Warten auf Hilfslieferungen
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Julia Gietmann
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Rohingya
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Jede Unterschlupfmöglichkeit wird genutzt
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Pure Verzweiflung
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18.09.2017

Caritas international über die aktuelle Lage der Rohingya "Es fehlt an allem"

Die muslimischen Rohingya sind die im Moment am schlimmsten verfolgte Minderheit der Welt. Sie mussten zu Hunderttausenden aus Myanmar fliehen, sind in Bangladesch nicht willkommen und müssen nun bei heftigen Regenfällen ausharren.

domradio.de: Die Rohingya wurden verfolgt, mussten fliehen und leiden jetzt auch noch unter einer Naturkatastrophe. Wie sieht die Situation der Menschen aktuell aus?

Julia Gietmann (Leiterin des Referats Asien bei Caritas international): Die Lage vor Ort ist dramatisch. Wir haben heute Morgen neue Bilder bekommen von den Kollegen vor Ort. Die Bilder sind erschreckend. Es ist eng in den Lagern und nass. Die Leute suchen Unterschlupf wo es nur irgendwo geht. Die Lage ist schon sehr angespannt im Moment vor Ort.

domradio.de: Derzeit muss Caritas International "Moment-Nothilfe" leisten, aber schon das gestaltet sich schwierig. Warum?

Gietmann: Es ist sehr schwierig, Zugang zu den Lagern zu bekommen. Undurchsichtig ist, dadurch dass wir jetzt so schnell mit so großen Zahlen konfrontiert sind, erst einmal einen Überblick zu bekommen. Die Leute sind teilweise in die existierenden Lager geflohen, die sind aber vollkommen überfüllt und demzufolge suchen die Leute anderswo Schutz. Das macht die Sache nicht einfach in den ersten Tagen und Wochen einer so großen Krise.

Dazu kommt der Regen. Die Straßen sind teilweise in einem katastrophalen Zustand, das macht es auch nicht leichter und es haben bislang nicht viele Organisationen Zugang gehabt. Wir sind Gott sei Dank in der Lage, die Leute zu erreichen. Es wird sich in den nächsten Tagen weiter herausstellen, wie wir unsere Hilfen dort möglichst schnell hinbekommen können. Wir beobachten derzeit wie sich die Lage entwickelt.

domradio.de: Was brauchen die Leute denn am dringendsten?

Gietmann: Alles. Wir sind momentan dabei, Nahrungsmittel zu verteilen – Reis, Salz und Öl. Die Leute sind mit nichts angekommen. Wir gehen davon aus, dass extrem viele Kinder dabei sind. Die Zahlen schwanken, aber wir gehen davon aus, dass fast die Hälfte der Flüchtlinge Kinder sind. So stellt sich die Lage für uns da.

Es fehlt an Wasser, es fehlt an Unterkünften und die Leute sitzen in kleinen Hütten, die völlig unzureichend und überbelegt sind. Die Leute brauchen Zugang zu sauberem Wasser, an Toiletten fehlt es und natürlich auch an medizinischer Versorgung. Wir sind jetzt aber erst einmal dabei, uns auf Nahrungsmittel zu konzentrieren und verteilen diese gerade an cirka 70.000 Menschen.

domradio.de: Bangladesch hat die Leute zunächst erstmal widerwillig aufgenommen, ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Wie hat sich das mittlerweile entwickelt?

Gietmann: Es scheint so zu sein, dass aufgrund der großen Zahlen, die Leute versucht haben, dort unterzukommen, wo sie unterkommen können. Das Neueste war, dass die bangladeschische Regierung den Leuten wieder verboten hat, sich zu bewegen, um tatsächlich auch eine Übersicht zu bekommen, wie sich die Lage gestaltet.

Die Zahlen schwanken, aber es scheinen gerade 400.000 Menschen zu sein, die angekommen sind. Davon sind zirka 160.000 in den existierenden Camps untergekommen, aber über 200.000 scheinen sich eben da niedergelassen zu haben, wo sie eben Platz hatten. Dort Platz zur Verfügung zu stellen, wo die Leute sich niederlassen können, das ist eine riesen Herausforderung.

domradio.de: Bis vor Kurzem hat noch niemand von den Rohingya gehört. Das hat sich in den vergangenen Wochen geändert. Schlägt sich diese größere mediale Aufmerksamkeit schon in wachsender Spendenbereitschaft nieder?

Gietmann: Ja, langsam. Wir haben momentan in Südostasien, in Indien, in Bangladesch und in Nepal gerade Flutkatastrophen. Das kommt erschwerend dazu. Jetzt haben wir gerade in den letzten Tagen eine verstärkte Aufmerksamkeit auf die Situation in Bangladesch und in Myanmar. Wir hoffen sehr, dass diese Aufmerksamkeit tatsächlich zu einem erhöhten Spendenaufkommen führt. Das ist dringend notwendig.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(dr)

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