UN-Konferenz zum Migrationspakt in Marrakesch am 10. Dezember 2018.
UN-Konferenz zum Migrationspakt in Marrakesch am 10. Dezember 2018.

10.12.2018

Vatikan setzt auf UN-Migrationspakt Aufnehmen, schützen, fördern und integrieren

Der Vatikan begrüßt den UN-Migrationspakt, der an diesem Montag von 164 Staaten in Marrakesch angenommen wurde. Der Pakt könne helfen, Krisen und Tragödien zu vermeiden, sagte Kardinalssekretär Parolin.

Der Vatikan hofft auf positive Folgen des angenommenen UN-Migrationspakts. "Wir freuen uns auf seine Umsetzung und das Versprechen einer nachhaltigen, freiwilligen und würdevollen Migration", sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an diesem Montag in Marrakesch, wo der Großteil der UN-Mitgliedstaaten dem Abkommen zustimmte. Der Heilige Stuhl hatte maßgeblich an dem Pakt mitgearbeitet. Der Kardinalstaatssekretär ist ranghöchster Vertreter des Vatikan nach dem Papst.

Migration steuern

Parolin sprach von einem "kritischen Moment in der Geschichte", da viele Menschen gezwungen seien, ihr Zuhause zu verlassen. Der Migrationspakt versuche, dabei zu helfen, Krisen und Tragödien zu vermeiden und Migration zu steuern. Es gehe um vier Schlüsselthemen: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren.

Den enormen Herausforderungen der Migration könne aus Sicht des Heiligen Stuhls am besten multilateral begegnet werden, sagte Parolin weiter. Er sprach allerdings auch von Bedenken, da der Text des Abkommens nicht an allen Stellen die Menschenwürde vollumfänglich anerkenne.

Merkel: Pakt für internationale Zusammenarbeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Marrakesch, das Problem von illegaler Migration sei nur durch multilaterale Zusammenarbeit zu lösen. Deutschland habe als Land, das Fachkräfte brauche, ein Interesse an legaler Einwanderung. Im Streit um den Pakt gehe es "um nicht mehr und nicht weniger als um die Grundlagen unserer internationalen Zusammenarbeit". Länder wie die USA, Australien, Österreich und Ungarn lehnen die Vereinbarung ab.

Der katholische Erzbischof Stefan Heße sprach von einem "Meilenstein". "Für eine verantwortungsvolle Migrations- und Flüchtlingspolitik ist ein Mehr an internationaler Zusammenarbeit dringend erforderlich", erklärte der Hamburger Erzbischof, der Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Er zeigte sich erfreut darüber, dass nach dem Globalen Migrationspakt in Kürze auch der Globale Flüchtlingspakt angenommen werden solle.

Achtung der Menschenrechte und pragmatische Lösungen

Der Migrationspakt orientiere sich unmissverständlich an den Menschenrechten und wisse sich zugleich pragmatischen Lösungsstrategien verpflichtet, sagte Heße weiter. "An den Standards, die er festschreibt, müssen sich die Staaten künftig messen lassen."

Caritas-Präsident Peter Neher rief alle Staaten auf, sich dem UN-Migrationspakt anzuschließen. "Der UN-Migrationspakt soll Start für eine global geordnete, fairere Migrationspolitik zum Nutzen aller sein", sagte der Chef des katholischen Wohlfahrtsverbands.

Konkrete Umsetzung gefordert

Die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sprach von einem "wichtigen Signal". "Wichtiger jedoch ist nun die konkrete Umsetzung", sagte sie. "Dabei sollte besonders auch der Schutz der Migranten gestärkt werden, also die Bekämpfung von schwerer Arbeitsausbeutung oder Diskriminierung von Migranten." Hier habe auch Deutschland noch Hausaufgaben zu machen.

(KNA)

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