Jugendliche
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12.10.2015

Dialogprojekt soll junge Christen und Muslime zusammenbringen Gemeinsam für die Gesellschaft

Auf eine bessere Verständigung zwischen Christen und Muslimen zielt ein Projekt der christlichen Eugen Biser-Stiftung und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion. Im domradio.de-Interview dazu Stefan Zinsmeister.

domradio.de: Wie sind sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt zu starten?

Stefan Zinsmeister (Vorstandsmitglied der Eugen Biser-Stiftung): Wir haben in der Biser-Stiftung zunächst einmal Grundlagenarbeit geleistet und mit türkischen Partnern ein Lexikon des Dialogs - Grundbegriffe aus Christentum und Islam entwickelt. Auf dieser wissenschaftlichen Basis wollen wir jetzt in Deutschland mit jungen Leuten versuchen, die Verständigung untereinander zu verbessern.

domradio.de: Wie gelingt das, junge Muslime und Christen miteinander ins Gespräch zu bringen, das sind doch ziemlich getrennte Milieus, oder?

Zinsmeister: Ja, Sie haben vollkommen Recht. Ich denke, dass viele von den Teilnehmern in den Schulen durchaus zusammen sind, aber in den Lebenswelten darüber hinaus vielleicht nicht. Wir wollen sie wirklich zusammenführen und haben uns ein Format ausgedacht mit Workshops, darin gibt es Bausteine, um die verschiedenen Lebenswelten, aber auch das Gemeinsame zusammenbringt, sie in den persönlichen Austausch bringt und gleichzeitig Informationen austauscht und einen Lerneffekt dabei herausbringt.

domradio.de: Wie würde so ein Projekt konkret aussehen?

Zinsmeister: Es soll so sein, dass das Projekt an einer Moscheegemeinde in einer Stadt in Deutschland stattfindet und an einem Tag abläuft. Nach einer Kennlernphase würde man ganz praktisch mit dem Umgang von Vorurteilen arbeiten anhand von Bildern und Zitaten aus Bibel und Koran. Da wird man feststellen, dass man Zitate, die man dem Koran zuschreibt, die auch vielleicht nicht so schön sind, auch der Bibel zu entnehmen sind. Dadurch sollen die Teilnehmer auf eine gemeinsame Basis geführt werden. Im zweiten Schritt arbeitet man dann an Begriffen wie zum Beispiel Religionsfreiheit, Wahrheitsanspruch oder Gott. Die Teilnehmer sollen zuerst selbst beschreiben, was sie dabei denken und in einem dritten Schritt werden sie dann mit Artikeln des Lexikons arbeiten, also etwas Textarbeit durchführen, immer gemeinsam, dann ihre Ergebnisse präsentieren und darüber wiederrum ins Gespräch kommen. In den Pausen können sie sich miteinander austauschen. Das Ganze soll auch zur Vernetzung dienen und keine Eintagsfliege sein. domradio.de: Was sind denn zum Beispiel Vorurteile, die man voneinander hat?

Zinsmeister: Es ist oftmals so, dass politische oder gesellschaftliche, kulturelle Fragen in die beiden Religionen hineingetragen werden und das nimmt man dann für das zentrale der beiden Religionen. Es geht einfach darum, dass man feststellt durch diese Workshops, dass das wichtige bei den beiden Religionen nicht das ist unbedingt, was man vermeintlich von den Medien oder von kulturellen Gegebenheiten zunächst kennengelernt hat.

domradio.de: War der Aufhänger vielleicht auch die Flüchtlingsdebatte, dass Sie gesagt haben, da muss mehr Dialog passieren?

Zinsmeister: Es war nicht der Aufhänger, aber es verstärkt das Ganze umso mehr. Wenn es in Zukunft eine Vielzahl von muslimischen Neubürgern gibt, muss man die quasi auch miteinbeziehen. Das wollen wir auch tun, soweit es dann natürlich sprachlich möglich ist. In einer pluralen Gesellschaft ist es eine Daueraufgabe, dass man sich gegenseitig kennenlernt, um sich gemeinsam zu verstehen, um dann auch einen gemeinsamen Beitrag hoffentlich für die Gesellschaft zu leisten.

domradio.de: Das klingt in der Theorie gut, wie ist das bei den Jugendlichen, gibt es da eine Offenheit?

Zinsmeister: Jetzt in Köln war eine Großzahl von muslimischen Jugendlichen da gewesen, das liegt auch nahe, weil es in der Ditib-Zentralmoschee stattgefunden hat und die jungen Leute von den jeweiligen Landesverbänden, aus Bremen, München oder auch Rheinland-Pfalz,  Hessen hatten ein sehr hohes Interesse gezeigt auch daran konkret an ihrem Ort mitzuwirken. Hier in München haben wir mit dem BDKJ Kontakt aufgenommen, dort ist genau so ein Interesse feststellbar wie auf der muslimischen Seite.

domradio.de: Also auch die christliche Seite ist dabei?

Zinsmeister: Ja, es kann durchaus schwierig sein, die Teilnehmer zu gewinnen, aber wenn wir die jeweiligen Institutionen ansprechen, haben wir jetzt zumindest erfahren, dass ein hohes Interesse besteht.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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