Katholikentag
Katholikentag

30.05.2014

Die Themen des Katholikentages am Freitag Armut, Moderne und Schöpfung

Armut, Glaubensweitergabe, Islam, Moderne, Schöpfung und Umweltschutz. Viele Themen bestimmten am Freitag den Katholikentag in Regensburg. Hier ein Blick auf die wichtigsten Veranstaltungen und Stimmen.

Beim Kampf gegen Armut geht es nach den Worten des  Berliner Kardinals Rainer Maria Woelki auch um die Würde des  Menschen. Die Armutserfahrung gehe gerade bei Jugendlichen mit einem  Verlust an Selbstwertgefühl einher, sagte der Kardinal am Freitag auf  dem Katholikentag in Regensburg. Oft herrsche bei ihnen das Gefühl  vor: "Ich bin ja nichts wert". Der Berliner Erzbischof forderte  zugleich eine politische Sensibilisierung, um stärker in Prävention  und Resozialisierung zu investieren.

Woelki erinnerte zu Beginn der Diskussion an die Worte von Papst  Franziskus, der in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium  von einer "Diktatur der Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich  menschliches Ziel" gesprochen habe. Dies sei eine neue Form der  Entmenschlichung. Woelki fasste die Analyse des Papstes mit den  Worten zusammen: "Eine Politik und eine Wirtschaft, die nicht dem  Menschen dienen, die dienen zu nichts".

Die Vorsitzende des Sozialausschusses im Bundestag, Kerstin Griese  (SPD), sagte die verfestigte Armut sei eine der größten  Herausforderungen der Politik. Es gehe um jenen Teil von Menschen,  die keine Arbeit mehr fänden und bei denen Armut bereits an die  eigenen Kinder vererbt werde. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn wolle  die Regierung jetzt zumindest jenen helfen, die trotz Arbeit arm  seien. Dies sei ein großer Schritt für die Gesellschaft und habe auch  etwas mit Würde zu tun.

Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer,  forderte ein Recht auf Armutsprävention. Sie müsse ebenso wie die  Sozialhilfe gesetzlich verankert werden. Dies sei eine zentrale  Herausforderung für die Bundesregierung. Es gebe zwar eine konstante  Debatte zur Frage des Armutsrisikos, sagte Cremer, die Prävention  werde aber zu wenige in den Blick genommen.

Bei der Glaubensweitergabe wird nach den Worten des  Münsteraner Bischofs Felix Genn jeder Christ zur  "Power-Point-Präsentation" Jesu. "Jesus selbst hat nie geschrieben,  weil er seinen Jüngern keine katechetische Bibliothek geben wollte,  sondern sie zu seiner Power-Point-Präsentation machte", sagte der  Bischof am Freitag beim Katholikentag in Regensburg.

Um andere vom Glauben zu begeistern, müssten die Christen innerlich  brennen, andere anzünden und ihnen deutlich machen, wie viel ihnen  das Evangelium bedeute. Zudem sei es wichtig, dass sich jeder Christ  seiner Taufwürde erinnere und sie lebe. "Die Taufe ist nicht für  mich, sondern ein Sakrament für die Welt", so der Bischof.

In der heutigen Zeit sei dabei das persönliche Zeugnis mehr gefragt  denn je. "Eine Kirchengestalt, die den äußeren Rahmen vorgibt, gibt  es heute in dieser Form nicht mehr", so Genn. Heute komme es darauf  an, dass jeder einzelne "die Glut" des Glaubens entfache. Als  Beispiele nannte der Bischof Initiativen aus dem Kirchenleben in  Münster wie etwa Jugendkatechesen, Ehe-Rendezvous in einem Café oder  Versöhnungskurse für Eltern. "Menschen gestalten Strukturen und nicht  Strukturen gestalten Menschen", betonte Genn.

Die Wiener Theologieprofessorin Regina Polak sagte, dass der Glaube  nach katholischem Verständnis eine Gnade Gottes sei. "Glaube ist kein  Päckchen, das man einfach so weitergeben kann, sondern eine  Lebenspraxis", so Polak. "Man ist nicht Christ und hat nicht Glauben,  sondern die Kirche ist ein Raum zu verstehen, wie man Christ wird",  so die Wissenschaftlerin.

Jesus ist aus Sicht des Theologen Mouhanad Khorchide ein "Brückenbauer" zwischen Christentum und Islam". "Jesus und  Mohammed sind beide Propheten, und man darf den einen nicht über den  anderen stellen", sagte der Leiter des Zentrums für Islamische  Theologie an der Universität Münster (ZIT) am Freitag auf dem  Katholikentag in Regensburg. Für alle Weltreligionen gelte das  Gleiche: "Es kommt darauf an, den eigenen Glauben im Alltag zu bezeugen." Der Katholikentag sei dabei "ein wichtiger Ort für den  interreligiösen Dialog".

Erneut setzte Khorchide mit seinen Ausführungen ein Zeichen für eine  Auslegung des Korans, die den historischen Kontext berücksichtigt.  "Man darf nicht selektiv aus dem Koran zitieren", sagte der  Wissenschaftler. Für seine Koranauslegung wird der ZIT-Leiter vor  allem aus eigenen Reihen immer wieder kritisiert: "Die Stimmen gegen  mich sind nicht viele, aber laut", sagte Khorchide. Er bezeichnete  die gegnerische Kritik als "plakativ und primitiv". Man dürfe nicht  vergessen, dass er auch viel Zuspruch erfahre.

Immer mehr Menschen leben nach Einschätzung des Wiener Theologen und Soziologen Paul Zulehner gegen eigene  Überzeugungen. Beim Katholikentag in Regensburg sagte er am Freitag,  Priorität habe für viele Beziehung, Kinder, Familie und Freunde,  tatsächlich stehe dann aber die Arbeit im Vordergrund. Nach Zulehners  Erkenntnis gibt es deshalb eine zunehmende Zahl von "Aussteigern".

Für Zulehner wird es zunehmend wichtiger, Lebensarbeitszeit  organisieren zu können. Dann könne man sich besser um Kinder oder die  Pflege der Eltern kümmern. Es fehle eine Politik, die die  Flexibilität junger Menschen begünstige. Der Theologe geht davon aus,  dass die Rollen von Frauen und Männern künftig "weich wie Wachs  werden". Die Menschen seien indes insgesamt oft "besser, als wir  Katholiken denken".

Zulehner verfasste 1992, 2002 und 2012 Studien über die Entwicklung  der Geschlechterrollen in Österreich. Typisch für die jetzige  Situation ist demnach, aushandeln zu können, was wann passieren soll.  Dabei komme es dazu, dass sich "moderne Phasen" und "traditionelle  Phasen" gegenseitig und immer wieder neu ablösen könnten. Es sei  allerdings schwer, den Wunsch nach Wählbarkeit sozialpolitisch zu  unterstützen.

Christen müssen beim Umweltschutz aus Sicht des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke Vorbilder sein. Schließlich  sei der Lebensstil der Bescheidenheit und des Maßhaltens etwas  Urchristliches, sagte der Bischof am Freitag beim Katholikentag in  Regensburg. Christen sollten weder Überfluss, Reichtum noch  Übersättigung suchen, sondern vielmehr teilen und sozial Handeln, so  Hanke. Als Beispiele führte er die Fastenzeit oder den  Fleischverzicht am Freitag an. "Wir Christen haben schon lange den  Veggie-Day", so Hanke. "Wir hatten ihn nur wieder vergessen."

Das Aufzeigen drohender Klimakatastrophen helfe hingegen nur wenig  weiter. "Wenn wir den Menschen nur Schreckensszenarien vor Augen  halten, können wir sie nicht zu positivem Handeln motivieren", so der  Bischof. Anstatt die Endlichkeit der Welt hervorzuheben, sei es  wichtiger, den Glauben an die Schöpfung als unendliches Netz zwischen  Gott und seinen Werken zu bewahren.

Hanke warb zudem für den Umweltschutz in katholischen Gemeinden.  Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinden sollten zu mehr  Eigenverantwortung im Klimaschutz angeregt werden. Im Bistum  Eichstätt steht Hanke Pate für eine Klimaoffensive, die das Ziel hat,  bei der kirchlichen Umweltarbeit bis 2030 die CO2-Emissionen um 50  Prozent zu senken.

In seiner Zeit als Abt im oberpfälzischen Benediktinerkloster  Plankstetten hatte Hanke eine sukzessive Ökologisierung des Klosters  angeregt. Von der Landwirtschaft, über die Küche bis hin zur  Wäscherei wurde das Kloster entsprechend umgewandelt. Bereits in  seinem ersten Hirtenbrief sprach sich Hanke für eine "Ökologie des  Herzens" aus, die sich weniger an einer "Nützlichkeit" der Umwelt  orientiert als an einer Liebe zur Natur und zur Schöpfung.

Für eine historische Aufarbeitung der Katholikentage  hat sich der Fuldaer Erzbischof und Präsident der katholischen  Friedensbewegung Pax Christi, Heinz Josef Algermissen, ausgesprochen.  Algermissen bezog sich dabei am Freitag in Regensburg besonders auf  die Rolle des Katholikentags vor dem Ersten Weltkrieg. Bei einer  Diskussion über die Rolle der Kirche im Ersten Weltkrieg bedauerte  er, dass es das Katholikentreffen seinerzeit nicht geschafft habe,  deutlich gegen das Blutvergießen Stellung zu beziehen. Außer Appellen  von Einzelpersönlichkeiten, die keinen Einfluss gehabt hätten, habe  es keinerlei Initiativen gegeben.

Als einen Grund für die nationale Gesinnung vieler Katholiken und  Bischöfe nannte er die leidvolle Erfahrung des Kulturkampfes. Aus  dieser Erfahrung heraus hätten sich die Katholiken als "besonders  gute Staatsbürger ausweisen wollen". Als Beispiel nannte die  fragwürdige "persönliche Ergebenheitsadresse" des späteren Münchner  Erzbischofs Michael Faulhaber an den Kaiser.

"Der Kriege beginnt immer in den Herzen der Menschen, niemals auf dem  Schlachtfeld", betonte Algermissen. Deshalb sei auch der Erste  Weltkrieg mit Begriffen wie dem vom "Todfeind" vorbereitet worden.  Schließlich habe ein Großteil der Bevölkerung den Beginn des Krieges  als so etwas wie einen "heiligen Vorgang" erlebt. Nach Ansicht des  Präsidenten von Pax Christi gibt es auch heute noch eine Disposition  der Menschen, einem solchen "Sog" zu folgen und "gegen die eigene  Gewissensüberzeugung mitzuziehen". Deshalb sei die Kirche weiterhin  aufgerufen, solche Entwicklungen im Vorhinein "nicht zuzulassen oder  zu bekämpfen".

Ein Diakon ist nach den Worten des Augsburger  Bischofs Konrad Zdarsa, "alles andere als ein gesegneter  Sozialarbeiter". Vielmehr über er "den Dienst der Liebe vom Altar her  aus", sagte Zdarsa am Freitag beim Katholikentag in Regensburg. Der  Dienst des Diakons stehe vor der Herausforderung von Einheit und  Einmütigkeit, so der Bischof. Dabei müsse "Einmütigkeit das Streben  aller sein", während die Einheit sich dann als Geschenk einstelle.  Zdarsa äußerte sich bei einem Gottesdienst mit der  Bundesarbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat in Deutschland.

Der Diakonat ist in der katholischen Kirche die erste Stufe des  Weiheamts. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) war er nur  eine Durchgangsstufe zum Priesteramt. Seit 1968 können auch  verheiratete Männer zu "Ständigen Diakonen" geweiht werden; sie  streben kein Priesteramt an. Ständige Diakone dürfen taufen und  predigen, nicht aber die Messe lesen oder Beichte hören. Viele  Ständige Diakone üben neben ihrem liturgischen Dienst einen  Zivilberuf aus.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ist dafür, dass Laien stärker Verantwortung in der katholischen Kirche übernehmen. Eine neue Rollenverteilung sollte in Zeiten des Priestermangels aber mehr sein als nur eine Notlösung, betonte der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag beim Katholikentag in Regensburg: "Not treibt auch zu Dingen, die tiefer und richtiger sind", sagte Bode.

"Das gemeinsame Priestertum ist längst Realität", betonte Elfriede Schießleder, Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes KDFB. Andernfalls könne die Kirche gar nicht überleben, so Elfriede Schießleder: "In der Realität haben wir mehr Möglichkeiten als wir uns alle zutrauen."

Geistliche und Laien seien immer stärker aufeinander verwiesen, erklärte der Paderborner Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Günter Wilhelms. Gerade in Zeiten der Krise der Kirche stelle sich aber auch die Frage, wie heute Mitbestimmung zu gestalten sei.

Der Hildesheimer Generalvikar Werner Schreer warb für eine andere Kultur des Miteinanders in der Kirche. Derzeit gebe aber nicht nur Priester, die sich den Laien widersetzten, sondern auch Laien, die sich an der Hierarchie festhielten.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat zu einem rücksichtsvollen Umgang mit der Natur und den Ressourcen der Erde aufgerufen. "Die Erde wird nicht unwichtiger", ermahnte der Bischof am Freitagabend auf dem Katholikentag in Regensburg. Sie sei den Menschen anvertraut und müsse geschützt werden. Hochachtung verdienten daher besonders Landwirte und die ländliche Bevölkerung weltweit, sagte der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Durch diese Menschen werde nicht nur Nahrung angebaut, sondern die Erde auch kultiviert.

Zuvor hatten Vertreter der Internationalen Katholischen Landvolkbewegung FIMARC auf die Sorgen von Bauern und der ländlichen Bevölkerung aufmerksam gemacht. 1,2 Milliarden Menschen litten weltweit an Hunger, davon lebten 75 Prozent in ländlichen Gebieten, sagte FIMARC-Geschäftsführer George Dixon Fernandez.

(KNA, epd, dpa)

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