T-Shirt mit der Aufschrift "Kirchenasyl"
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10.09.2018

Kirchen warnen vor Kriminalisierung des Kirchenasyls "Wiederholte Drohungen, Kirchenasyle räumen zu lassen"

Die evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz sehen die Situation des Kirchenasyls "mit großer Sorge". Der Druck auf betroffene Kirchengemeinden nehme zu, heißt es. Die Kirchen weisen zudem Vorwürfe der Politik zurück.

Nach der Einleitung von Strafverfahren gegen fünf Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis haben die evangelischen Landeskirchen davor gewarnt, das Kirchenasyl zu kriminalisieren. Die aktuelle Entwicklung in Rheinland-Pfalz gebe Anlass zu großer Sorge, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme der hessen-nassauischen, pfälzischen und rheinischen Kirche: "Wir bitten die politisch Verantwortlichen auf kommunaler wie Landesebene, sich dafür einzusetzen, dass das Kirchenasyl nicht weiter kriminalisiert wird."

Druck und Drohungen

Seit gut eineinhalb Jahren seien Gemeinden, die Kirchenasyl gewähren, immer stärker unter Druck geraten, beklagten die Landeskirchen. Wiederholt habe es Drohungen gegeben, Kirchenasyle räumen zu lassen. Nach einem gemeinsamen Spitzengespräch von Kirchen, Land und Kommunen habe 2017 noch Einigkeit darüber bestanden, dass es keine Polizeieinsätze gegen Kirchenasyle geben solle. Im Landtag hätten sich Regierungsfraktionen und CDU gemeinsam für den Schutz des Kirchenasyls "als ein kostbares Gut in unserer christlich geprägten Gesellschaft" ausgesprochen.

"Die jüngsten Ereignisse im Rhein-Hunsrück-Kreis konterkarieren jedoch die gemeinsame Grundlage, die auch von den Kommunalen Spitzenverbänden mitgetragen wurde", heißt es in dem Positionspapier. Die Kreisverwaltung in Simmern hatte versucht, Flüchtlinge aus dem Kirchenasyl heraus abzuschieben und Strafanzeigen gegen die aufgenommenen Personen und die zuständigen Pfarrer erstattet. "Eine solche Situation gibt es gegenwärtig in anderen Bundesländern nicht", kritisierten die Kirchen.

Konflikte um Kirchenasyl

Das Angebot der rheinland-pfälzischen Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) und des Innenministers Roger Lewentz (SPD), ein neues Spitzengespräch anzuberaumen, stieß in den Kirchenverwaltungen auf Zustimmung. Vorwürfe, abgelehnte Asylbewerber zu leichtfertig aufzunehmen, wiesen die Kirchen zurück: "Gemessen an der Anzahl der Asylverfahren und der Vielzahl der Anfragen nach Kirchenasyl, die die Gemeinden täglich erreichen, ist die Zahl der derzeit tatsächlich gewährten Kirchenasyle äußerst gering."

In Rheinland-Pfalz gab es seit 2017 eine ganze Reihe von Konflikten um Menschen im Kirchenasyl. Für Aufsehen sorgte ein Fall in Ludwigshafen, bei dem die Polizei eine koptische Familie in Kirchenräumen festgenommen hatte. Im Frühjahr 2018 wurde ein Strafverfahren gegen einen evangelischen Pfarrer aus Hochspeyer in der Westpfalz eingeleitet und erst gegen Zahlung einer Geldauflage von 1.200 Euro wieder eingestellt. Nach den Strafanzeigen des Rhein-Hunsrück-Landrats Marlon Bröhr (CDU) gegen die fünf Pfarrerinnen und Pfarrer eskalierte der Streit um das Kirchenasyl im Land Anfang September erneut.

(epd)

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