das auf. Wir werden diesen Fragen ganz besonders nachgehen. Beide Kirchen tragen sehr stark dazu bei, dass man aufeinander achtet und nicht jeder für sich Schmied seines eigenen Glückes ist. Eine Gesellschaft soll die sozialen Fragen nicht vergessen und immer schauen, wie es dem anderen geht.

domradio.de: Ein Podium beschäftigt sich damit, wie wir in Zukunft leben und wirtschaften wollen. Kardinal Marx wird daran teilnehmen. Wir haben aktuell Diskussionen um das Freihandelsabkommen TTIP. Während die Deutsche Bischofskonferenz durchaus positiv Aspekte sieht, steht das Zentralkomitee TTIP eher kritisch gegenüber. Warum?

Vesper: Da gibt es ein breites Meinungsspektrum zu TTIP auch im ZdK. Wir haben Teile unserer Mitglieder, insbesondere nenne ich die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die TTIP entschieden ablehnen. Andere sagen, es ist wichtig, den Freihandel zu fördern. Alle sagen aber, dies darf nicht geschehen, indem Standards im Sozialen und Ökologischen abgebaut werden, die bei uns gelten.

domradio.de: Sie haben auch ein Podium unter der Überschrift "Ich glaub nichts. Mir fehlt nichts." angekündigt. Damit wird der Situation Rechnung getragen, dass der Osten Deutschlands eine der am meisten säkularisierten Regionen Europas ist. Unter anderem ist Bodo Ramelow eingeladen. Wie wollen Sie die Menschen überzeugen, dass ihnen doch etwas fehlt?

Vesper: Es ist, davon bin ich völlig überzeugt, interessant, mit katholischen Christen zu sprechen und zu zeigen, wie sie leben. Dieser ganze Bereich des Katholikentags heißt "Leben mit uns ohne Gott". Er ist öffentlich und frei zugänglich ohne Eintrittskarte. Das ist auch eine Neuerung. Wir hoffen, dass Leipzigerinnen und Leipziger kommen und sich hier über das, was die Christen denken, informieren. Ich glaube, es gibt nichts Besseres als Zeichen für die Lebendigkeit des Evangeliums, als wenn man mit interessanten aktiven Christinnen und Christen spricht.

Das Interview führte Peter Kolakowski.

(DR)