Bibelstudium auf einem Sofa
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10.07.2021

Ursula Nothelle-Wildfeuer macht Theologie-Studierenden Mut Nicht nur im stillen Kämmerlein beten!

Wer Theologie studiert, ist in der Regel hoch motiviert. Die Schwierigkeit sei, die jungen Menschen in der aktuellen kirchlichen Lage bei der Stange zu halten, meint Professorin Ursula Nothelle-Wildfeuer. Sie will den Studierenden Mut machen. 

Ingo Brüggenjürgen (DOMRADIO.DE-Chefredakteur): Sie sind Professorin für Praktische Theologie an der Freiburger Universität. Wo erleben Sie sich selbst als Mutmacherin?

Ursula Nothelle-Wildfeuer (Professorin für Praktische Theologie an der Universität Freiburg): In ganz unterschiedlichen Kontexten. Gerade unter diesen Corona-Bedingungen, die ja für uns Theologen und Theologinnen auch noch mit den schlechten Bedingungen gepaart sind, die derzeit die Kirche mit sich bringt, geht es darum, Dinge auszuloten, die gesellschaftlich und kirchlich möglich sind. Es geht darum, die Studierenden bei der Stange zu halten, auch wenn wir uns über das Semester hinweg nur digital sehen.

Aber ich habe ja auch ein Privatleben: ein privates Familienleben und auch ein Gemeindeleben. Auch da gibt es an beiden Stellen immer wieder Kontexte, wo es gut ist, wenn gerade jemand gut drauf ist und Mut machen kann, um dann diejenigen mitzunehmen, die gerade etwas schlechter dran sind.

Brüggenjürgen: Wie motiviert man heutzutage denn überhaupt junge Menschen dazu, Theologie zu studieren?

Nothelle-Wildfeuer: Wir tun einiges im Vorfeld, um Schüler und Schülerinnen zu erreichen. Wir bieten Schnuppertage an, wir kooperieren mit Lehrern und Lehrerinnen, die vierstündige Kurse haben – also sowas, was wir früher unter der Bezeichnung "Leistungskurse" gekannt haben – wo wir ihnen die Gelegenheit geben, zu erfahren: Was heißt denn Theologie? Was macht man da eigentlich? Was ist spannend daran?

Ich empfinde gerade mein Fach, in dem der Bezug zur Gesellschaft so groß ist, als eine Chance, deutlich zu machen, dass wir nicht nur im stillen Kämmerlein zum Beten aufgefordert sind. Sondern dass wir heraus aufgefordert sind, aus diesem christlichen Glauben heraus Gesellschaft zu gestalten. Wirtschaft, Politik, Digitalisierung bringen immer auch Fragen der Ethik oder der Anthropologie mit sich: Was dürfen wir? Was können wir? Bleiben wir dann eigentlich noch Mensch? Das sind Fragen, für die sich auch Schüler und Schülerinnen interessieren. Das sind Themen, die sich dann auch im Studium und in Seminaren durchziehen.

Diejenigen, die heute anfangen, Theologie zu studieren, bringen zum großen Teil eine hohe Motivation mit sich. Es ist eher die Frage: Wie hält man sie bei all dem, was derzeit diskutiert wird, bei der Stange? Wie halten sie sich selbst bei der Stange? Wie kann man sie darin unterstützen, ihre Kritik weiter mitzutragen und am Ende einen Beruf zu ergreifen, in dem sie mit dieser Theologie auch etwas machen können?

Brüggenjürgen: Wo müssen wir als Kirche da besser werden?

Nothelle-Wildfeuer: Beim Ernstnehmen – als allererstes der Frauen. Es ist ein wichtiger Punkt, dass das Thema in seiner hochgradigen Bedeutung tatsächlich erkannt wird. Aber auch das Ernstnehmen von Nicht-Geweihten. Es muss also deutlich an diesem jetzt schon vielfach thematisierten Klerikalismus gearbeitet werden. Da muss was passieren. Kirche muss deutlich besser werden in Fragen von Transparenz und Kommunikation von Entscheidungsprozessen. Das sind Dinge, die dringend auf der Agenda stehen. Das Thema "Macht" ebenfalls. Wie gehen wir mit unserer eigenen Macht um? Und diejenigen, die ein Amt in der Kirche haben, erst recht.

Brüggenjürgen: Wo bekommen Sie selbst Mut her?

Nothelle-Wildfeuer: Der Glaube ist es, der mich durch diese schwierige Zeit trägt. Dazu gehört aber auch das ganz konkrete Erleben von Solidarität, von Miteinander. Dazu gehört auch, in der Gemeinde neue Wege zu finden. Jetzt nenne ich sie zwar zum Schluss, aber primär gehört für mich die Familie dazu. Die große Familie bringt dann schon viel Mutmachendes mit sich.

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(DR)

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