Astrophysiker Stephen Hawking beim Papst
Astrophysiker Stephen Hawking beim Papst

14.03.2018

Britischer Astrophysiker Stephen Hawking mit 76 Jahren gestorben Ohne Gott bis ans Ende des Universums

Er war überzeugt, das Universum habe sich "spontan" selbst geschaffen – einen Gott brauchte es nicht. Jetzt ist der berühmte Physiker Stephen Hawking mit 76 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf sein Leben, in dem auch der Papst eine Rolle spielte.

Das Bild ging um die Welt: Papst Franziskus trifft Stephen Hawking. Der Mann in Weiß, Stellvertreter Christi auf Erden, lächelt den im Rollstuhl sitzenden britischen Astrophysiker an, in dessen Theorien über das Universum Gott keinen Platz hatet. Ob einer von beiden nach dem Treffen im Vatikan Ende November 2016 seine Meinung über Gott geändert hat? Eher nicht. Doch beide galten und gelten schon zu Lebzeiten als wegweisende Gestalten.

Jetzt ist Hawking im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Cambridge gestorben, wie seine Familie am Mittwoch bekanntgab. "Wir sind tief betrübt, dass unser geliebter Vater heute gestorben ist", heißt es in der Mitteilung seiner Kinder Lucy, Robert und Tim.

Brillant trotz Gebrechen

Hawking zählte nicht nur zu den brillantesten und bekanntesten Wissenschaftlern der Welt, sondern galt auch als Beispiel dafür, wie sich der menschliche Geist über körperliche Gebrechen erheben und die Gesetze des Kosmos durchdringen kann. Hawking litt seit 1963 an der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die ihn zunehmend lähmte.

Seit einem Luftröhrenschnitt 1985 konnte er nicht mehr sprechen. Allein über einen Sprachcomputer war ihm möglich zu kommunizieren. Dies funktionierte zunächst durch Tippen mit den Fingern. Als das nicht mehr ging, teilte sich Hawking dadurch mit, dass er über einen Infrarotsensor Buchstaben und Wörter allein durch Bewegungen des rechten Wangenmuskels auswählte, und schließlich auch allein durch Augenbewegungen.

"Der große Entwurf"

Berühmt wurde der langjährige Inhaber des Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge durch seine Theorien über Schwarze Löcher und seine populärwissenschaftlichen Bücher; etwa den Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" von 1988. Darin hatte Hawking einen göttlichen Einfluss auf die Schöpfung noch in Erwägung gezogen.

In seinem 2010 erschienenen Buch "Der große Entwurf" vertrat er dann die These, dass sich das Universum selbst aus dem Nichts geschaffen habe, ohne göttlichen Schöpfungsakt. "Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen. [...] Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt des Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren", schrieb er. Deshalb sei es "nicht notwendig, sich auf Gott zu berufen".

Kein Himmel für kaputte Computer

Den Glauben an ein Leben nach dem Tod nannte Hawking 2011 "ein Märchen für Leute, die Angst vor dem Dunkeln haben". Das menschliche Gehirn sei wie ein Computer, der aufhöre zu funktionieren, wenn seine Komponenten kaputtgehen, gab sich der Experte für theoretische Physik in einem Zeitungsinterview überzeugt. "Es gibt keinen Himmel für kaputte Computer."

Päpstliche Akademie der Wissenschaften

Dies hatte prompt den Widerspruch gläubiger Wissenschaftler hervorgerufen. Der Biophysiker Markolf Niemz von der Uni Heidelberg betonte: "Ich bin überzeugt, dass es eine Seele gibt, die unseren Körper mit dem Tod verlässt – und sie ist unsterblich." Hawkings Gotteskritik hinderte auch die katholische Kirche nicht, ihn 1986 in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufzunehmen. Als er 2016 gemeinsam mit einigen Dutzend Akademiemitgliedern von Franziskus empfangen wurde, segnete ihn der Papst – und dankte ihm für sein "stetiges Engagement" für die Akademie.

Das Leben von Stephen Hawking war so einzigartig, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis es verfilmt wurde. Dies gelang 2014 eindrücklich in dem britischen Kinofilm "The Theory of Everything" ("Die Entdeckung der Unendlichkeit"). Eddie Redmayne, der Hawking spielte, erhielt dafür den Oscar. Hinter dem von der Nervenkrankheit schwer gezeichneten Wissenschaftler wurde der äußerst wache, humorvolle Mensch Hawking deutlich.

Mensch geblieben

Der "echte" Stephen Hawking jedenfalls hatte auch in hohem Alter noch ganz menschliche Probleme. "Manchmal bin ich sehr einsam, weil die Leute Angst haben, mit mir zu sprechen oder nicht abwarten können, bis ich eine Antwort geschrieben habe", sagte der Astrophysiker 2015 in einem TV-Interview der BBC. Zudem sei er auch selbst schüchtern und gelegentlich erschöpft. Doch trotz allem gab er sich weiter kämpferisch: "Ich will verdammt sein, wenn ich sterbe, bevor ich nicht noch mehr über das Universum herausgefunden habe."

Norbert Demuth
(KNA)

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