Mittagsgebet in der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld
Mittagsgebet in der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld
Ditib-Zentralmoschee Köln
Ditib-Zentralmoschee Köln
Gebetssaal der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld
Gebetssaal der Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld

27.09.2018

Wie die Politik die Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee überlagert "Die Regie führt Ankara"

Der türkische Staatspräsident Erdogan höchstpersönlich wird die Ditib-Zentralmoschee in Köln eröffnen. Zahlreiche deutsche Politiker haben ihren Besuch daraufhin abgesagt. Wird der religiöse Aspekt völlig durch die Politik überlagert?

DOMRADIO.DE: Mitte der 2000er-Jahre gab es erheblichen Widerstand gegen das Projekt. Etliche Lokalpolitiker setzten sich damals für den Bau der Zentralmoschee in Köln ein. Unter ihnen der damalige Oberbürgermeister Fritz Schramma (2000-2009). Gibt dieser Streit jetzt all jenen Recht, die diesen Moscheebau schon immer kritisch gesehen haben?

Prof. Dr. Thomas Lemmen (Referent für Interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln): Nein, denn diese Moschee wird ja nicht für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gebaut, sondern für die vielen Menschen, die dort wöchentlich oder täglich beten gehen. Sie dient deren Religionsausübung. Deswegen sage ich 'Nein'. Aber es ist schade, dass Erdogan diese Menschen für seine politischen Zwecke instrumentalisiert.

DOMRADIO.DE: Seit langem wird die Abhängigkeit der Ditib vom türkischen Staat beklagt. Ist dieser Besuch Erdogans der Beweis dafür?

Lemmen: Die Abhängigkeit der Ditib vom türkischen Staat ist seit Jahrzehnten schon bekannt. Man hatte allerdings in den letzten Jahren die Hoffnung, dass die Ditib und die Religionsbehörde in der Türkei sich unabhängiger von der Politik entwickeln würden. Dieser Besuch belegt das Gegenteil. Die Nähe der Religionsbehörde und der deutschen Organisation Ditib zum türkischen Staat ist intensiver geworden, stärker geworden. Und das genau belegt dieser Besuch.

DOMRADIO.DE: Der Bau sollte ein Zeichen für religiöse Toleranz und deutsch-türkische Integration werden, welches auch Nichtmuslimen offen steht. Die Moschee ist ja schon länger geöffnet. Erfüllt sie denn im Alltag diese Erwartung? Ist das ein offener Ort für alle?

Lemmen: Die Ditib wäre sehr gut beraten gewesen, ein Fest zu machen. Für die Nachbarschaft, für Ehrenfeld und für alle Menschen, die diesen Ort mit unterstützt haben. Diese Chance hat man vertan. Es wird ein politischer Event. Natürlich steht die Moschee offen. Man kann dort mit Besuchern hingehen. Man kann auch in den Geschäften dieses ganzen Blocks einkaufen gehen. Aber sie ist nicht mehr das Symbol der Integration und auch der Dialogbereitschaft, sondern sie ist heute zu einem Symbol der Politik geworden.

DOMRADIO.DE: Man wundert sich ja, dass bis heute wenig über den Ablauf eines solchen Großereignisses bekanntgegeben wurde. Viele, wie der Architekt, die Oberbürgermeisterin oder der NRW-Ministerpräsident beklagten, dass ihnen bis heute nicht klar ist, welche Rolle ihnen denn bei der Eröffnung zugedacht war. Darum auch diese vielen Absagen. Ist das schlicht eine chaotische Planung oder politische Strategie, die aus Ankara kommt?

Lemmen: Nein, die Regie wird ja nicht in Köln geschrieben, sondern in Ankara. Es geht ja nicht sozusagen um Köln und die Menschen hier in Köln, sondern es geht darum, dass Erdogan seinen Auftritt hat. Und das wird von Ankara aus gesteuert, weshalb die Verantwortlichen der Ditib wahrscheinlich nicht Unrecht haben, wenn sie sagen: Wir wissen es selber nicht. Also, die Regieanweisungen kommen aus dem Ausland.

DOMRADIO.DE: Auch die katholische und die evangelische Kirche hatten sich damals für das Moscheebau-Projekt ausgesprochen. Warum eigentlich, wenn man bedenkt, dass in der Türkei Kirchenbauten quasi unmöglich sind. Wir können da nicht irgendeinen Dom hin bauen...

Lemmen: Ja, aber das Grundrecht der Religionsfreiheit hängt ja nicht von Wechselseitigkeiten ab. Das heißt, ich darf nicht sagen, weil ich in der Türkei oder in Saudi-Arabien keine Kirche bauen darf, darfst du hier keine Moschee bauen. Sondern dieses Grundrecht gilt uneingeschränkt, ohne Vorbehalte, und die Kirchen setzen sich für die Verwirklichung des Grundrechts ein, indem sie damals wie heute den Bau und Betrieb von Moscheen unterstützen. Wir folgen damit letztlich unserem Gewissen und nicht einem politischen Kalkül.

DOMRADIO.DE: Werden sie am Samstag zu den Festlichkeiten gehen? Sind sie eingeladen worden?

Lemmen: Ich bin nicht eingeladen worden. Ich würde auch nicht hingehen, aber ich bin glücklicherweise auch gar nicht in Köln.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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