Blick auf das Kerzenmeer in der Grabeskirche
Blick auf das Kerzenmeer in der Grabeskirche
Die wohl berühmteste Grabeskirche in Jerusalem
Salbungsstein in der Grabeskirche in Jerusalem
Grabeskirche in Jerusalem, am Fenster rechts oben lehnt die Holzleiter
Grabeskirche in Jerusalem, am Fenster rechts oben lehnt die Holzleiter

19.04.2019

Der lange Streit um die Grabeskirche in Jerusalem "Die Konfessionen müssen sich hier begegnen"

Heiligtum und Zankapfel: Seit Jahrhunderten streiten Christen verschiedener Konfessionen darum, welcher Teil der Grabeskirche in Jerusalem ihnen gehört. Das bringt Chaos mit sich, macht die Kirche aber auch zu einem Ort der Begegnung.

DOMRADIO.DE: Welche Konfessionen sind das denn genau und wie muss man sich das mit der Aufteilung vorstellen in der Grabeskirche?

Wolfgang Baur (Stellvertretender Direktor des Katholischen Bibelwerks): Die Grabeskirche wurde von Anfang an von Pilgern besucht. Und zwar sind die Pilger an bestimmte Orte gegangen, zum Beispiel zum Salbungsstein, zur Kreuzauffindungskapelle oder zum Grab selber. Diese Teile werden nun von verschiedenen Konfessionen beansprucht, sodass die Kirche in etwa 25 Schnipsel aufgeteilt wurde. Die wichtigste Konfession ist die griechisch-orthodoxe Kirche, dann kommen die römische Kirche, vertreten durch die Franziskaner, und die armenische. Später kamen die syrisch-, die äthiopisch- und die armenisch-orthodoxe Kirche noch dazu.

DOMRADIO.DE: Wie kommt es denn nun grundsätzlich zu dieser Situation – zu diesem Geschnipsel, wie Sie es nennen – in der Jerusalemer Grabeskirche?

Baur: Es musste damals ein sogenannter Status quo gefunden werden. Bereits im 12. Jahrhundert stellte der osmanische Sultan fest, dass die Christen das allein nicht auf die Reihe bringen. Deswegen hat er eine Regelung festgelegt, nach der einzelne Bereiche und Zeiten den Konfessionen zugewiesen wurden. Und dieser Status quo wurde dann später von der osmanischen Regierung und dann auch vom Berliner Kongress, der den Frieden im Nahen Osten sichern sollte, bestätigt und besteht bis heute.

DOMRADIO.DE: Welche Folgen kann das denn haben?

Baur: Die Folgen sind zum einen, dass bestimmte Bereiche nur für bestimmte Konfessionen zu bestimmten Zeiten betretbar sind. Es gibt Zeiten im Heiligen Grab, wenn die Griechisch-orthodoxen drin sind, und es gibt Zeiten, zu denen nur die Römisch-katholischen reindürfen. Und es gibt bestimmte Bereiche, die als Altäre den verschiedenen Konfessionen zugewiesen sind. Zum Beispiel haben die Katholiken drei Orgeln in der Kirche, die nur von ihnen benutzt werden. Protestanten gibt es übrigens in der Kirche gar keine. Die haben ein paar hundert Meter weiter eine eigene Kirche.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja an der Grabeskirche auch eine alte Holzleiter – was hat es damit auf sich?

Baur: Das ist ein ziemlich kurioses Objekt. Die Kirche wrd auf Anordnung des Sultans nachts immer von zwei muslimischen Familien abgeschlossen. Im 19. Jahrhundert haben Mönche deswegen eine Leiter verwendet, um durchs Fenster in die Kirche einzusteigen. Mittlerweile wird sie nicht mehr benutzt, aber die Leiter kann von keinem entfernt werden, weil niemand weiß, wer die Berechtigung für diesen Teil der Kirche hätte.

DOMRADIO.DE: Wie verlaufen denn vor diesem Hintergrund in diesen Tagen die Gottesdienste?

Baur: Zunächst einmal ist das alles zeitlich geregelt. Es fängt nachts um 23 Uhr an – da beginnen die Orthodoxen ihren Gottesdienst. Später kommen die Armenier, morgens um 4 Uhr die Kopten und die Syrer und so ab 5:30 Uhr fangen die Franziskaner mit ihren Prozessionen und Gottesdiensten an. Das ist also ganz genau geregelt. Und das zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass es in der Grabeskirche keine Zeitumstellung auf Sommerzeit gibt, weil sonst der ganze liturgische Kalender durcheinander käme.

DOMRADIO.DE: Irgendwie also alles auch ein wenig chaotisch. Aber können Sie dieser Situation denn auch was Positives abgewinnen?

Baur: Die Kirche hat wirklich zwei Seiten. Zum einen die chaotische – da gibt es auch Schlägereien und Streit. Aber es ist witzigerweise auch der Ort, an dem sich die christlichen Konfessionen, die sich getrennt haben, nicht aus dem Weg gehen können. Ausgerechnet da, wo Jesus nicht mehr ist, müssen sie sich begegnen. Und die Tatsache, dass Christen hier auch auf Muslime angewiesen sind, um ihren Ort des Gottesdiensts zu betreten, wirkt auf mich in Zeiten religiöser Abgrenzungen höchst sympathisch.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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