17.05.2012

Thierse kritisiert Merkels Umgang mit der Macht und mit Röttgen "Menschlich unangenehm"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse zeigt sich enttäuscht von Kanzlerin Angela Merkel Gegenüber domradio.de bezeichnet der SPD-Politiker auf dem Katholikentag den Rausschmiss Norbert Röttgens als "menschlich unangenehm". Aber auch Parteifreunde der Kanzlerin wie Karl-Josef Laumann und Wolfgang Bosbach machen ihrem Unmut Luft.

ZdK-Mitglied Wolfgang Thierse krisiert den Umgang Merkels mit Norbert Röttgen: "Das war kein Rücktritt - sonder es war ein harter, um nicht zu sagen brutaler Rausschmiss. Dass manchmal in der Politik  solche Schritte notwendig sind, werde ich nicht bestreiten." so Thierse am Donnerstag in Mannheim. Aber die Niederlage bei der NRW-Wahl "von sich wegzudrücken, in dem man einfach einen Minister ganz hart fallen lässt" sei "menschlich unangenehm und ich glaube politisch wirklich nicht hilfreich".

Die SPD sieht in Röttgen ein "Bauernopfer" Merkels. Die Kanzlerin habe sich damit selbst vor Kritik schützen wollen, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Donnerstag. "Die Entlassung ihres ehemaligen Vertrauten ist ein Zeichen der Schwäche. Angela Merkel gesteht damit ein, wie schlimm es um die Regierung steht", sagte Oppermann.

Der Sprecher des einflussreichen konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, forderte als Konsequenz Neuwahlen im Bund. "CDU, CSU und FDP beschäftigen sich nur noch mit sich selber", sagte Kahrs "Handelsblatt Online". Zudem verliere die Koalition in den Ländern eine Wahl nach der anderen und damit auch ihre Mehrheit im Bundesrat.

"Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns ganz gut anstehen"
Die überraschende Entlassung Röttgens sorgt für Unruhe auch in der CDU. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bedauerte das Aus. "Es ist bedauerlich für ihn als unmittelbar Betroffenen, für das Ressort und auch für die Partei", sagte Lammert am Mittwoch in Erfurt. Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach zeigte sich irritiert über die Art und Weise, wie Röttgen entlassen wurde. "Ich hätte ihm im Amt eine zweite Chance gegönnt", sagte Bosbach "Zeit Online". "Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns ganz gut anstehen", sagte er.

Es war das erste Mal in ihrer knapp siebenjährigen Amtszeit, das Merkel einen Minister entließ. Für die schwarz-gelbe Bundesregierung ist es die vierte Kabinettsumbildung seit ihrem Start 2009.

Der 46-jährige Röttgen hatte als NRW-Spitzenkandidat am Sonntag das schlechteste CDU-Wahlergebnis aller Zeiten im bevölkerungsreichsten Land eingefahren. Die CDU stürzte an Rhein und Ruhr auf 26,3 Prozent ab. Seinen Rückzug vom CDU-Landesvorsitz hatte Röttgen direkt am Wahlabend verkündet. Der Politiker, der auch stellvertretender CDU-Chef ist, galt vor dem Wahldebakel als Hoffnungsträger der Union.

Noch am Montag hatte die CDU-Vorsitzende Merkel an Röttgen als Bundesumweltminister festgehalten.

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