Eine Hostie liegt auf einer runden Patene
Eine Hostie liegt auf einer runden Patene

09.06.2018

Streit um Kommunion bleibt weiter Thema Zorn, Überraschungen, Durchhalteparolen und ein Nachruf

Ein überraschter Vorsitzender, ein zorniger Kardinal und ein Bischof, der "Doppelmoral" kritisiert – der Streit um die Kommunion hat der deutschen Kirche eine turbulente Woche beschert. Wie geht es jetzt weiter?

Rom hat gesprochen, doch entschieden ist der Kommunionstreit unter den deutschen Bischöfen nicht. Noch nicht. Auch nach der Post aus dem Vatikan dürfte das Thema den Sommer über für Diskussions- und Zündstoff sorgen. Kardinal Reinhard Marx meldete bereits weiteren Gesprächsbedarf an – innerhalb der Bischofskonferenz, mit römischen Stellen "und dem Heiligen Vater selbst".

Im Kern geht es um die Frage: Dürfen evangelische Ehepartner von Katholiken die Kommunion empfangen? Rom hat hier überraschend auf die Bremse getreten und einen Vorstoß (zunächst) gestoppt, hinter dem immerhin drei Viertel der deutschen Bischöfe stehen. Die öffentlichen Reaktionen fallen ungewohnt deutlich aus. Dem einen oder anderen Oberhirten soll sogar der römische Kragen geplatzt sein.

"Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung"

"Die Enttäuschung ist bei vielen groß, der Schaden noch nicht abzusehen. (...) Verbitterung und Resignation machen sich breit." Zu diesem Schluss kommt der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige in einem "Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung". Der in Rom lebende deutsche Kardinal Walter Kasper ist nach eigenen Worten zornig. Vor allem weil der Brief, den der Leiter des römischen Glaubensbehörde an Kardinal Marx adressiert hat, an Franziskus-kritische Medien "durchgestochen" worden sei.

Über das Schreiben vom 25. Mai wurde mitunter schon genüsslich berichtet, noch bevor es beim eigentlichen Empfänger eintraf: dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Das geschah zehn Tage später, am Abend des 4. Juni. Warum das Ganze so lange dauerte und wo die undichte Stelle sitzt, wird zu klären sein. Kasper sieht einen Loyalitätsbruch in der Kurie und fordert in einem Beitrag für das Portal katholisch.de, dass die Verantwortlichen "zur Rechenschaft gezogen werden".

Schwere Notlage

Nach offizieller Lehre dürfen katholische Priester nur Katholiken am Sakrament der Eucharistie teilhaben lassen. Doch das Kirchenrecht kennt Ausnahmen. In Kanon 844 heißt es: "Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage dazu drängt, (...)". Strittig ist, wann eine "schwere Notlage" vorliegt. Unstrittig jedoch, dass in diesem Fall eine nationale Bischofskonferenz Entscheidungskompetenz haben kann.

In den Pfarreien vor Ort gehen viele Priester und Gläubige längst ihren Weg. Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bekannte dieser Tage, entsprechend "einer ungeschriebenen Regel der katholischen Kirche" weise er Betroffene an der Kommunionbank nicht zurück. Allerdings dürften aus pastoralen Ausnahmen nicht neue Normen werden.

"Eine möglichst einmütige Regelung"

Unter Woelkis Federführung hatten sieben deutsche Bischöfe den Vatikan um Klärung gebeten, ob eine Bischofskonferenz die Frage des Kommunionempfangs regeln könne. Eine entsprechende Handreichung war mit Dreiviertelmehrheit beschlossen worden; sie ist bis heute nicht veröffentlicht.

Rückblende: Am 3. Mai reisen Vertreter beider Seiten nach Rom – und der Vatikan verweist den Konflikt zurück nach Deutschland. Die Bischöfe sollten "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung" finden. Doch bevor die Lösungssuche richtig anläuft, schlägt wie ein Blitz aus heiterem Sommerhimmel der jetzt bekanntgewordene Brief aus Rom ein. Darin schreibt der Chef der Glaubenskongregation, aus Sicht von Papst Franziskus sei das Dokument "nicht zur Veröffentlichung reif".

Eine Niederlage?

Kein Wunder, dass Marx und andere Bischöfe über den plötzlichen Kursschwenk "überrascht" sind. Die "Süddeutsche Zeitung" wertet den Vorgang als "herbe Niederlage" für den Münchner Kardinal, und die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" erklärt Woelki prompt zum "neuen starken Mann" in der Bischofskonferenz. Auch sein Kölner Vorgänger Kardinal Joachim Meisner verfügte über exzellente Drähte in den Vatikan. Marx indes kann sich zugutehalten, ein Thema aus dem Stammland der Reformation zumindest indirekt auf die Bühne der Weltkirche gehievt zu haben.

Versöhnliche Töne schlägt etwa der Passauer Bischof Stefan Oster an, der sich bisher als einziger Bischof aus der Gruppe um Woelki äußerte. Oster betrachtet das Schreiben aus Rom als Aufforderung, weiterhin "möglichst einmütig nach Wegen zu suchen, wie wir in der Ökumene vorankommen". Denn das sei "allen ja ein bleibendes Anliegen und Verpflichtung", sagte er auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Sonne und Hitzegewitter

Andere dagegen scheinen nach jahrzehntelanger Suche mit ihrer Geduld am Ende und verkünden Durchhalteparolen. "Die Familien, ihre Priester und Gemeinden sollen sich nicht verunsichern lassen", mahnt der Präsident der katholischen Laienvertretung, Thomas Sternberg. Viele hätten längst Wege der Eucharistiegemeinschaft gefunden. Ähnlich auch Ökumene-Bischof Feige: "Lassen Sie sich nicht entmutigen! Vertrauen Sie der Barmherzigkeit Gottes und gehen Sie den Weg, den Christus Ihnen weist!"

Ende Juni steht nun ein Routine-Treffen aller Ortsbischöfe an, im September die nächste Vollversammlung. Das Thema Kommunionempfang, bei dem es um die Bedeutung des Sakraments und um die Seelsorge geht, bleibt auf der Tagesordnung. Möglicherweise steht ein heißer Sommer bevor, mit Sonne und Hitzegewittern. Danach ist die Luft oft wieder reiner.

Thomas Winkel
(KNA)

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