Religionsunterricht in einer achten Klasse eines Gymnasiums
Religionsunterricht in einer achten Klasse eines Gymnasiums
Birgit van Elten
Birgit van Elten

14.07.2017

Werteunterricht statt "Reli" in Luxemburg Von allem ein bisschen

Ab dem kommenden Schuljahr wird in Luxemburg der konfessionelle Religionsunterricht abgeschafft und durch neutralen Werteunterricht ersetzt. Eine Signal für Deutschland? Denn hierzulande ist der Religionsunterricht auf dem Rückzug.

domradio.de: Was halten Sie von der Entscheidung in Luxemburg?

Birgit van Elten (Bundesvorsitzende des VKR, des Verbands der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an berufsbildenden Schulen): Ich finde das absolut nicht gut. Es liegt nicht nur an meiner Profession. Es liegt in erster Linie daran, dass ich denke, dass Kinder und Jugendliche von Menschen unterrichtet werden müssen, die aus tiefster Überzeugung heraus einer bestimmten Religion angehören. Ich kann keine neutrale Wertevermittlung machen, sondern ich muss sie begründen, zum Beispiel durch meinen Glauben an einen Gott. Und nur wenn ich aus tiefster Seele etwas begründen kann, kann ich es auch lehren. Dann können sich Kinder und Jugendliche auch dazu in Beziehung setzen.

domradio.de: Hilft es dem Verständnis für Religionen bei Kindern und Jugendlichen, wenn ihnen eine Art große Supermarkt-Palette der Religionen dargestellt wird, aus der man beliebig auswählen kann?

Birgit van Elten: Ich glaube, dass eine bestimmte konfessionelle Ausrichtung mit voller Überzeugung dargeboten werden kann. Nur dann können sich Kinder und Jugendliche auch daran reiben und entweder überzeugt werden und sagen, dies könnte auch für ihr Leben sinnvoll sein oder aber sich dezidiert davon absetzen. Ich glaube nicht, dass ein neutrales Darbieten die Möglichkeit bietet, sich wirklich zu entscheiden.

domradio.de: Ist es nicht ein bisschen ausschließend, wenn wir sagen, wir beschränken uns auf den konfessionellen Unterricht?

Birgit van Elten: Ich glaube nicht, dass wir uns auf den konfessionellen Unterricht beschränken müssen. Insofern, als es ja bei uns auch immer mehr muslimischen Religionsunterricht gibt. Und zwar nicht nur Religionskunde, sondern auch richtigen Religionsunterricht. Ich glaube wirklich, dass die Inhalte und die Sinnzusammenhänge, das Sinnangebot von jemandem dargeboten werden muss, der zutiefst davon überzeugt ist. Und ich glaube, dass das Reibung ermöglicht und tatsächlich auch eine begründete Auseinandersetzung, eine begründete Entscheidung dafür oder dagegen bietet. Ich möchte niemanden ausschließen.

domradio.de: Das Land Berlin hat schon darüber diskutiert, Luxemburg hat es jetzt gemacht. Kommt die Diskussion auch auf uns zu?

Birgit van Elten: Das kann natürlich sein. Ich hoffe allerdings, dass konfessioneller Religionsunterricht jedweder Konfessionen erhalten bleiben wird, insofern als nur der, meiner Meinung nach, zu einer klaren Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen beitragen kann. Eine feste, begründete Identität ist in einer Zeit, in der es unendlich viele Angebote gibt, eine sehr wichtige, zu leistende Entwicklungsaufgabe, die, glaube ich, nicht geleistet werden kann, wenn nur Häppchen dargeboten werden.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch

(dr)

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