Auf dem Weg nach Santiago de Compostela
Die gelbe Muschel zeigt Weg nach Santiago de Compostela
Ziel des Jakobswegs: Die Kathedrale von Santiago de Compostela
Ziel des Jakobswegs: Die Kathedrale von Santiago de Compostela

04.01.2021

Pilgern auf dem Jakobsweg Mitte 2021 wieder möglich? Hoffen und warten

Die Corona-Pandemie geht auch am Pilgern nicht spurlos vorbei. Mitte des Jahres könnte das zwar wieder möglich sein, sicher ist das aber nicht. Weil ausgerechnet in diesem Jahr ein Heiliges Jahr in Santiago de Compostela ist, musste eine kreative Lösung her.

DOMRADIO.DE: Die letzten Heiligen Jahre waren 2004 und 2010, was ist denn in diesen Heiligen Jahren anders?

Prof. Klaus Herbers (Präsident der deutschen Jakobusgesellschaft): Diese Heiligen Jahre sind zunächst dadurch definiert, dass Santiago de Compostela etwas Ähnliches auch haben wollte wie Rom. Normalerweise wird der Erzbischof tätig und beantragt ein Heiliges Jahr in Rom. Die Pilger, die nach Santiago de Compostela gehen und durch die Heilige Pforte die Kathedrale betreten, können einen vollkommenen Ablass erlangen, wenn sie gebeichtet und kommuniziert haben. Das ist zunächst einmal das Kirchenrechtliche.

Hinzu kommt natürlich, dass seit einigen Jahrzehnten diese Jahre auch von einem ganz großen Begleitprogramm seitens der galizischen Regierung begleitet werden, und dass zudem die Pilgerzahlen fast überall in die Höhe schnellen, weil natürlich auch ganz besondere liturgische Ereignisse oder auch andere Events zu erwarten sind. In Santiago, aber auch im Camino.

DOMRADIO.DE: Jetzt kann man in diesem Jahr unheimlich schlecht planen. Wie läuft das denn in diesem Jahr, ist all das möglich?

Herbers: Die Pforte ist am Silvestertag geöffnet worden und es gab eine große Neuigkeit bei der liturgischen Zeremonie am Silvestertag, dass der Vertreter der päpstlichen Pönitienterie einem Antrag stattgegeben hat, das Heilige Jahr auf das Jahr 2022 auszudehnen. Wir haben also jetzt ein doppeltes heiliges Jahr. Das ist bisher in der Geschichte nur dreimal passiert, dass es außerordentliche heilige Jahre gab, 1587, 1885 und 1938. Also ist das etwas Besonderes und nimmt natürlich auch ein wenig Druck heraus, dass man nun alles in dieses Heilige Jahr hineinpacken will, was man sonst immer in die heiligen Jahre hinein gesteckt hat.

DOMRADIO.DE: Ihre Gesellschaft unterstützt Pilger auch ganz individuell auf ihrem Weg. Welche Fragen und Nöte haben Pilger denn im Moment und wie helfen Sie?

Herbers: Die Pilger sind im Moment weitgehend darauf zurückgeworfen, dass sie warten und hoffen. Sie hoffen natürlich, dass möglichst bald die Wege wieder offen sind. Im Sommer gab es ein kurzes Fenster, da sind auch einige Leute gepilgert. Von manchen Pilgern hören wir inzwischen auch: "Es war noch nie so schön auf dem Pilgerweg. Es ist so leer. Ich gehe trotz der verschiedenen Restriktionen." Aber richtig empfehlen kann man das natürlich nicht. Und es ist natürlich auch so, dass ganz viele Herbergen nicht geöffnet sind und wenn sie mal geöffnet sind, vielleicht am nächsten Tag wieder geschlossen haben können.

Wir hoffen, dass wir insgesamt in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 wieder zu einem sukzessiv stattfindenden Pilgerverkehr kommen. Ob viele Ereignisse des Heiligen Jahres dann auf das Jahr 2022 verlegt werden, das wissen wir noch nicht genau. Es gibt auch große wissenschaftliche Tagungen zu diesem Heiligen Jahr, ich selbst bin im Expertenkomitee an einer dieser Tagungen beteiligt. Und unsere Tagung ist schon vom März über den Juli in den November 2021 gewandert. Und so wird es mit anderen Ereignissen auch passieren.

DOMRADIO.DE: Meinen Sie, Sie schaffen es in diesem Jahr nach Santiago de Compostela?

Herbers: Davon gehe ich sehr stark aus. Aber wissen kann das natürlich keiner. Wenn wir es schaffen, durch die verschiedenen Maßnahmen, die Infektionszahlen auch in Spanien und den Nachbarländern herunter zu bringen, denke ich, gibt es ab der Mitte des Jahres sicherlich eine Chance. Aber das ist genauso ins Blaue geredet, wie viele Leute jetzt in der aktuellen Situation ins Blaue reden müssen.

DOMRADIO.DE: Oder man besinnt sich auf die heimischen Wege. Auch die gibt es ja, die Jakobusweg-Zubringer in Deutschland.

Herbers: Das ist sicherlich eine sehr gute Alternative, dass man die Wege in der Heimat auch nutzt, die kann man auch gegebenenfalls sogar tageweise nutzen und dass man da die Spuren des Jakobuskultes, die es ja in ganz Europa gibt, an diesen heimischen Wegen entdeckt und vielleicht auch ein Stück weit in die besinnliche Bewegung hineinkommt.

Es ist natürlich nicht das Gleiche, wenn man einen Tag einen Tagesausflug macht und wenn man über längere Zeit immer wieder unterwegs ist. Aber es gibt ja auch in den heimischen Gegenden Möglichkeiten, zumindest einen gewissen Zeitraum länger unterwegs zu sein. Da kann man dann das Wort anwenden "Wanderst du noch oder pilgerst du schon?", das man meistens für den spanischen Weg sagt.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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