Junge Menschen sollen Selfies für die Kölner Aktion "Shalom Selfie" machen
Junge Menschen sollen Selfies für die Kölner Aktion "Shalom Selfie" machen
Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.
Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.

25.05.2021

Kölner Aktion "Shalom Selfie – Zeigt Zusammenhalt" "Bildung ist die beste Impfdosis gegen Antisemitismus"

Eine Netz-Aktion soll junge Menschen für jüdisches Leben in Deutschland begeistern. Antisemitismus werde wieder salonfähig, deshalb müsse der jungen Generation Wissen vermittelt werden, sagt der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft.

DOMRADIO.DE: "Shalom Selfie" - erklären Sie bitte kurz, was es mit der Aktion auf sich hat. Man soll Fotos von sich machen und einschicken?

Prof. Jürgen Wilhelm (Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Jüdisch-Christliche Zusammenarbeit): Im Grunde haben Sie das schon richtig erklärt. Es ist der Versuch, junge Menschen in dieses Thema der 1700-Jahre-Aktivitäten gerade in diesem Jahr einzubinden und anzusprechen, weil junge Menschen über die klassische Form von Workshop und Veranstaltungen nicht mehr so ohne Weiteres zu greifen sind.

Das ist eine schöne Idee, junge Menschen sollen Selfies machen, die in irgendeiner Weise etwas mit ihrer Beziehung zu jüdischem oder christlichem Leben zu tun haben oder zu einem sozialen Engagement oder auch Neugier ausdrücken. Es kann auch ein Fragezeichen sein, nach dem Motto "Hab ich noch nie gehört". Diese Fotos werden dann zusammengestellt zu einem riesigen Mosaik. Hoffentlich riesig! Dafür müssen Hunderte oder Tausende von jungen Leuten mitmachen. Das wird dann ins Netz gestellt und ist ein Beitrag von ganz vielen in diesem Jahr.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, junge Menschen anzusprechen, ist ja gar nicht mehr so einfach. Warum ist es so besonders wichtig, dass gerade die jungen Menschen abgeholt werden?

Wilhelm: Weil wir nach wie vor der Überzeugung sind, dass die beste Impfdosis gegen Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz eine gute schulische, aber auch häusliche Bildung und Ausbildung ist.

Da wir nicht in die Familien hineinkommen oder hineinschauen können, möchten wir über Bildung und Ausbildung, also in der Schule, junge Menschen ansprechen, weil wir die Hoffnung haben, dass, wenn sie ein vernünftiges Grundwissen mit nach Hause bringen oder überhaupt fürs Leben bekommen, sie weniger anfällig sind für die Rattenfänger der Menschen, die für schwierige Probleme immer ganz einfache Lösungen anbieten.

DOMRADIO.DE: Wie engagiert sich jetzt die Kölnische Gesellschaft für Jüdisch-Christliche Zusammenarbeit bei dieser Aktion?

Wilhelm: Wir sind sozusagen die Bildungspartner bei dieser Aktion. Wir werden mit unserer Erfahrung versuchen, an Schulen, mit denen wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, die Sekundarstufe 1 und 2 für diese Aktion zu werben. Wir haben dort - Gott sei Dank - in einigen Schulen auch Lehrerinnen und Lehrer, die das Thema von sich aus im Schulunterricht anbieten und den Schülern vermitteln.

Diese besondere Aufmerksamkeit in diesem Jahr soll noch einmal darauf fokussieren und in ganz besonderer Weise auf das Dekret von Kaiser Konstantin aus dem Jahr 321 nach Christus hinweisen, das belegt, dass es vor 1700 Jahre jüdisches Leben nördlich der Alpen, insbesondere in Köln, gab. Gerade angesichts des ansteigenden Antisemitismus, von dem wir ja nun jeden Tag leider in den Zeitungen und in den Medien hören und lesen, ein ganz besonderer Hinweis.

DOMRADIO.DE: Leider muss man das erwähnen und darf es nicht außer Acht lassen. Welche Bedeutung hat diese Aktion, die für Zusammenhalt wirbt, vor dem Hintergrund, was gerade in Deutschland und auch im Rest der Welt los ist?

Wilhelm: Leider eine schreckliche Aktualität. Man wird den Eindruck nicht los, dass es jeden Tag mehr statt weniger wird. Obwohl mittlerweile nun auch die Politik in Berlin, Düsseldorf und sonst wo gemerkt hat, dass - was meine jüdischen Freundinnen und Freunde schon seit vielen Jahren merken - dieser Antisemitismus überwiegend von rechtsradikalen Neonazis ausgeht, aber nicht nur, sondern bis weit in die Gesellschaft hineingeht und jüdische Menschen sich nicht mehr so frei bewegen oder "atmen" und nicht mehr so unbeschwert in Deutschland und auch in Frankreich leben können, wie das noch vor zehn, 15 Jahren selbstverständlich war.

Das ist ja leider so, dass dieser Antisemitismus fast schon - jedenfalls bei einigen - salonfähig geworden ist. Es ist eine katastrophale Entwicklung, die ich mir gar nicht hätte vorstellen können vor einiger Zeit.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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