Kranzniederlegung auf dem Gelände "Topographie des Terrors" in Berlin
Kranzniederlegung auf dem Gelände "Topographie des Terrors" in Berlin

08.11.2018

Berliner Kirchen erinnern an die Schrecken der Pogromnacht Antisemitismus unvereinbar mit Christentum

Mit Veranstaltungen rund um den 9. November erinnern die Kirchen in Berlin an den 80. Jahrestag der Pogromnacht 1938. Darunter ist auch ein ökumenischer Gedenkweg, der an die historischen Orte führt.

DOMRADIO.DE: Wie gedenken Sie denn dieses besonderen Datums?

Bernd Streich (Vorsitzender des Diözesanrats im Erzbistum Berlin): In Berlin findet natürlich viel statt, um 11 Uhr gab es im Abgeordnetenhaus eine Gedenkstunde mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Danach gab es einen ökumenischen Gedenkweg, eine gemeinsame Initiative der Evangelischen Kirche, des Erzbistums Berlin und des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg. Der Gedenkweg ist an sich kein neues Format. Wir haben dazu schon an den "runden Jahrestagen", also vor fünf und zehn Jahren eingeladen und den gab es davor auch schon in kleineren Formaten.

DOMRADIO.DE: Und wo führt dieser Gedenkweg zum 9. November lang?

Streich: Wir hatten schon unterschiedliche Routen, dieses Mal begann er an der "Topographie des Terrors", dem ehemaligen Standort der Gestapo- und SS-Zentrale. Dort haben die Gastgeber einen Kranz niedergelegt. Der Gedenkweg führte dann an vielen Orten vorbei, wo das Machtgefüge der Nazis war und wo wir speziell an die Opfer erinnert haben. Er endete schließlich am Holocaustmahnmal, dem Denkmal für die ermordeten europäischen Juden.

DOMRADIO.DE: Vor 80 Jahren waren die Kirchen still, sie haben sich sehr zurückgehalten und diese grausamen Taten geschehen lassen. Heute stehen sie auf, zeigen Solidarität. Wie groß ist denn da die Resonanz?

Streich: Damals haben viele Menschen geschwiegen, viele haben weggesehen und das trifft leider auch auf die Kirchen zu. Aber es gab auch Ausnahmen wie Bernhard Lichtenberg, der hier in Berlin als Dompropst die Missstände offensiv benannt hat und das in seine Abendgebete eingebunden hat.

Heute erwarten wir viel Anteilnahme, von der Gedenkfeier und aus Gemeinden und der Bevölkerung, sodass wir auch ein deutliches Zeichen setzen können. Schwierig ist natürlich, dass es immer gleichzeitig viele Veranstaltungen gibt, wie beispielsweise den jüdischen Zukunftskongress, der gerade zeitgleich in Berlin stattfindet.

DOMRADIO.DE: Die AfD zieht in immer mehr Landtage ein, Antisemitismus wird immer unverhohlener geäußert. Sehen Sie das in Berlin auch?

Streich: Auch in Berlin nimmt das Thema Antisemitismus immer mehr Raum ein, allein durch die AfD und die Äußerungen von Parteimitgliedern.

Und es gab leider auch etliche Übergriffe und Fälle körperlicher Gewalt, sowohl auf der Straße als auch an Schulen. Das ist ein großes Problem. Dem wollen wir uns entgegen stellen. Wir wollen Zeichen setzen, dass Antisemitismus nicht gesellschaftsfähig sein darf. Die Kirchen haben sich dazu eindeutig geäußert. Antisemitismus ist mit Christentum nicht zu vereinbaren.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie wollen nicht nur erinnern, sondern auch etwas bewegen? Welche Verantwortung hat Kirche Ihrer Meinung nach denn?

Streich: Die Kirche hat natürlich immer die Verantwortung, aus ihrem Glauben heraus in die Gesellschaft hineinzuwirken. Sie muss sich für die Würde jedes einzelnen Menschen einsetzen, so wie es auch in der Politik und im Grundgesetz verankert ist. Und sie muss dies aus christlicher Verantwortung heraus tun. Und so bemühen sich die Kirchen, egal ob es evangelische, katholische oder andere Kirchen sind, wieder darum, Solidarität mit den jüdischen Menschen zu zeigen und in der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen.

Das Interview führte Johannes Wilhelm.

(DR)

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