Blick auf den See Genezareth in Galilä
Blick auf den See Genezareth in Galilä

21.04.2019

Dem auferstandenen Herrn im Alltag begegnen Das leere Grab ist erst der Anfang

​Die Auferstehung Jesu scheint mehr als 2.000 Jahre entfernt. Auch geografisch scheint das Ereignis weit weg von unserer Lebenswelt zu liegen. Ein Trugschluss: Nicht die kühle Grabhöhle ist der Ort, um dem Auferstandenen zu begegnen.

Pilger, die zum ersten Mal nach Jerusalem kommen und die Grabeskirche besuchen, sind mitunter irritiert. Die Evangelien berichten davon, dass Jesus außerhalb der Stadt gekreuzigt wurde - doch die heutige Grabeskirche befindet sich mitten im belebten Suq Jerusalems.

Wer eine Grabhöhle erwartet, wird ebenso enttäuscht. Die sogenannte Ädikula, die das Grab Jesu beherbergt, ähnelt eher einer kleinen Kapelle als einem aus Fels geschlagenem Grab. Und bis ins Jahr 2017 befand sich die im osmanischen Stil errichtete Grabkapelle sogar in einem äußerst desaströsen Zustand.

Ein Besuch in der Grabes- und Auferstehungskirche endet daher für manchen mitteleuropäischen Pilger tatsächlich eher mit dem Erschrecken, als mit Begeisterungsstürmen.

 "Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt"

Uns Menschen heute geht es da jedenfalls nicht viel anders als den Frauen, die am Ostermorgen zum Grab kommen. Auch sie wissen nichts Rechtes mit der leeren Grabhöhle anzufangen. Und dass ihnen ein Engel gar von der Auferstehung Jesu berichtet, verstört sie noch mehr. Das Markusevangelium endet in der ursprünglichen Fassung mit dem Vers:

"Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt." (16, 8a) Osterfreude sieht anders aus.

Die Osterevangelien machen deutlich: Das Grab ist nicht der Endpunkt der Geschichte um Jesus von Nazareth. Es geht weiter mit ihm. Und das Grab soll auch nicht der Ort sein, an den man sich mit aller Gewalt klammert. Der Engel ruft den Frauen am Grab zu: "Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen" (Mk 16,7).

Galiläa ist der Ort der Begegnung mit dem Auferstandenen

Nicht hier in der kühlen Grabhöhle ist der Ort, um dem Auferstandenen zu begegnen. Die Frauen und die Jünger werden von Jerusalem weggeschickt. Nicht das leere Grab ist der Auslöser für die Osterfreude, sondern die Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Und die ereignet sich eben dort, wo alles begonnen hat: in Galiläa.

Mit Ostern schließt sich der Kreis: Am See Genezareth hat Jesus die ersten Jünger in seine Nachfolge berufen. Dort, in Galiläa, ist er umhergezogen, hat Menschen geheilt und ihnen die Botschaft vom nahegekommenen Gottesreich verkündet.

Mitten in den Alltag der Menschen ist er eingebrochen und hat ihnen die Frohe Botschaft gebracht: Gottes Herrschaft steht unmittelbar bevor. Und dort, im menschlichen Alltag, ist auch der rechte Ort, an dem man dem Auferstandenen begegnen kann. Er klammert sich nicht ans Jerusalemer Grab. Er ist dort zugegen, wo seine Botschaft lebendig bleibt, wo sich Menschen versammeln, um sein Gedächtnismahl zu feiern.

Ganz nahe bei uns

Ostern heißt auch für uns: Wir können und dürfen dem auferstandenen Jesus begegnen. Wir müssen dazu nicht nach Jerusalem reisen und die Grabeskirche besuchen. Wir müssen auch nicht in Galiläa umherziehen oder an den See Genezareth gehen. Unser Galiläa liegt ganz nahe bei uns selbst.

Es ist unser Alltag, unsere Umgebung, in der wir leben und unser Leben gestalten. Das ist der rechte Ort, an dem der Auferstandene auf uns wartet, um uns seine Nähe zu schenken. Er ist ganz nahe bei uns. Er lässt sich nicht an einem Ort festhalten - nicht in Jerusalem und nicht in Galiläa. Er ist da, wo wir Menschen ihn suchen und wo wir uns auf ihn einlassen. Da dürfen wir ihm begegnen, da beginnt die rechte Osterfreude.

Bleibt nicht beim Grab stehen, lautet die Botschaft des Engels am Ostermorgen. Und sie gilt auch uns Gläubigen heute. Ostern ruft uns auf, hinauszugehen in unseren Alltag und dort die Spuren des auferstandenen Herrn zu entdecken. Da, wo wir eigentlich gar nicht mit ihm rechnen, da ist er gegenwärtig, da will er uns begegnen.

Ostern will unseren Alltag und unser Leben verwandeln. Und diese Verwandlung beginnt dort, wo wir uns auf Jesus, den Auferstandenen, einlassen und von Ostern her unser Leben gestalten.

Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat dies in einem schönen Bild zusammengefasst: Wir dürfen Jesus heute in unserem Alltag begegnen, denn der auferstandene Herr ist auch heute nur einen Herzschlag weit von uns entfernt.

Fabian Brand
(KNA)

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