Symbolbild Wallfahrt
Symbolbild Wallfahrt
Darstellung der Heiligen Corona (M) auf dem Schrein im Dommuseum in Aachen
Darstellung der Heiligen Corona (M) auf dem Schrein im Dommuseum in Aachen
Eine polierte Platte im Aachener Dom erinnert an die Heilige Corona
Eine polierte Platte im Aachener Dom erinnert an die Heilige Corona

14.05.2020

Die Wiederentdeckung einer Kapelle samt ihrer Patronin Großer Andrang bei der Heiligen Corona

Schon seit dem 17. Jahrhundert gibt es vor den Toren Münchens eine Corona-Kapelle mit wechselvoller Geschichte. Nun könnte die Wallfahrt dorthin aufgrund der Pandemie neu aufleben. Der Besucherverkehr hat jedenfalls zugenommen.

Seit zwei Jahren leitet Pfarrer Josef Steinberger den Pfarrverband Sauerlach südlich von München. Für drei große Kirchen trägt er mit einem Seelsorgeteam die Verantwortung - und für eine auf einmal weithin bekannt gewordene Waldkapelle. Sie ist nach Sankt Corona benannt - und ihre Geschichte sowie das Schicksal der Märtyrerin war bis März nur Insidern bekannt. Dann kam das Virus, und seither ist das kleine Gotteshaus zu einem beliebten Ziel geworden. Von nah und fern kommen die Leute hierher, um in Zeiten der Krise innezuhalten.

Erst jüngst hat Steinberger wieder einen Stapel roter Plastikhüllen entfernt: die Reste ausgebrannter Grablichter, die Menschen vor dem Gebäude niedergestellt hatten. Ist doch an der Mauer zu lesen: "Müder Wanderer stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast." Der Pfarrer spaziert am Wochenende gerne selbst vorbei und nimmt inzwischen einen regen Besucherverkehr wahr. "Jüngst habe ich sogar das Pfarrerehepaar von der evangelischen Nachbargemeinde getroffen."

Heilige mit Krone

Durch mediale Aufmerksamkeit ist die Kapelle bei Arget längst kein Geheimnis mehr. Pfarreien empfehlen sie als Ausflugstipp. Steinberger holt sich bisweilen den Schlüssel, um ins Innere kleinen Kirche des der zu gehen. Dort ist auf der Altartafel die Leidensgeschichte der Heiligen verewigt: Als 16-Jährige musste sie, so weiß es die Legende, zusehen, wie ihr Ehemann Victor seines Glaubens wegen umgebracht wurde. Sie selbst wurde gleichfalls zum Tode verurteilt und zwischen zwei Palmen festgebunden. Als diese auseinanderschnellten, riss es ihren Leib entzwei. Um 175 nach Christus soll das gewesen sein, in Syrien oder in Ägypten.

Dargestellt wird Corona mit Krone, was ihr lateinischer Name auch übersetzt bedeutet, oder eben mit Palmen. Angerufen wird sie, wenn es ums Geld geht: von Anlegern, Glücksspielern und Schatzgräbern. Dem Fleischerhandwerk dient sie als Patronin. Bei Zahnschmerzen soll ihre Fürsprache ebenfalls helfen. Das Feld der Seuchen und Viren war bisher nicht unbedingt ihres. Doch dies könnte sich jetzt ändern. Auch andere Heilige haben schon neue Aufgaben zugewiesen bekommen.

Religiöse Auseinandersetzung mit der Heiligen

Den in München lebenden griechisch-orthodoxen Erzpriester Apostolos Malamoussis sprach die Geschichte so an, dass er zu Beginn der Pandemie mit einem Mitbruder zur Kapelle pilgerte und die Stiftung einer Ikone mit der frühchristlichen Märtyrerin ankündigte. "Auch mir war die heilige Corona zuvor nicht geläufig", räumt Malamoussis ein. Seine Recherchen ergaben, dass sie bei den Orthodoxen als heilige Stephania verehrt wird, deren Gedenktag der 11. November ist. Die Ikone ist fertig, auch die 40 Tage in der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche, die sie der Tradition gemäß erst verehrt werden muss, sind bald rum.

Wann es zur Übergabe kommt, "das weiß nur der liebe Gott", sagt Pfarrer Steinberger. Denn größere Treffen sind wegen der Pandemie weiter verboten, womit der angepeilte 14. Mai nicht infrage kommt. Malamoussis aber ist es ein Anliegen, dass aus dem Akt ein großes ökumenisches Fest wird: mit dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, den örtlichen Pfarrern der katholischen und evangelischen Kirche sowie Vertretern aus der Politik. Vielleicht gelinge dies im November, so seine Hoffnung. Zuzutrauen wäre es ihm allemal. Der gesellige griechische Geistliche ist in München bestens vernetzt.

Auf und Ab bei der Verehrung

Steinberger wäre schon froh, wenn die jährlichen Bittgänge wieder aufleben würden. 2017 war der letzte, dann schlief das Ganze ein. Aber seit der Errichtung der ersten Kapelle im 17. Jahrhundert ist der Ort ein Auf und Ab gewohnt. So uferte die Verehrung schon mal so aus, dass der zuständige Pfarrer pikiert notierte: "Die Jungen trinken, tanzen und springen, raufen und schlagen." 1807 ließ er deshalb die Kapelle abbrechen.

Aus den Steinen errichtete der Wirt einen Schweinestall, auf dem kein Segen lag. So kam es zum Wiederaufbau der Kapelle um 1820. Und so kommt es nun vielleicht zur Wiederbelebung einer Tradition - dank (der heiligen) Corona.

Barbara Just
(KNA)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

DOMRADIO hören

Laden Sie sich unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

WBS-Weggeleit

Messenger-Gemeinde

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 02.06.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was Corona Kreatives in Gemeinden und Bistümern hervorgebracht hat
  • Pfingstgottesdienst im Autokino
  • USA - Weiter Proteste und Ausschreitungen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was Corona Kreatives in Gemeinden und Bistümern hervorgebracht hat
  • Pfingstgottesdienst im Autokino
  • USA - Weiter Proteste und Ausschreitungen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • "Aus dem Gesicht gefallen" - Aktion der Citykirche Wuppertal
  • George Floyd und die Kirchen
  • Antisemitismus und Corona-Demos
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • "Aus dem Gesicht gefallen" - Aktion der Citykirche Wuppertal
  • George Floyd und die Kirchen
  • Antisemitismus und Corona-Demos
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…