Ein Mädchen betet mit einem Kreuz in der Hand
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14.02.2020

Glaube kann geflüchteten Kindern gegen Traumata helfen "Gott macht mich mutig"

Welche Bedeutung hat Religion für die seelische Widerstandsfähigkeit geflüchteter Kinder? Dieser Frage ist eine neue Studie der Kinderhilfsorganisation World Vision zusammen mit der TU Dortmund nachgegangen – mit eindeutigen Ergebnissen.

DOMRADIO.DE: Mit was für Eindrücken kommen geflüchtete Kinder denn nach Deutschland?

Caterina Rohde-Abuba (World Vision Deutschland): Das sind ganz unterschiedliche Eindrücke. Man muss natürlich die Situation der jesidischen Kinder hervorheben. Die von uns interviewten Kinder sind größtenteils nach dem Sommer 2014 geflohen. Das heißt nach dem Genozid, der an der jesidischen Bevölkerung im Irak begangen wurde. Diese Kinder sind teilweise Zeugen und Zeuginnen von Mord, Vergewaltigung, Verschleppung geworden. Das sind wirklich sehr schlimme Erfahrungen, die diese Kinder gemacht haben.

Es gibt aber auch Kinder, die erst auf der Flucht Erfahrungen mit Gewalt gemacht haben, zum Beispiel Gewalt durch Schlepper oder durch die jeweiligen Bevölkerungen in den Ländern, durch die sie geflohen sind. Ganz bedeutsam sind auch schwierige Erfahrungen, die sie erst in Deutschland machen. Hier ist besonders zu nennen, dass viele Familien lange über ihren rechtlichen Status unsicher sind und Angst haben, abgeschoben zu werden. Das ist die eine Sache, die Kinder belastet.

Die andere Sache ist, dass sie in Unterkünften untergebracht sind, die einfach überlastet sind oder in denen es Konflikte unter den Menschen gibt, die dort leben. Und dann ist auch sehr bedeutsam für viele Kinder, dass sie lange Zeit von wichtigen Familienmitgliedern getrennt werden, weil der Familiennachzug einfach nicht funktioniert. Das können Geschwister sein, auch Zwillingspaare, die zum Beispiel getrennt sind, oder ganz oft ist es auch die Trennung von Großeltern, die diese Kinder belasten.

DOMRADIO.DE: Es sieht so aus, dass auch der Glaube eine Rolle spielt, um das zu bewältigen. Was haben Sie da genau festgestellt?

Rohde-Abuba: Wir haben in unserer Studie "Flucht, Religion, Resilienz" nur mit Kindern gesprochen, die sich selbst als gläubig bezeichnen. Das heißt, wir wissen momentan nicht, wie das für Kinder ist, die atheistisch sind. Aber Kinder, die sich selbst als gläubig bezeichnen, die sind in der Lage, in Situationen, die sie als belastend empfinden, also zum Beispiel Situationen, in denen Sorgen hochkommen, in denen sie Angst haben oder in denen sie nervös werden, sozusagen Kontakt mit Gott aufzunehmen, um sich zu beruhigen und sich Mut zu machen.

Hier ist die wichtigste Praxis bei allen drei untersuchten Religionen das freie Gebet. Manche Kinder sagen auch, sie sprechen einfach mit Gott, oder sie denken an Gott. Wichtig ist hierbei, dass auch junge Kinder im Alter von zehn Jahren oder jünger, also deutlich unter der Grenze von 14 Jahren, ab der wir Kinder als religionsmündig verstehen, in der Lage sind, darüber zu reflektieren, dass es ihnen in belastenden Situationen hilft, mit Gott zu sprechen. Sie selbst wissen, dass diese Religionspraxis ihnen Mut gibt, ihnen Hoffnung macht. Sie sind damit in der Lage, sich wirklich ganz selbstständig und ohne Anleitung einer erwachsenen Person über die Situation hinweg zu helfen.

DOMRADIO.DE: "Gott macht mich mutig", hat eines der Kinder bei Ihrer Umfrage gesagt. Ist es denn über alle Regionen hinweg gleichbedeutend?

Rohde-Abuba: Ja, absolut. Das wichtigste Ergebnis war, dass man über große Teile der Interviews hinweg gar nicht erkennen konnte, welche Religionszugehörigkeit die Kinder haben. Im Vordergrund standen die Werte. Die Glaubensstrukturen der Kinder sind ganz, ganz ähnlich, genauso wie die Gottesvorstellungen.

Sie teilen diese Grundidee, dass Gott für ihre persönlichen Probleme immer ansprechbar ist. Dass kein Problem irrelevant ist für Gott und dass Gott es immer gut mit ihnen meint und ihnen immer beisteht, auch wenn er ihnen in der konkreten Situation vielleicht nicht helfen kann. Die Vorstellung, dass sie Geduld und Hoffnung brauchen und dass ihr Leben sich wieder verbessern wird, teilen die Kinder. Das liegt auch daran, dass alle drei Religionen monotheistische Religionen sind.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch. 

(DR)

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