Hakenkreuz und durchgestrichener Davidstern an einer Gedenkstätte
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

20.03.2019

​Zentralrat der Juden blickt mit Sorge auf Populisten in Europa "Das Thema geht uns alle an"

​Gut zwei Monate vor der Europawahl warnt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland vor einem Erstarken von Populisten. Alle Bürger in der EU seien gefordert, für die Demokratie einzutreten, sagte Josef Schuster.

"In meinen Augen gibt es in vielen Ländern eine zunehmend gefährliche Gemengelage aus Nationalismus und Extremismus", sagte Schuster der "Heilbronner Stimme".

Der Präsident des Zentralrats forderte, die Debatte nicht allein den Politikern zu überlassen, "sondern zum Beispiel auch in Kirchen oder in Vereinen führen". Nötig sei eine breite Diskussion über die Vorzüge eines freien und einigen Europas. "Das Thema geht uns alle an."

"Es wird wieder antisemitisch argumentiert und agiert"

Schuster begrüßte die Idee eines Paktes gegen Antisemitismus in Europa, wie ihn der CSU-Politiker Manfred Weber vorschlug. "Die antisemitischen Ressentiments waren nie weg, sondern schwelten in zahlreichen Staaten lange unter der Oberfläche. Nun stellen wir leider fest: Es wird wieder antisemitisch argumentiert und agiert", erklärte Schuster.

Scharfe Kritik äußerte Schuster an der Anti-EU-Kampagne des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban. Plakate zeigen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und den jüdischen Milliardär George Soros. Das sei "jenseits einer akzeptablen Grenze", so der Präsident des Zentralrats. "Hier wird ganz klar mit antisemitischen Stereotypen bewusst Politik gemacht. Es werden Vorurteile gegen Juden geschürt und bedient. Es ist ein weites Überschreiten einer roten Linie."

"Gefährliche Enwicklung für unser Gemeinwesen"

Derartige Tendenzen gebe es allerdings auch in Deutschland, fügte Schuster hinzu. Beispielhaft verwies er auf den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der die NS-Zeit als "Vogelschiss" in 1.000 Jahren deutscher Geschichte bezeichnet hatte, sowie dessen Parteifreund Björn Höcke, der eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur gefordert hatte.

"Hier wird die Grenze des Sagbaren bewusst verschoben, nach rechts", betonte Schuster. "Und am Stammtisch könnte es heißen: Wenn die das schon sagen dürfen, dann wird doch wohl auch der Normalbürger nicht schweigen müssen." In den Sozialen Netzwerken ließen sich solche sprachlichen Veränderungen blitzschnell an Millionen von Menschen verbreiten. Dies sei "eine sehr gefährliche Entwicklung für unser Gemeinwesen".

"Von rechts unterwandert"

Im Zeitungsinterview äußerte sich Schuster außerdem zu Antisemitismus im Fußball. Er wünsche sich in dieser Hinsicht mehr Engagement, sagte Schuster. "Es ist leider keine neue Erkenntnis, dass die Anhängerschaften einzelner Vereine von rechts unterwandert sind", sagte Schuster. 

Spieler würden aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe beleidigt, so Schuster. "Der FC Union Berlin hat sich sehr deutlich von dem antisemitischen Angriff seiner Fans auf Almog Cohen distanziert, sich entschuldigt und Konsequenzen gezogen." In Chemnitz sei die Reaktion "leider nicht so eindeutig" ausgefallen. "Ich hoffe, dass sich Klubs grundsätzlich klar gegen Antisemitismus und Rassismus positionieren. Auch auf die Gefahr hin, dass einige ihrer 'Fans' nicht mehr ins Stadion kommen."

(KNA)

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