Der Katholikentag soll für einen neuen Aufbruch in Kirche, Politik und Gesellschaft Mut machen
Der Katholikentag soll für einen neuen Aufbruch in Kirche, Politik und Gesellschaft Mut machen

08.02.2012

ZdK-Generalsekretär Vesper über das Programm des Katholikentages "Das sind große Tankstellen, die Katholikentage"

Vom 16. und 20. Mai ist Katholikentag in Mannheim. Dazu und zu den Vorbereitungen äußert sich der Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Stefan Vesper, im domradio.de-Interview. Religiöse Großveranstaltungen wie der Katholikentag wirkten nachhaltig, betonte Vesper. Um als Christen in der Welt Zeugnis zu geben, brauche es Orte, Tage und Ereignisse, "wo wir selber auch Kraft schöpfen und das sind Katholikentage".

domradio.de: "Einen neuen Aufbruch wagen", so lautet das diesjährige Motto. Wohin wollen Sie denn die katholische Kirche mit diesem Katholikentag lenken?
Vesper: Wir glauben, dass die Kirche aus diesem Vertrauensverlust, den sie in den letzten Jahren erlitten hat, heraus muss, dass sie wieder zukunftsfähig gestaltet werden muss. Das geht nur, wenn Bischöfe und Laien, wenn Priester und Laien, aus den Gemeinden in guter und fairer partnerschaftlicher Weise miteinander reden und wenn wir der Gesellschaft zeigen, dass wir der Gesellschaft etwas anzubieten haben. Darum wollen wir miteinander einen neuen Aufbruch wagen, kirchlich wie aber auch gesellschaftlich, so dass die Menschen sehen, ihr habt etwas, was wir brauchen. Es gibt Beiträge zur Lösung unserer Fragen und unserer Probleme.

domradio.de: Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie denn?
Vesper: Der Katholikentag soll sich beiden Seiten widmen, dem Aufbruch, den wir in der Kirche brauchen und dem Aufbruch, den wir in der Gesellschaft brauchen. Der kirchliche Aufbruch zu einer zukunftsfähigen Kirche, der muss sich mit allen Themen befassen, die derzeit befragt sind, die sogenannten sperrigen Themen, aber vor allem auch mit der Frage nach dem Glauben, der Frage nach dem Evangelium und der Frage, wie wir eine zeitgemäße Kirche mitten unter den Menschen sein können. Wir haben jetzt das Jubiläum 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Daran werden wir anknüpfen und fragen, wo ist heute das Aggiornamento nötig, die Annäherung an die Zeit, wie können wir die Zeichen der Zeit, die wir heute sehen, im Lichte des Evangeliums deuten und unseren Beitrag zur Gestaltung unserer Kirche leisten. Auf der weltlichen Seite ist es natürlich so, dass wir in einer vielfachen Krise in unserer Zeit leben. Die Finanzkrise hat das gezeigt, die Europa-Krise in der wir stecken. Wir müssen für all diese Krisen Antworten entwickeln und da sollen die Katholiken nicht wie die Zuschauer draußen bleiben, sondern sie sollen die Ärmel aufkrempeln und als Katholiken sich zur Lösung der großen Probleme in der Gesellschaft einsetzen.

domradio.de: Inwiefern schlägt denn der Katholikentag auch versöhnliche Töne an zu jenen Bischöfen, die ihm vielleicht nicht ganz so gewogen sind, im Sinne des Dialogprozesses?
Vesper: Der Dialogprozess ist ein Dialogprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Gesamtheit ausgerufen hat. Der Vorsitzende Erzbischof Zollitsch hat das mit einem einstimmigen Votum aller Bischöfe getan, also da soll man nicht so tun, als seien da einige dafür und einige dagegen. Nein, es ist ein gemeinsames Vorhaben der Deutschen Bischofskonferenz und sie hat dazu viele eingeladen und aufgerufen, sich zu beteiligen. Der Katholikentag ist auch ein Meilenstein innerhalb des Dialogprozesses, auch in den Übersichten, die die Deutsche Bischofskonferenz herausgibt, da steht eben der Katholikentag 2012 in Mannheim und 2014 in Regensburg drin. Das ist eine große Einladung zum Mittun an alle und es wird auch wahrgenommen von ganz vielen. Wir sind sicher bei ungefähr 70 Bischöfen, die sich angemeldet haben, die Vorträge halten, die sich Diskussionen stellen, die natürlich Gottesdienst mit uns feiern. Da sind sehr, sehr viele namhafte Bischöfe aus Deutschland und ganz Europa auch vorhanden und natürlich auch aus Rom wie Kardinal Kasper und Kardinal Turkson.

domradio.de: Großes Thema und manchmal Streitpunkt ist immer wieder die Ökumene, wie ökumenisch wird denn dieser Katholikentag sein?
Vesper: Wir haben wieder im Vorfeld ein eigenes ökumenisches Zentrum. Wir haben verschiedene große und kleine ökumenische Gottesdienste. Wir reden über die offenen ökumenischen Fragen, das ist ja auch Teil des Dialogprozesses. Wir haben viele Gäste aus der Ökumene, wir werden auch bei den biblischen Impulsen, mit denen die Arbeitstage des Katholikentags beginnen, sowohl den Ratspräsidenten Nikolaus Schneider berücksichtigen, er hat zugesagt und hält einen biblischen Impuls. Auch zugesagt haben der evangelische Ortsbischof Fischer aus der badischen Landeskirche oder evangelische Politiker wie Katrin Göring-Eckardt als Präses der EKD. Also wir haben sehr, sehr viele ökumenische Beteiligungen, das alles geschieht in großer Kooperation und großer Freundschaft.

domradio.de: 50.000 Menschen erwarten Sie, meistens werden es dann doch mehr, je nachdem wie das Wetter ist, religiöse Massenevents sind im Trend. Wie nachhaltig ist denn ein solcher Hype dieser Massenveranstaltungen?
Vesper: Ich glaube, es liegt vor allem an dem, was so eine Veranstaltung an Begegnungen ermöglicht und an Tiefenerfahrungen. Es ist wirklich heute in der Pressekonferenz passiert, dass jemand an den Freiburger Katholikentag von 1978 erinnerte und viele erinnern sich noch daran, dass sie zum ersten Mal Roger Schütz gesehen haben, zum ersten Mal Mutter Theresa. Da sind manchmal bei diesen großen Ereignissen Momente, wo jemand in die Seele hineinspricht oder in die Seele als tiefe Erfahrung hineinkommt. Das ist bei so großen Treffen wie Katholikentagen möglich. Das ist eine große Chance, Menschen zu prägen und vor allem ihnen Mut zu machen, wenn sie nach Hause gehen, zu sagen, ich bin gerne katholisch. Es ist gut sich als Christ in der Gemeinde und in der Welt zu engagieren. Das sind große Tankstellen, die Katholikentage! Wir wollen als Christen in der Welt Zeugnis geben, wir wollen das Evangelium lebendig mitten unter den Menschen zum Leben bringen und dafür brauchen wir auch Orte und Tage und Ereignisse, wo wir selber auch Kraft schöpfen und das sind Katholikentage.

Das Interview führte Monika Weiß (domradio.de)

In Mannheim ist am Mittwoch das Programm des Katholikentreffens vorgestellt worden. Unter anderen werden Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Auch die Halbschwester von US-Präsident Barack Obama, die kenianische Soziologin Auma Obama, habe ihr Kommen angekündigt.

Erzbischof Zollitsch betonte: Der christliche Glaube sei auch in der postmodernen Gesellschaft topaktuell. Nötig seien "nicht nur Bodenhaftung, sondern auch Himmelhaftung". Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bezeichnete den Katholikentag als Zeitansage, der Orientierung geben soll in der "Unübersichtlichkeit der vielen Krisen, die unsere Gegenwart prägen".

Der Katholikentag wird im Wechsel mit dem evangelischen Kirchentag alle zwei Jahre veranstaltet. In Mannheim werden rund 25.000 Dauerteilnehmer sowie 30.000 Tagesgäste erwartet. Der letzte Katholikentag fand 2008 in Osnabrück statt. 2010 hatten sich evangelische und katholische Christen zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München getroffen.

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