Rosenmontag in Köln
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28.02.2019

Wie Karnevalsmuffel und Jecken zueinander finden können Eine Frage der Balance

Die fünfte Jahreszeit ist in vollem Gang. Was für die einen Grund zu Freude und Ausgelassenheit ist, ist für die anderen ein Graus. Ein Paradebeispiel für Polarisierung. In Familien kann das zu Schwierigkeiten führen.

Weihnachten gilt als Fest der Liebe und der Familie - aber auch als Anlass für so manchen Streit. Was übers Jahr unter der Oberfläche gebrodelt hat, bricht nicht selten an den Feiertagen hervor. Zu anderen Festen wie Karneval kommt das selten in dieser Heftigkeit vor, meint Markus Wonka. Der Theologe und Psychologe leitet die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster. Aber: Alles, wozu es unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen gibt, kann zu Streit führen.

Manches Beispiel klingt banal: etwa zwei Geschwister, die unterschiedliche Fußballvereine unterstützen, oder Eltern, die sich bei der Urlaubsplanung nie einig sind, weil einer das Meer liebt und der andere die Berge. "Unterschiedlichkeit in Beziehungen ist immer eine Herausforderung", sagt Wonka. Das gilt gerade für die vermeintlich kleinen Dinge - und eben auch im Karneval.

Die fünfte Jahreszeit scheint ein Paradebeispiel für Polarisierung zu sein: man liebt es oder hasst es - und ist entweder tagelang mit Kostüm und "Viva Colonia" auf den Lippen unterwegs oder aber lieber ganz weit weg von den rheinischen Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf oder den süddeutschen Faschingsstandorten.

Langfristig sollte sich das Geben und Nehmen die Waage halten

Beim Umgang mit solchen Unterschieden gibt es laut Wonka zwei Möglichkeiten. Entweder versuchen alle Beteiligten, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden - mit der Gefahr, dass keiner wirklich zufrieden ist. "Die Alternative ist, dass jeder dem anderen zugesteht, was er braucht." Für ein Paar kann das bedeuten: Der Narr oder die Närrin zieht mit Freunden um die Häuser, während der Karnevalsmuffel zu Hause bleiben darf. "Das kann der Weg sein, der für mehr Bereicherung und Impulse in der Beziehung sorgt", sagt Wonka.

Wichtig ist dafür etwas, das der Psychologe "innere Erlaubnis" nennt. Wenn derjenige, der zu Hause bleibt, insgeheim doch gekränkt ist - oder der Feiernde enttäuscht ist, dass der andere nicht mitkommen wollte, dann ist Streit programmiert. "Dem anderen zuzugestehen, was ihm oder ihr wichtig ist, ist eine Frage der Balance", erklärt Wonka. "Wenn ich meinem Partner etwas zugestehe, aber das Gefühl habe, immer derjenige zu sein, der Zugeständnisse macht - dann ist es um diese Balance vermutlich nicht gut bestellt." Langfristig sollte sich das Geben und Nehmen die Waage halten.

"Jeder sollte mit seinem Vorschlag zu Wort kommen"

Auch der Kölner Psychologe Peter Groß rät davon ab, sich gegenseitig zu erpressen. "Den Partner zu zwingen, mich zu einer Party zu begleiten, ist übergriffig." Wenn jemand sich verbiege und mit missmutiger Stimmung mitgehe, habe niemand etwas davon. Das gelte nicht nur für die Fastnacht, sondern auch, wenn etwa über die generelle Freizeitgestaltung unterschiedliche Vorstellungen herrschten. All solche Probleme des Alltags lassen sich aber lösen, betont Groß.

Zum Beispiel in einer kleinen Familienkonferenz: "Dort sollte jeder mit seinem Vorschlag zu Wort kommen." Im Idealfall steht am Ende ein Kompromiss - zum Beispiel, dass die Kinder Karneval mit Verwandten feiern und die Eltern sich eine Auszeit nehmen. Oder, dass in einem Jahr gemeinsam gefeiert und im nächsten Jahr verreist wird.

Das Ausprobieren kann einen Versuch wert sein

Familienberater Wonka sieht es dagegen als Aufgabe von Eltern, die Impulse von Kindern aufzunehmen, zu ermöglichen und zu fördern. Wenn also Karneval im Kindergarten oder in der Kirchengemeinde gefeiert wird, sollten Eltern ihre Vorbehalte zurückstellen, meint er. Ob sie dadurch zum Karnevalsanhänger bekehrt werden, sei eine andere Frage. Aber: "Von der Freude der Kinder können Eltern sich durchaus anstecken lassen." Manchmal kann das Ausprobieren also einen Versuch wert sein.

Und, so ergänzt Groß: Wie so vieles könne sich auch das Verhältnis zu Karneval im Lauf des Lebens verändern. "Für viele junge Menschen ist Karneval eine Gelegenheit, Frauen beziehungsweise Männer kennen zu lernen. Ältere schauen sich vielleicht eher den Zug im Fernsehen an." Die Motive seien sehr unterschiedlich. Manche wollten sich betrinken, andere wieder einmal herzhaft lachen, wieder andere auf Partys gehen. Karneval sei schließlich ein buntes Fest, sagt Groß: "Da gibt es nicht nur Schwarz und Weiß."

Paula Konersmann
(KNA)

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