Orthodoxe Juden beten während der Taschlich-Zeremonie, kurz vor Sonnenuntergang am jüdischen Neujahrsfest
Orthodoxe Juden beten während der Taschlich-Zeremonie, kurz vor Sonnenuntergang am jüdischen Neujahrsfest

29.09.2019

Beginn des jüdischen Neujahrsfestes Zeit der inneren Einkehr

Man isst in der Familie, betet in der Synagoge und nutzt die Tage zur inneren Einkehr: Das jüdische Neujahrsfest ist anders als Silvester und Neujahr. Das birgt manch einen Vorteil im deutschen Alltag, sagt ein Rabbiner.

In rund drei Monaten knallen in Deutschland wieder die Feuerwerkskörper und Sektkorken, um das Jahr 2020 zu begrüßen. Für Juden beginnt schon in den nächsten Tagen ein neuer Abschnitt - ihr Kalender wird dann das Jahr 5780 schreiben. Dazwischen liegen exakt 3.760 Jahre. Der Unterschied: Nach jüdischer Zählung handelt es sich um das Jahr 5780 nach Erschaffung der Welt. Das Neujahrsfest Rosch Haschana dauert in Israel und anderen Teilen der Welt zwei Tage; es beginnt in diesem Jahr am Abend des 29. September und geht bis zum 1. Oktober. Weil sich die Terminberechnung nach dem jüdischen Mondkalender richtet, ist es ein bewegliches Fest.

Gebete, Mahlzeiten und persönliche Einkehr

Laut und ausgelassen ist es allerdings nicht. Die Tage sind geprägt von Gebeten in der Synagoge, Mahlzeiten innerhalb der Familie sowie persönlicher Einkehr, Reue und Buße. Rosch Haschana bedeutet wörtlich "Kopf des Jahres" und leitet zehn Bußtage ein, die im Jom Kippur (Versöhnungstag) gipfeln, dem höchsten jüdischen Fest. "Es handelt sich um eine ruhige Zeit mit guten Wünschen", erklärt Avichai Apel, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands und Rabbiner in Frankfurt am Main.

Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Gebet in der Synagoge, mit dem Dankbarkeit für die Schöpfung ausgedrückt wird. Denn Rosch Haschana erinnert an die Erschaffung des Menschen durch Gott, weshalb die Jahre von der Erschaffung der Welt an gerechnet werden. In der Synagoge wird das Schofar, das Widderhorn, geblasen - insgesamt sind es 100 Töne. Die Mahlzeiten, die daheim auf den Tisch kommen, klingen verführerisch: zum Beispiel Äpfel mit Honig. Das drücke die Hoffnung auf ein "gutes und süßes Jahr" aus, so Apel. Oder Granatapfelkerne als Symbol für den Wunsch nach vielen guten Taten im neuen Jahr.

Verschiedene Zeitzählungen

Wer Post oder E-Mails von Juden bekommt, findet darin oft zwei Datumsangaben: die christliche und die jüdische. An Rosch Haschana würde dort der 1. und 2. Tischri 5780 beziehungsweise der 30. September und 1. Oktober angegeben. Aber wie lebt es sich in der Diaspora - also außerhalb Israels - mit zwei unterschiedlichen Kalendern? Und ist das kompliziert?

Rabbiner Apel schmunzelt und verneint. "Juden überall in der Welt haben zwei Kalender, selbst in Israel", sagt er. So könne man sich leicht zurechtfinden. Ein Unterschied ist zum Beispiel, dass die jüdischen Kalender nicht mit dem Montag, sondern mit dem Sonntag als ersten Tag der Woche nach dem Schabbat am Samstag beginnen. Auch im christlichen Glauben ist ursprünglich Sonntag der erste Tag der Woche zum Gedenken an die Auferstehung Jesu.

Aus Sicht des Rabbiners haben die verschiedenen Zählungen der Jahre durchaus auch Vorteile: "Kinder freuen sich oft darüber, dass sie quasi zwei Mal im Jahr Geburtstag feiern können." Die Feierlichkeiten zu Silvester und Neujahr in der deutschen Mehrheitsgesellschaft spielten für viele gläubigen Juden dagegen keine große Rolle, sagt Apel. "Häufig wird ausschließlich das jüdische Neujahr gefeiert."

Solidarisches Miteinander

Auch dies kann hierzulande Vorteile haben, wie Apel unterstreicht. So könnten sich Juden und Nichtjuden in Büros und Betrieben kollegial unterstützen, wenn es etwa um den Dienstplan für Feiertage gehe, zum Beispiel in Krankenhäusern: Während Nichtjuden ihren Kollegen an Rosch Haschana den Rücken frei halten könnten, sei es wiederum für Juden häufig kein Problem, unbeliebte Dienste an Silvester und Neujahr zu übernehmen. Diese Art von Solidarität würde dann gut zum Aspekt von Dankbarkeit und Ruhe am jüdischen Neujahrsfest passen.

Leticia Witte

(KNA)

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