Papst Franziskus mit Osterkerze
Papst Franziskus mit Osterkerze
Das Kolosseum am Karfreitag
Das Kolosseum am Karfreitag
Kreuz vor dem vor dem Kolosseum in Rom
Kreuz vor dem vor dem Kolosseum in Rom

20.04.2019

Rückblick und Vorausblick auf Ostern in Rom Vom Kolosseum zum Petersdom

Am Karsamstag schweigen die Glocken, nirgendwo auf der Welt wird bis zur Osternacht ein katholischer Gottesdienst gefeiert. Alles wartet gespannt auf das Fest der Feste. DOMRADIO.DE-Reporter Renardo Schlegelmilch berichtet von den Vorbereitungen in Rom.

DOMRADIO.DE: Lass uns gerade nochmal zurückblicken. Am Abend des Karfreitag hat Papst Franziskus den Kreuzweg im Kerzenschein am Kolosseum begangen. Du warst dabei. Wie war das?

Schlegelmilch: Das war definitiv eine besondere Stimmung. Die Römer sprechen davon, dass es für sie sogar das Highlight dieser Feierlichkeiten ist. Man muss sich vorstellen, eine riesige Menschenmenge, 15 000 Leute waren da – das hätte ich nie gedacht. Die standen zwischen dem hell erleuchteten Kolosseum und einem Hügel, wo der Papst sitzt – man ist quasi in einer Kuhle. Jeder hat seine Kerze und sein Gebetbuch und dann werden die Stationen des Kreuzwegs begangen. Außerdem gibt es einen Chor, der aus dem Vatikan kommt und das alles sehr ruhig und stimmungsvoll begleitet.

Und das ist nicht nur für die Römer ein Erlebnis, sondern Menschen aus aller Welt kommen dahin. Das hast du an diesem Sprachengewirr gemerkt. Das, was der Papst dann gesagt hat, hat die Menschen sehr berührt. Denn er hat versucht, das Leid am Kreuz mit der heutigen Zeit in Verbindung zu setzen. Er fragt: "Wer sind denn heute die Menschen, die das Kreuz tragen?" Heute sind das die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken. Heute sind das die Kinder, die von Geistlichen misshandelt werden. Da ist einem manchmal das Schlucken im Hals stecken geblieben.

DOMRADIO.DE: Heute ist ein stiller Tag, zumindest bis heute Abend. Die Osternacht beginnt im Vatikan um 20.30 Uhr. Warum schon so früh?

Schlegelmilch: Die Päpste wollen relativ früh ins Bett. Das kann man auch verstehen, denn die haben ein krasses Programm. An so einem Tag wie Karfreitag: erst die Karfreitagsliturgie und dann noch Kreuzweg. Am Donnerstag war der Papst in einem Gefängnis außerhalb von Rom und hat die Füße von Häftlingen gewaschen. Und am Ostersonntag gibt es dann den großen Gottesdienst mit dem Segen "Urbi et orbi". Und heute, am Karsamstag, eben um 20:30 Uhr die Ostervigil im Petersdom. Die hat ursprünglich, wie das eigentlich angedacht ist, um 0 Uhr stattgefunden – so macht man das klassisch in der Osternacht. Johannes Paul II. hatte das noch so gemacht. Benedikt hat das dann schon ein bisschen nach vorne verlegt. Und Franziskus hat das jetzt nochmal nach vorne gezogen, sodass es schon um 20:30 Uhr losgeht.

DOMRADIO.DE: Merkt man denn schon was von den Vorbereitungen für das Osterfest im Vatikan?

Schlegelmilch: Man merkt, dass hier jede Menge Floristen rumrennen. Denn der Blumenschmuck wird angebracht. Das sind 50 000 Blumen, die extra aus Holland vom Keukenhof nahe Amsterdam angereist sind. Ich war gestern bei der Vorstellung dieser Blumen, die Paradiesvögel genannt werden und auch ein bisschen wie Vögel mit kleinem orangenen Schnäbeln aussehen. Im Laufe des Tages werden die auf dem Petersplatz verteilt und aufgebaut, sodass es dort dann tatsächlich so wie ein kleiner Garten aussieht. Im letzten Jahr wurden sogar noch sieben oder acht Bäume aufgestellt. Das soll natürlich die Wiedergeburt, die Auferstehung, das Leben als Symbol für Ostern darstellen.

DOMRADIO.DE: Und morgen kommt dann der große Höhepunkt. Die Ostermesse mit Papst Franziskus um 10 Uhr, mit dem anschließenden "Urbi et orbi"-Segen.

Schlegelmilch: Ich habe mir mal die Frage gestellt: Warum ist dieses "Urbi et orbi" eigentlich so wichtig und so bekannt? Denn einen Segen gibt es für die Anwesenden bei jedem Papst-Gottesdienst. Dann habe ich gestern mal im deutschen Pilgerzentrum nachgefragt und der Direktor, Werner Demmel, hat mir erklärt, dass das der Moment ist, an dem die Kirche nicht nur an die Leute im Gottesdienst denkt, sondern an die gesamte Menschheit. Davor im Gottesdienst sind wir froh, dass wir die Auferstehung begehen, aber dann tritt der Papst aus dem Petersdom und spendet den Segen nicht bloß den gläubigen Christen, sondern der ganzen Stadt und darüber hinaus noch der kompletten Welt. Das heißt, alle Andersgläubigen, alle Nichtgläubigen, alle sind in diesem Moment in diesem Segen des Papstes eingeschlossen. Und das ist auch der Grund, warum wir das heute überall im Fernsehen übertragen sehen, warum das in jeder Nachrichtensendung zu sehen ist. Das ist tatsächlich so der Moment, in dem im Prinzip die ganze Welt katholisch ist. Denn katholisch heißt ja im eigentlichen Wortsinn "allumfassend" und das trifft hier zu.

Das Interview führte Moritz Dege.

(DR)

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