Was hat sich seit der Liturgiereform geändert?
Was hat sich seit der Liturgiereform geändert?
Messbuch auf einer Kirchenbank
Latein: immer noch liturgische Sprache
Rief die erste Weltbischofssynode ein: Papst Paul VI.
Papst Paul VI.

04.12.2018

Vor 55 Jahren wurde die Volkssprache in der Liturgie eingeführt Die Gemeinde wurde zur aktiven Mitträgerin

"Dominus vobiscum" oder "Pater noster, qui es in caelis", vor allem die Älteren kennen diese Gebetsformeln aus der Heiligen Messe. Vor 55 Jahren wurde die Volkssprache in der Liturgie von Papst Paul VI. eingeführt. Was hat sich seitdem geändert?

DOMRADIO.DE: Es gibt kein Latein mehr, sondern stattdessen Gottesdienste in der Landessprache. Lässt sich so die Liturgiereform zusammenfassen?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Das Aussterben der lateinischen Sprache in der Liturgie ist nur ein Nebeneffekt, der auch gar nicht so vom Konzil gewünscht war. In der Konstitution "Sacrosanctum Concilium" heißt es ausdrücklich, dass der Gebrauch der lateinischen Sprache erhalten bleiben soll. Der jeweiligen Landessprache wird aber ein weiterer Raum zugebilligt. Gemeint war also eine Art Mischliturgie, in der vor allem die Lesungstexte in der Muttersprache und die sich immer wiederholenden Gebete und Akklamationen in lateinischer Sprache gesprochen beziehungsweise gesungen werden.

DOMRADIO.DE: Und was ist jetzt der große Durchbruch bei der Liturgiereform?

Stens: Dass die Liturgie nicht mehr eine reine Veranstaltung des Klerus ist, der die Gemeinde beiwohnt, sondern dass die Gläubigen in tätiger Teilnahme in die Liturgie eingebunden sind. Die Gemeinde ist also zur aktiven Mitträgerin der Liturgie geworden. Und das hat natürlich für den Gottesdienst die Konsequenz, dass dieser in seinem Ablauf und in seiner Struktur klarer und nachvollziehbarer gestaltet wird. Dazu gehört eben der Gebrauch der jeweiligen Landessprache, um vor allem die Schriftlesungen besser zu verstehen und zu verinnerlichen.

DOMRADIO.DE: Wenn das Konzil aber das Lateinische in der Liturgie nicht aufgeben wollte, warum ist es dann so gut wie verschwunden?

Stens: Das war eine Entwicklung, die sich nach dem Konzil als Selbstläufer sehr rasch vollzogen hat. Und wenn das Lateinische nicht mehr regelmäßig praktiziert wird, dann verlernt man auch den Gebrauch dieser Sprache, so dass ab und an gefeierte Liturgie in lateinischer Sprache dann eher peinlich wirkt, weil Priester und Gemeinde völlig aus der Übung sind. Eine Sprache ist wie ein Musikinstrument: Wer nicht regelmäßig übt und praktiziert, der verliert die Fähigkeit des Gebrauchs.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn überhaupt einen Grund, bestimmte Texte und Gebete in lateinischer Sprache zu beten oder zu singen?

Stens: Mir fällt dazu eine Begebenheit aus einem Urlaub über Mariä Himmelfahrt in Prag ein. Abends wurde im Veitsdom an einem Altar im Seitenschiff die Heilige Messe gefeiert, natürlich auf Tschechisch. Die meisten der Gläubigen aber waren – wie ich – Ausländer und haben nichts verstanden. Freilich konnten wir wegen des festen Ablaufs der Liturgie in etwa nachvollziehen, an welcher Stelle wir gerade waren. Aber antworten auf die Rufe des Priesters ging nicht.

Als dann nach dem Gabengebet plötzlich und unerwartet ein gesungenes "Dominus vobiscum" vom Altar ertönte, war der Bann gebrochen. Die meisten antworteten dann mit "et cum spiritu tuo" und wurden dann auch hörbar zur mitfeiernden Gemeinde. Ich finde es in einer weltweiten Kirche sehr wichtig, dass es eine liturgische Sprache gibt, die völkerübergreifend Gültigkeit hat. Nur muss man diese zu Hause immer mal wieder üben, um dann in der internationalen Praxis mitbeten und mitsingen zu können.

DOMRADIO.DE: Wo kann man das denn am besten üben?

Stens: Es gibt nur noch wenige Kirchen, in denen regelmäßig die Gottesdienste in lateinischer Sprache gefeiert werden. Da sind vor allem die Orte zu nennen, an denen die Liturgie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, also nach dem Messbuch von 1962, gefeiert wird. Doch da betet die Gemeinde vom Vaterunser beispielsweise nur den letzten Vers. Die neue, nachkonziliare Liturgie in lateinischer Sprache gibt es hier in Köln an jedem Sonn- und Feiertag in der Basilika St. Aposteln am Neumarkt.

Da liegen auch zweisprachige Bücher aus, so dass man als Nicht-Lateiner auch immer weiß, was das Gesprochene oder Gesungene bedeutet. Aber wenn ich bei den feststehenden Texten wie dem Vaterunser weiß, was es auf Deutsch bedeutet, dann kann ich es auch getrost auf Latein mitbeten. Und was hindert uns daran, auch zu Hause mal das eine oder andere Gebet auf Latein zu verrichten? Der liebe Gott versteht jede Sprache, auch Latein.

(DR)

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