Europas Bischöfe zwischen Dialog und Ausgrenzung mit Rechtspopulisten
Bischöfe bei der Synode
Bischof Stefan Oster im Gepräch mit...
Bischof Stefan Oster
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn
Weihbischof Johannes Wübbe
Weihbischof Johannes Wübbe

06.09.2018

Missbrauchsskandale könnten Jugendsynode überschatten Quo vadis, Bischofssynode?

In weniger als einem Monat soll die große Bischofssynode zur Jugend in Rom starten. Zum Stand der Vorbereitungen dringt bisher wenig aus dem Vatikan. Unterdessen werden gar Forderungen laut, das Treffen abzusagen.

Kurz vor der Sommerpause hatte der Vatikan das Arbeitsdokument zur Jugendsynode im Oktober veröffentlicht und die vier Leiter der Weltbischofssynode bekanntgegeben: Franziskus bestellte Kardinal Louis Raphael I. Sako (70), Patriarch von Babylon und Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäischen Kirche, sowie Kardinal Desire Tsarahazana (64) aus Madagaskar zu delegierten Präsidenten der Synode.

Weiter ernannte der Papst zwei Ordensleute: Myanmars Kardinal Charles Bo (69) vom Salesianerorden sowie den Herz-Jesu-Missionar Kardinal John Ribat (61) aus Papua-Neuguinea.

Schweigen zum Stand der Vorbereitungen

Ansonsten herrscht bislang Schweigen über den Stand der Vorbereitungen. Anfragen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ans Synodensekretariat, etwa über die als Gasthörer teilnehmenden Jugendlichen und Experten, blieben unbeantwortet. Auch zu jüngsten Forderungen, die Jugendsynode abzusagen und stattdessen eine Sondersynode zu den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche anzuberaumen, gab es bisher keinen Kommentar vom Synodensekretariat.

Fest steht hingegen schon seit geraumer Zeit, wer aus Deutschland für die Bischofskonferenz nach Rom zur Synode reisen soll: Bischof Stefan Oster (Passau), Vorsitzender der Jugendkommission, Bischof Felix Genn (Münster), Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, sowie Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück), Mitglied der Jugendkommission.

Leitwort "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung"

Die Bischofssynode unter dem Leitwort "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" soll vom 3. bis 28. Oktober im Vatikan stattfinden. Im Zentrum der dreiwöchigen Konferenz steht die Lebenswelt von rund 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren.

Schwerpunktmäßig geht es um Lebensentscheidungen junger Menschen sowie ihre Beziehung zu Glaube und Kirche. Dazu hatte der Vatikan Mitte Juni ein umfassendes Arbeitspapier vorgelegt, das die Ergebnisse mehrere Umfragen und Vorbereitungstreffen bündelt - auch unter Beteiligung Jugendlicher.

Das 214 Punkte umfassende Arbeitspapier ("Instrumentum laboris") soll eine möglichst umfassende Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens- und Lebensentscheidungen bieten. Es dient den Bischöfen und Kardinälen als Beratungsgrundlage für die Synode. Sie bilden die größte Gruppe unter den schätzungsweise 250 bis 350 Teilnehmern der Versammlung.

Junge Leute auch mit dabei

Um für die Jugend zu sprechen, sollen in den Reihen der vatikanischen Synodenaula auch etwa 40 junge Leute aus aller Welt sitzen. Sie werden, genauso wie einige Fachleute und Beobachter unterschiedlicher Organisationen, Konfessionen und Glaubensgemeinschaften, als sogenannte "Auditores" (Gasthörer) eingeladen. Diese können sich bei den Beratungen einbringen, haben aber kein Stimmrecht. Sie können also nicht abstimmen, wenn die Bischöfe am Ende entscheiden, was sie dem Papst in ihrem Abschlussdokument mitgeben wollen. Kritiker meinen, die Jugend habe am Ende doch zu wenig Gewicht.

Andererseits nimmt bereits das Arbeitspapier, das den Bischöfen als Grundlage ihrer Beratungen dient, an vielen Stellen Bezug auf Aussagen junger Leute. Insgesamt klingt dabei vor allem eines immer wieder an: der Wunsch Jugendlicher nach einer "authentischen Kirche".

Heikle Themen auf der Agenda

Dazu, dass sich viele junge Leute von der Kirche entfernen, heißt es im Arbeitsdokument selbstkritisch, dies habe auch "ernsthafte und ernstzunehmende Gründe". Angeführt werden auch "die Skandale sexueller und finanzieller Art, angesichts derer die Jugendlichen die Kirche nachdrücklich auffordern, "ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber ihren Institutionen zu verstärken".

Dies ist nur ein Aspekt des 80-Seiten-Papiers, das etwa auch auf Familie und Single-Dasein, Generationenunterschiede, Auswirkungen des digitalen Wandels, Drogen, Migration, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Gesellschaft, Gerechtigkeit, Glaube, Kirche, Verweltlichung sowie Sport und Musik eingeht. Auch aufgrund der aktuellen Entwicklungen werden sich die Missbrauchsskandale jedoch kaum als Thema ignorieren lassen.

Stefanie Stahlhofen
(KNA)

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