Figur des gekreuzigten Jesus mit "INRI"-Schriftzug
Figur des gekreuzigten Jesus mit "INRI"-Schriftzug

02.04.2021

Leid und Hoffnung - Karfreitag kann jeden Tag sein Kreuz, Corona und ein Tanz

Karfreitag ist im Christentum ein stiller Tag. Nach seinem Leiden ist Jesus auferstanden. Auch im weltlichen Leben gibt es Leid, in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Doch auch hier kann Hoffnung folgen.

Der Tod und die Auferstehung Jesu sind im christlichen Glauben zentral. Die Auferstehung steht für Hoffnung, doch ist sie unmittelbar mit Schmerz und Leid verbunden, denn Jesus starb einen Foltertod. Daran erinnern Christen an Karfreitag. Ein paar Gedanken zu Leid und Hoffnung, damals und heute, im Leben und in der Kunst:

Kreuz

Der Tod am Kreuz war eine besonders grausame und schmerzvolle Foltermethode, die die Qualen des Gekreuzigten oft über Tage in die Länge zog. Jesus war zuvor bereits gegeißelt worden. Sein Tod und sein Leid dauerten über Stunden an und waren nicht abgeschirmt, sondern ein öffentliches Ereignis: Dem Lukas-Evangelium zufolge waren Menschen herbeigeströmt. Einige verhöhnten und verspotteten ihn. Über Jesus am Kreuz war eine Tafel mit den Worten "Das ist der König der Juden" angebracht. Bei Lukas heißt es darüber hinaus, dass "alle seine Bekannten", auch die Frauen, in einiger Entfernung vom Kreuz standen und «alles mit ansahen».

Zeugen

Man kann sich denken, welchen Schmerz die Anhänger Jesu angesichts seines Todes und der Umstände gespürt haben. Gemälde zu Jesu Kreuzigung beziehungsweise Kreuzwegstationen zeigen das Leid vor allem aufseiten der Frauen: Dargestellt werden zum Beispiel Demut, zum Gebet gefaltete Hände, ringende Hände, schmerzerfüllte Gesichter, verzweifelte Umklammerungen des Kreuzes oder gar Zusammenbrüche. Auch in der Pieta scheint dieser Schmerz in unterschiedlichen Ausprägungen auf: Die Gottesmutter Maria hält ihren toten Sohn auf dem Schoß. Selbst bei der berühmten Skulptur von Michelangelo im Petersdom wird trotz aller marmornen Glattheit und Ästhetik die Trauer sichtbar.

Folter

Auch heute wird in vielen Ländern gefoltert: in Kriegen und Konflikten, aber auch in staatlichen Gefängnissen. Laut Amnesty International wurden 2017 in 141 Staaten Gefangene gefoltert oder misshandelt - durch Schlafentzug, Schläge, Elektroschocks, sexuellen Missbrauch und andere Methoden, die auch auf eine Beschädigung der Psyche abzielen. Folter ist verboten. Im Jahr 1984 machte die UN-Antifolterkonvention dieses Verbot völkerrechtlich verbindlich, in Kraft trat sie 1987. Im Februar 2021 verurteilte das Koblenzer Oberlandesgericht in einem Folter-Prozess einen Syrer wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu viereinhalb Jahren Haft.

Krankheit

Leid wird auch durch Krankheiten verursacht. Manche wie etwa Krebs können tödlich enden, chronische Erkrankungen Menschen mitunter ein Leben lang stark beeinträchtigen. Manch einer leidet so stark, dass er seinem Leben ein Ende setzen möchte. Die Debatte über Sterbehilfe dauert an. Auch in der Corona-Pandemie ist viel von Leid die Rede, etwa, wenn Betroffene wochenlang auf Intensivstationen liegen, beatmet werden müssen und danach vielleicht noch lange mit Spätfolgen zu tun haben. Mehrere Zehntausend Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben. Teilweise konnten sich Angehörige wegen der Kontaktbeschränkungen von den Toten nicht persönlich verabschieden.

Psyche

Wer um einen Menschen trauert und sich vielleicht noch nicht einmal von ihm verabschieden konnte, leidet. Das kann bis zu einem Trauma reichen. Auch andere schwerwiegende Ereignisse können Menschen aus der Bahn werfen: Verlust, Missbrauch, Vernachlässigung, Armut, Einsamkeit, Mobbing. Es kommt vor, dass manche dann keinen Ausweg mehr sehen: 2019 starben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 9.041 Personen durch Suizid, mehr Männer als Frauen.

Hoffnung

Die gute Nachricht ist, dass es für leidende Menschen in der säkularen Welt Hilfsangebote gibt: Palliativmedizin, Therapien, Beratungsangebote und nicht zuletzt Freunde und Familie. Im Kontext der Kirche helfen Seelsorger. In den Psalmen im Alten Testament heißt es zwar: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen; bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage". Zugleich geht es dort um Gewissheit und Vertrauen. Auf Tod und Leid folgt die Auferstehung, die für unverbrüchliche Hoffnung steht. Nicht von ungefähr erhebt der Christus am Kreuz in der Basilika der heiligen Therese von Lisieux seine Arme - frei, nicht ans Kreuz geschlagen, beinahe wie im Tanz.

Leticia Witte
(KNA)

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