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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steigt ins Flugzeug
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verzichtet auf Sri Lanka Besuch

10.03.2018

Buddhistische Gewalt gegen Muslime in Sri Lanka eskaliert Ausnahmezustand und Internetsperre

Nach einer Eskalation der Gewalt von Buddhisten gegen Muslime in Sri Lanka hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen für Ende März geplanten Besuch abgesagt. Ein Ende der Ausschreitungen ist nicht in Sicht.

In Sri Lanka ist in dieser Woche die Gewalt militanter Buddhisten gegen Muslime eskaliert. Nach wiederholten Ausschreitungen verhängte Präsident Maithripala Sirisena den Ausnahmezustand und ließ die sozialen Netzwerke blockieren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte daraufhin seine für Ende März geplante Reise nach Sri Lanka ab. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Anlass für die aktuelle Spirale der Gewalt war der Tod eines Buddhisten am vergangenen Wochenende. Der Mann war zuvor in Teldeniya nahe der Touristenstadt Kandy durch eine Attacke von vier Muslimen schwer verletzt worden. Die Täter wurden von der Polizei festgenommen. Der Tod des Buddhisten löste Gewaltakte gegen Muslime aus. Die Polizei schritt ein und verhaftete 24 buddhistische Angreifer.

Geschäfte verwüstet

Radikale buddhistische Gruppen wie die militante Mönchsorganisation Bodu Bala Sena ("Buddhistische Machttruppe") nahmen dies zum Anlass, Hunderte ihrer Anhänger zu mobilisieren. In Ampara wurden Moscheen, Häuser und Geschäfte von Muslimen verwüstet und angezündet. "Es gibt Anzeichen, dass die Attacke von militanten Buddhisten geplant und ausgeführt wurde, die von außerhalb nach Ampara gebracht wurden", schreibt der Sri-Lanka-Experte der International Crisis Group, Alan Keenan, in seiner aktuellen Analyse "Der Wiederaufstieg des militanten Buddhismus in Sri Lanka".

Eine erste buddhistische Gewaltwelle gegen Muslime hatte Sri Lanka bereits zwischen 2012 und 2014 erschüttert. Die radikalen Buddhisten wurden damals von dem zunehmend diktatorisch regierenden Präsidenten Mahinda Rajapaksa unterstützt. Mit dessen Abwahl im Januar 2015 endete auch die organisierte Gewalt gegen Muslime.

Die gegen Muslime gerichtete Kampagne buddhistischer Hardliner ging jedoch unvermindert weiter. In den sozialen Netzwerken werden abstruse Vorwürfe gegen Muslime erhoben. Da heißt es etwa, Muslime würden Essen und Kleidung von singhalesischen Buddhisten mit Verhütungsmitteln versetzen, um sie auszurotten. Groteske Behauptungen wie diese fallen nach Einschätzung Keenans angesichts einer weltweiten Islamophobie bei vielen Buddhisten auf fruchtbaren Boden.

Katholischer Bischof warnt

Der katholische Bischof von Badulla, Winston Fernando, warnte in dieser Woche davor, den "vereinzelten Vorfällen" einen "religiösen Dreh" zu geben. Das spiele nur den Extremisten in die Hände, sagte er gegenüber Medien und rief zum harmonischen Miteinander im multireligiösen Sri Lanka auf.

Als Geldgeber des militanten Buddhismus macht die International Crisis Group buddhistische Geschäftsleute aus. Denen gehe es weniger um die angeblich von Muslimen bedrohte nationale Sicherheit Sri Lankas, sondern um die Ausschaltung muslimischer Konkurrenten. "Diese Rivalitäten spielen sich auf der lokalen Ebene ab, wo immer buddhistisch-singhalesische Konsumenten zum Boykott von muslimischen Geschäften aufgerufen werden. Bei Ausschreitungen werden regelmäßig Geschäfte von Muslimen zum Ziel", schreibt Keenan.

Angst vor Machtverlust

Präsident Sirisena hatte bei seinem Amtsantritt im Januar 2015 angekündigt, buddhistische Hardliner zur Rechenschaft zu ziehen - bislang sind dem keine Taten gefolgt. Aus Angst, die Unterstützung der singhalesischen Buddhisten zu verlieren, gehe die Regierung Sirisena nicht gegen die antimuslimische Gewalt, die Drahtzieher und erst Recht nicht gegen die militanten Mönche vor, so Keenan. Die Angst vor Machtverlust sei mit dem schlechten Abschneiden der Regierung bei den Kommunalwahlen im Februar, bei denen Ex-Präsident Rajapaksa mit seinem singhalesisch-buddhistisch-nationalistischem Programm erfolgreich war, noch gewachsen.

In Sri Lanka nimmt derweil die Angst vor einer Eskalation des Konflikts zu. In den vergangenen Jahren, so Keenan, habe sich die muslimische Minderheit nicht von militanten Buddhisten provozieren lassen. "Man kann nur hoffen, dass das so bleibt. Aber die anhaltenden gewaltsamen Provokationen - und das Versagen der Polizei beim Schutz der Muslime - stellt die Geduld bei einigen auf die Probe." Es gebe bereits erste Berichte gewaltsamer Racheaktionen gegen singhalesische Geschäfte.

Michael Lenz
(KNA)

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