Jugendliche: desorientiert aus der Corona-Krise
Jugendliche: desorientiert aus der Corona-Krise
Caritas-Team mit Jugendlichen: Claudia Metternich (Caritas), Andrea, Emsi, Jonas Bücker (pädagogische Fachkraft GOT), Alischa, Ilonka Fischer (Caritas), Marianne Jürgens (Caritas)
Caritas-Team mit Jugendlichen: Claudia Metternich (Caritas), Andrea, Emsi, Jonas Bücker (pädagogische Fachkraft GOT), Alischa, Ilonka Fischer (Caritas), Marianne Jürgens (Caritas)

01.07.2020

Warum benachteiligte Jugendliche jetzt Unterstützung brauchen Orientierungslos aus der Krise

Jugendliche sind systemrelevant, sie sind die Zukunft des Landes. Und sie brauchen Freiräume, um eigenen Erfahrungen machen zu können.  Dieser Aspekt ist in all den Debatten um Homeschooling & Co. zu kurz gekommen, findet ein Kölner Pädagoge.

Jonas Bücker arbeitet als pädagogische Fachkraft im Kinder- und Jugendzentrum der Caritas in der Kölner Südstadt, in der GOT, der „Ganz offenen Tür“. Und diese sonst so offene Tür war in der Corona-Zeit zwei Monate lang komplett zu, öffnete dann mit erheblich eingeschränkten Angeboten wieder und kann jetzt in den Sommerferien auch nur 20 statt wie gewohnt 60 Kinder im Programm "Ferien zu Hause" betreuen. Jonas Bücker und seine Kollegen verstehen die Notwendigkeit der Abstands- und Hygieneregeln. Aber sie bedauern deren Konsequenzen für ihre Arbeit; schließlich kümmern sie sich speziell um Kinder und Jugendlicher aus weniger privilegierten Familien.

Orientierungslos und lethargisch

Einige dieser Jugendlichen haben die Pädagogen nach der Zwangspause als orientierungslos, als lethargisch erlebt. Wer sich zu Hause ein Zimmer mit drei Geschwistern teilt und mit ihnen um das einzige Handy der Familie streiten muss, hat eben kaum Möglichkeiten zur digitalen Teilhabe. "Viele von ihnen konnten wir in der Krise mit unseren Online-Angeboten nicht erreichen", erzählt Jonas Bücker weiter. Es mache einen großen Unterschied, ob jemand aus einer Familie mit Garten und iPad stammt oder eben nicht.

"Die gesellschaftliche Ungerechtigkeit hat sich in der Krise sehr deutlich gezeigt und teilweise auch vertieft,  so der Caritas-Mitarbeiter. Angebote wie die der GOT, "wo man Freunde treffen kann, wo man Räume vorfindet, Möglichkeiten hat, Dinge auszuprobieren und zu erleben", hätten ganz massiv gefehlt, junge Leute aus schwierigen Wohn- und Lebensverhältnissen oft keinerlei Entlastung gehabt.

Stark reduziertes Ferienprogramm

Auch das Ferienprogramm selbst kommt jetzt deutlich abgespeckt daher. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind Ausflüge - sonst immer die Highlights - gar nicht möglich. Die beliebten Hiphop- und Rap-Projekte fallen wegen potenzieller Ansteckungsgefahr beim Singen und Musizieren flach. Aber die Betreuer haben sich kreative Lösungen einfallen lassen: zum Beispiel Graffiti-Aktionen. "Da haben wir eh eine Maske auf und Handschuhe an und erfüllen quasi automatisch die Vorgaben."  So versuchen Jonas Bücker und seine Kollegen in der GOT, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen und ihre Jugendlichen aufzufangen und zu entlasten, wo und wie sie nur können.

Von der Öffentlichkeit wünschen sie sich mehr Bewusstsein und von der Politik mehr Einsatz dafür, den jungen Leuten gerecht zu werden. Schließlich sind sie systemrelevant.

(DR)

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