Muslime beten in einer Moschee
Muslime beten in einer Moschee
Thomas Lemmen
Thomas Lemmen

14.04.2016

Kölner Islamexperte zur Idee eines "Islam-Gesetzes" Sinnvoll - aber noch nicht ausgereift

Ein neues "Islam-Gesetz", das die Finanzierung von Moscheen und die Ausbildung von Imamen regeln soll, schlägt jetzt die CSU vor. Zustimmung kommt in Ansätzen vom Islamexperten im Erzbistum Köln, doch ausgegoren sei die Idee noch nicht.

domradio.de: Was halten Sie von dem Vorschlag für ein Islam-Gesetz?

Thomas Lemmen (Referent für interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln): Wenn man den Vorschlag ernst nimmt, dann braucht man 16 Islam-Gesetze, denn Religionsangelegenheiten fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer. Der Bund kann das nicht durch ein Gesetz ändern. Es gibt tatsächlich solche Initiativen auf der Ebene der Länder. Verschiedene Bundesländer haben mit den muslimischen Gemeinschaften Dinge geregelt und in Form von Verträgen oder Staatsverträgen entsprechende Vereinbarungen getroffen, die zum Teil auch schon in diese Richtung gehen. Die Idee ist nicht ganz neu, sie muss auf anderen Ebenen umgesetzt werden und man kann solche Bemühungen tatsächlich auf der Ebene der Bundesländer beobachten.

domradio.de: Wären solche Gesetze denn dann sinnvoll?

Lemmen: Sie sind sinnvoll, weil sie das Zusammenspiel von Staat und Religionsgemeinschaft mit Blick auf die Muslime regeln und beispielsweise Regelungen für den Religionsunterricht, für die Ausbildung von Imamen, für die Feiertage oder für Seelsorgeangelegenheiten festhalten. Da wird versucht, Klarheit in den Dingen zu schaffen, in denen es heute noch Unklarheit gibt.

domradio.de: Schauen wir einmal auf die Inhalte: Die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland soll damit gestoppt werden. Ist sie ein Problem?

Lemmen: Da muss man natürlich fragen, was damit gemeint ist. Christen und Christinnen in diesem Land spenden für den Aufbau der sogenannten jungen Kirchen in Afrika. Warum sollen das nicht umgekehrt auch Muslime und Musliminnen aus dem Ausland machen? Das wird man schlecht verhindern können, wenn der Geldtransfer nach den laufenden Mechanismen funktioniert und transparent ist. Da sehe ich kein Problem. Das Problem sehe ich vielmehr, wenn in Radikalisierung investiert wird. Wenn also Geld aus dem Ausland fließt, um Muslime in Deutschland zu radikalisieren. Das muss unterbunden werden und da muss man in der Tat das Augenmerk darauf haben, wer beispielsweise Geld für salafistische Aktivitäten gibt.

domradio.de: In Bezug auf die Imame und deren Ausbildung wird gefordert, dass sie unbedingt in Deutschland ausgebildet werden sollen, damit sie die deutschen Grundwerte teilen. Darin steckt der Vorwurf, sie würden die Grundwerte bisher nicht teilen, oder?

Lemmen: Die Situation sieht so aus, dass die meisten Imame, die in Deutschland arbeiten, ihre Qualifikation im Ausland erworben haben. Das ist in der Tat ein Problem, weil sie damit aus einem anderen kulturellen, religionspolitischen Hintergrund kommen und sich oftmals schwertun, die Fragen und Anliegen ihrer Gemeindemitglieder, aber auch die Rahmenbedingungen des Verhältnisses zwischen Staat und Religion in Deutschland zu verstehen. Das Problem ist nicht neu, sondern seit langem im Blick, weshalb es jetzt auch Programme gibt, Imame zu qualifizieren. Die Hochschulen und die Standorte islamischer Theologie sind letztendlich darauf ausgerichtet, langfristig zu ermöglichen, dass Imame hier in Deutschland ausgebildet werden können.

domradio.de: Der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, hat in seinen Vorschlägen auch gesagt, der "politische Islam verhindere, dass sich die Menschen bei uns integrieren". Teilen Sie diese Ansicht?

Lemmen: Man hat da sicher die Beziehung der DITIB zum türkischen Staat im Blick. Das ist eine Gegebenheit, die auch mit der Religionsgeschichte der Türkei zu tun hat, dass dort der Islam vom Staat verwaltet und kontrolliert wird und über eine entsprechende Konstruktion es hier in Deutschland eine Organisation gibt, die dem türkischen Staat nahe steht. Das ist sicherlich damit gemeint und daran muss man arbeiten, dass diese Beziehungen sich ändern, dass auch die DITIB stärker in entsprechende hiesige Prozesse eingebunden wird. Das ist ja auch durch die Islamkonferenz der Fall.

Das Interview führte Susanne Becker-Huberti.

(dr)

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