Flüchtlinge sitzen vor ihrer Unterkunft vor einem Peace-Zeichen
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Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel

31.08.2020

Flüchtlingsinitiative fünf Jahre nach "Wir schaffen das" "Es ist immer noch mehr Neben- als Miteinander"

Vor fünf Jahren sagte die Bundeskanzlerin: "Wir schaffen das". Gemeint war die Aufnahme und Integration von Geflüchteten. Initiativen gründeten sich und viele Menschen engagierten sich in der Flüchtlingshilfe. Was denken die? Haben wir es geschafft?

DOMRADIO.DE: Mit großer Euphorie und Tatendrang hat sich damals die Bürgerinitiative im Kölner Stadtteil Brück gegründet. Wie viele Engagierte von damals sind heute noch aktiv?

Wolfgang Schmitz (Willkommens-Initiative Köln-Brück): Es sind sehr viel weniger. Wir waren damals um die dreißig, heute sind wir so zehn, zwölf Aktive. Zu wenig, möchte ich sagen.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie denn die Integration im Stadtteil Köln Brück und Neubrück? Es ist ein Miteinander oder ein Nebeneinander?

Schmitz: Es ist leider zu einem großen Teil immer noch ein Nebeneinander, wobei es allerdings auch die Tendenz zum Miteinander in einigen Fällen gibt. Beispielsweise haben wir gerade zusammen mit dem Bürgerverein Neubrück eine Sommeraktivität für Kinder und Jugendliche organisiert. Da waren Kinder aus den beiden Unterkünften, die wir betreuen, und aus dem Stadtteil zusammen. Ein bisschen bewegt sich etwas, aber es könnte mehr sein.

DOMRADIO.DE: Wenn wir zurückdenken an die sexuellen Übergriffe geflüchteter Männer auf Frauen in der Silvesternacht 2015 in Köln, waren auch Jugendliche aus Brück dabei. War das eine große Enttäuschung für Sie und kommen solche Rückschläge häufiger vor?

Schmitz: Solche Rückschläge haben wir seitdem nicht mehr erlebt. Es ist auch so, dass wir Geflüchtete aus Familienunterkünften mit vielen Kindern und Jugendlichen betreuen. Da gibt es schon die Enttäuschung, dass es nicht so schnell vorangeht und zum Beispiel Frauen, die dort leben, teilweise große Mühe haben, sich Sprachkursen anzuschließen und Deutsch zu lernen. Das sind aber Dinge, an denen arbeitet man. Aber das ist mitnichten vergleichbar mit dem, was damals in der Silvesternacht passiert ist.

DOMRADIO.DE: Motivierend sind die schönen Geschichten, von denen Sie wahrscheinlich auch erzählen können?

Schmitz: Wir können schöne Geschichten erzählen. Die alleinreisende Frau mit drei Kindern, der wir Kindergartenplätze besorgen konnten und die dann anfangen konnte, Deutsch zu lernen und sich zu qualifizieren. Eines der Highlights ist ein junger Mann, der 2016 gekommen ist, kein Wort Deutsch sprach und in diesem Jahr sein Abitur mit "sehr gut" gemacht und ein Stipendium an der Harvard University bekommen hat.

DOMRADIO.DE: Das sind wirklich Leuchttürme in solchen Initiativen. Wenn Sie aber für die Stadtteile Brück und Neubrück in Köln Bilanz ziehen, haben wir es dann heute "geschafft"?

Schmitz: Wir schaffen das, ja, wir haben einiges geschafft, das gilt auch für die ganze Republik. Aber es ist nach wie vor viel zu tun. Das ist eine Aufgabe und eine große Herausforderung, der sich unsere Gesellschaft stellen muss. Wir tun das im Kleinen, in Brück, in vielen einzelnen Schritten. Aber es muss weitergehen. Ich habe es eingangs gesagt, wir wären froh, wenn wir noch mehr Unterstützerinnen und Unterstützer hätten.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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