Kardinal Marx und Sigmar Gabriel
Kardinal Marx und Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel und Kardinal Marx
Sigmar Gabriel und Kardinal Marx
Katholikentag
Katholikentag
Stand des Erzbistums Köln
Stand des Erzbistums Köln
Zwei Männer mit Katholikentagsschals
Zwei Männer mit Katholikentagsschals
Nonnen mit Katholikentagsschals
Nonnen mit Katholikentagsschals

31.05.2014

Der Katholikentag in Regensburg geht in die Endphase Auf der Zielgeraden

Hohe Managergehälter, Mindestlohn und mangelnde Entwicklungshilfe standen am Samstag im Mittelpunkt des Katholikentags in Regensburg. Kardinal Marx, die Minister Gabriel und de Maizière sowie Altbundespräsident Köhler bezogen Stellung.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns verteidigt. Dahinter stehe die Idee, "den aus den Fugen geratenen Arbeitsmarkt ein bisschen zu ordnen" und die Tarifverträge zu stärken, sagte Gabriel am Samstag auf dem Katholikentag in Regensburg. Deswegen werde in Branchen mit Tarifverträgen der Mindestlohn erst 2017 eingeführt, in den übrigen bereits ab 2015.

Zugleich bekräftigte Gabriel, dass der Mindestlohn für alle Arbeitnehmer ab 18 Jahren gelten solle. Eine befristete Ausnahme gelte für Langzeitarbeitslose, um den Betroffenen den Wiederzugang in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Darauf habe der Koalitionspartner bestanden und dabei werde es bleiben. Diskussionsbedarf sieht der Minister weiterhin bei Sonderregelungen für das Hotel- und Gaststättengewerbe, Saisonarbeitskräfte sowie Zeitungszusteller. Zu der angepeilten Grenze von 8,50 Euro sagte Gabriel, der Mindestlohn könne kein gerechter Lohn sein: "Dafür ist er viel zu niedrig."

Marx warnt vor überzogenen Erwartungen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnte vor überzogenen Erwartungen. "Der Mindestlohn wird nicht die Armut überwinden", so Marx. Das angestrebte Gesetz folge vielmehr der Erkenntnis, "dass die soziale Marktwirtschaft nicht so funktioniert, wie sie funktionieren sollte".

Nun müssten die Effekte auf dem Arbeitsmarkt genau beobachtet werden, um gegebenenfalls nachzusteuern, so der Kardinal. Der Mindestlohn dürfe beispielsweise keine Arbeitsplätze kosten. Auf die Frage, ob er 8,50 Euro für angemessen halte, antwortete Marx: "Ich werde mich hüten, eine Hausnummer zu nennen." Ihm wäre es jedoch lieber gewesen, wenn die Tarifparteien stärker mit einbezogen worden wären und es eine nach Branchen differenzierte Lösung gegeben hätte.

Kritik an Managergehältern

Marx kritisierte auch die Millionengehälter von Managern und verlangte eine Neubewertung. "Das kann doch niemand mehr verstehen", sagte der Münchner Kardinal. "Die Frage ist, was wird honoriert." Es sei falsch, nur die Kapitalinteressen der Börse zu bedienen. "Das ist doch eine Verirrung", sagte Marx. "Die Börse ist doch keine Auskunft darüber, wie gut es der Wirtschaft geht." Auch andere Managerleistungen müssten belohnt werden, etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Gabriel (hält die Entwicklung von Managergehältern für teilweise "obszön". Im Jahr 1989 hätten Dax-Vorstände das 20-fache eines durchschnittlichen Gehalts ihrer Beschäftigten verdient, heute liege der Wert bei dem 200-fachen oder höher, sagte Gabriel. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, müsse die Politik überlegen, ob sie eingreifen könne, sagte Gabriel. Als Beispiele nannte er eine gesetzliche Begrenzung von Managergehältern oder eine deutlich höhere Besteuerung.

Tausende Pilger bei Wallfahrt im Grenzgebiet

Katholiken aus Deutschland und Tschechien haben bei einer gemeinsamen Wallfahrt an den Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren erinnert. Rund 2.000 Pilger feierten am Samstagmittag im bayerischen Grenzort Neukirchen beim Heiligen Blut einen zweisprachigen Gottesdienst. Nach Angaben der Ordnungskräfte fanden mehr als 1.000 Menschen in der überfüllten Kirche keinen Platz mehr und feierten die Messe vor einer Videoleinwand auf einer Wiese mit.

Unter weiß-blauem Himmel waren sie schon in den frühen Morgenstunden zu Fuß oder mit Fahrzeugen in die Marktgemeinde gepilgert, in der seit fast 600 Jahren ein aus Tschechien stammendes Marienbild verehrt wird. Auf Anregung des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zählte erstmals eine Wallfahrt zum Programm eines Katholikentags.

Die "Krönung" des Katholikentags

Voderholzer würdigte den Beitrag der Christen beider Länder zum Abriss der Mauern, die die Völker Europas viel zu lange getrennt hätten. Für ihn sei diese Wallfahrt die "Krönung" des Katholikentags. Der Bischof erinnerte an die Zeiten, in denen den Menschen nach gemeinsamem Beten nicht zumute gewesen sei.

Auf beiden Seiten seien Wunden geschlagen worden, die nur schwer heilten. Damit spielte er auf den Einmarsch der Deutschen 1939 und die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg an. Voderholzers Mutter war als junges Mädchen im Winter nach Kriegsende aus ihrer böhmischen Heimat geflohen.

Der Bischof rief in seiner mehrfach von Beifall unterbrochenen Predigt dazu auf, voneinander zu lernen und den Glauben gemeinsam zu bezeugen. Die Ansprache wurde vom Pilsener Bischof Frantisek Radkovsky ins Tschechische übersetzt. In einem zweisprachigen Gebet baten die Wallfahrer "um das Geschenk der Vergebung und der Einheit".

Das Bistum Pilsen ist seit seiner Gründung 1993 mit Regensburg partnerschaftlich verbunden. Neukirchen beim Heiligen Blut liegt im Bayerischen Wald unweit der tschechischen Grenze, etwa 70 Kilometer östlich von Regensburg. Der Ortsname des Marktes verweist auf den legendären Ursprung der Wallfahrt: Um 1420 soll ein Hussite versucht haben, eine Marienfigur zu zerstören. Nach einem Säbelhieb floss Blut aus dem Haupt Mariens, der Bilderstürmer bekehrte sich. Seither wird in Neukirchen das Gnadenbild der "Madonna mit dem gespaltenen Haupt" verehrt.

Trotz 40-jähriger Unterbrechung lebte die tschechische Wallfahrtstradition nach 1990 wieder auf. Seither pilgern vor allem Angehörige der slawischen Volksgruppe der Choden jedes Jahr nach Neukirchen.

Impulse für die Ökumene

Von dem Christentreffen mit mehr als 40.000 Teilnehmern gingen auch Impulse für die Ökumene aus. Kardinal Marx signalisierte ausdrücklich die Bereitschaft der katholischen Kirche, mit der evangelischen Kirche weitere Schritte zu gehen. Mit Blick auf die Vorbereitung zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 sagte Marx, dass bereits über die Gestaltung der Feiern zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther gesprochen werde.

"Wir glauben, es kann ein sehr guter ökumenischer Weg auf 2017 zu werden", sagte der Kardinal. Auch eine gemeinsame Sozialinitiative werde weiter beraten. Zuvor hatte der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auf dem Katholikentag angemahnt, die Ökumene müsse auch wieder zu einer sozialen Bewegung werden.

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sprach von einer starken ökumenischen Ausstrahlung des Katholikentags. "Die Sehnsucht nach einem stärkeren Zusammenwachsen der Kirchen ist erneut spürbar geworden." Die Menschen erwarteten ein deutliches Zeichen der Einheit, sagte er.

Thema Ehrenamt

Am Samstag griff der Katholikentag mit zahlreichen prominenten Gästen weitere soziale Themen auf. Bundeswirtschaftsminister Gabriel sprach sich für eine Erhöhung der Pflegebeiträge aus. "Wir müssen in der Gesellschaft bereit sein, für die Pflege von Kranken und Alten mehr Geld auszugeben", sagte er. Träger sozialer Einrichtungen wie Caritas, Diakonie oder die Arbeiterwohlfahrt stünden vor riesigen Problemen, "weil Staat und Kassen die Pflegeleistungen nicht anständig refinanzieren".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kritisierte eine zu hohe Anspruchshaltung bei ehrenamtlicher Arbeit. Ein Ehrenamt zeichne sich dadurch aus, dass man es freiwillig übernehme - und nicht davon, ob man etwas vom Staat bekommt. Ehrenamtliche hätten bereits steuerliche Vorteile.

Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft warnte de Maizière vor Überheblichkeit gegenüber dem Gastgeberland Brasilien. "Wir müssen vorsichtig sein und mehr Demut zeigen", anstatt Brasilien lehrmeisterlich zu erzählen, wie man besser mit sozialen Problemen umgehe. Brasilien sei eine kommende Wirtschaftsmacht, in der die Mittelschicht hinterherhinke und dadurch das Vermögen ungleich verteilt sei.

Der frühere Bundespräsident Horst Köhler (CDU) erinnerte die Industrienationen an ihre Verantwortung. "Seit 1970 versprechen die Industriestaaten immer wieder hochoffiziell, 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen." Die Europäische Union wolle diese Marke offiziell bis 2015 erreichen. Deutschland aber verharre trotz Rekordsteuereinnahmen bei 0,38 Prozent: "Wir müssen endlich aufhören, unsere eigenen Versprechen gegenüber der Weltgemeinschaft permanent zu brechen." Denn der Lebensstil der Moderne stoße bereits an seine Grenzen.

Mit Blick auf die Besetzung von Führungspositionen innerhalb der Kirche mit Frauen bezeichnete der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode eine Quote von 30 Prozent als mittelfristiges Ziel für realistisch. Derzeit gebe es rund 13 Prozent Frauen in hohen Ämtern in der Kirche und 19 Prozent in mittleren Ämtern, sagte Bode. Die Bischöfe hätten sich bei einem Studientag im vergangenen Jahr auf eine Selbstverpflichtung verständigt, den Anteil in den kommenden fünf Jahren "deutlich zu erhöhen".

Open-Air-Gottesdienst zum Abschluss

Am Sonntag geht der fünftägige Katholikentag mit einem Open-Air-Gottesdienst zu Ende. Für das Glaubensfest hatten sich 31 000 Dauerteilnehmer angemeldet, zudem rechneten die Veranstalter pro Tag mit bis zu 10 000 weiteren Gästen.

Am Donnerstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Regensburg für einen politischen Paukenschlag gesorgt: Sie sprach sich für Jean-Claude Juncker als neuen EU-Kommissionspräsidenten aus, nachdem sie zuvor eine ausdrückliche Festlegung auf den Spitzenkandidaten der Konservativen bei der Europawahl vermieden und dafür viel Kritik geerntet hatte.

Nach zwei Tagen Dauerregen hatte sich am Donnerstag nicht nur der Himmel über Regensburg, sondern auch die Stimmung der Besucher aufgehellt. Menschen mit blauen Katholikentagsausweisen oder -schals prägten das Stadtbild. Der nächste Katholikentag - es wird der 100. sein - findet in zwei Jahren in Leipzig statt.

(dpa, KNA, epd)

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