"Der dicke Pitter" im Kölner Dom
"Der dicke Pitter" im Kölner Dom
Dombaumeister Peter Füssenich
Dombaumeister Peter Füssenich

25.03.2017

Uhr am Kölner Dom wird zur Sommerzeit manuell umgestellt "Ersetzt dem Dombaumeister das Fitnessstudio"

Am Kölner Dom wird noch viel handwerklich gemacht. So auch die Umstellung von Winter- und Sommerzeit. Die Prozedur ist dem Dombaumeister eine große Ehre - auch wenn es ihm den Nachtschlaf raubt.

Wenn in der Nacht zum Sonntag die Sommerzeit beginnt, ist im Kölner Dom Handarbeit angesagt. Dombaumeister Peter Füssenich persönlich stellt das historische Uhrwerk im Südturm der Kathedrale um eine Stunde vor. "Es ist eine der angenehmen Aufgaben des Dombaumeisters, über die Zeit in Köln zu wachen - auch wenn man sich die halbe Nacht um die Ohren hauen muss", sagt der Hüter des Weltkulturerbes.

Ein technisches Denkmal

So wird Füssenich um kurz nach 1 Uhr die 100 Stufen zum ersten Obergeschoss erklimmen, wo sich das mechanische Uhrwerk von 1880 befindet. "Das ist ein Schatz und auch ein technisches Denkmal, das wir akribisch hegen und pflegen", so der 46-Jährige, der seit gut einem Jahr im Amt ist. "Es besteht überhaupt keine Veranlassung, das durch Elektronik zu ersetzen." Das Uhrwerk gehört zur Langhausuhr im südlichen Seitenschiff des Domes und steuert gleichzeitig die beiden Stundenglocken aus dem Domgeläut.

Während er an der Uhr dreht, hält Füssenich das Pendel an, damit die Domglocken nicht unmotiviert läuten und die Kölner aus dem Schlaf schrecken, erläutert er. "Außerdem ist das Uhrwerk ein bisschen empfindlich." Anschließend muss das Werk einmal komplett durchlaufen, so dass statt des Zwei-Uhr-Schlags dann direkt die drei Schläge der ersten Stunde der Sommerzeit ertönen.

"Ersetzt das Fitnessstudio"

Danach gilt es noch, das Uhrwerk mit einer Kurbel aufzuziehen. Dazu muss Füssenich die vier Gewichte, die in dem etwa 25 Meter hohen Raum an Walzen von der Decke hängen, hochkurbeln. "Das ersetzt dem Dombaumeister das Fitnessstudio", scherzt der Architekt und Denkmalpfleger, der die Zeitumstellung in seiner Funktion als Dombaumeister zum dritten Mal durchführt. "Es ist immer wieder spannend und längst noch keine Routine." Alles in allem plant Füssenich für die gesamte Prozedur etwa eine Dreiviertelstunde ein, bei der voll in action sein muss. Wenn Ende Oktober dagegen die Winterzeit anbricht, ist der Vorgang weniger aufwändig: Da wird die Uhr "nur" für eine Stunde angehalten.

Das Uhrwerk, das 1876 bei der Turmuhrenfabrik von Johann Mannhardt in München in Auftrag gegeben worden war, ist bereits seit der Einweihung des Domes vor 137 Jahren in Betrieb. "Außer durch die Kriegsschäden hat die Uhr immer pünktlich und zuverlässig ihren Dienst getan", ist Füssenich stolz. Bisher sei - "toi toi toi" - bei der Zeitumstellung noch nie etwas schief gegangen. "Aber es ist immer ein bisschen spannend."

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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