Qualifikation von Flüchtlingen: Arbeit am Schraubstock
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Fachveranstaltung "Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!" im Erzbistum Köln
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19.06.2017

Caritas-Projekt: Wie Integration auf dem Arbeitsmarkt funktionieren kann "Dieses Land wird bunter"

Für Alexander Gabriel, Leiter des Caritas-Projektes "Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!" ist Sprache ein Schlüssel für die gelingende Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt.

domradio.de: Im Erzbistum Köln läuft seit einigen Monaten das Projekt "Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!" Was ist denn genau das Ziel des Projekts?

Alexander Gabriel (Leiter des Caritas-Projektes "Willkommen Kollege! Willkommen Kollegin!"): Das Ziel ist, auf der quantitativen Seite 100 Geflüchtete in Arbeitsplätze bei katholischen Trägern - im karitativen Bereich aber auch bei Tagungshäusern - zu vermitteln. Wir wollen diese Arbeitgeber motivieren und diesen Arbeitsmarkt auch aktivieren. Auf einer qualitativen Ebene bringen wir diese Leute zusammen. So haben wir zum Beispiel Foren, in denen sich die Arbeitgeber treffen und sich über Probleme, aber auch positive Erfahrungen austauschen können. 

domradio.de: Wo können denn Flüchtlinge überhaupt arbeiten? Oder andersherum gefragt: Gibt es irgendwelche Grenzen, wo sie eben nicht arbeiten können?

Gabriel: Wir haben ja grundsätzlich in Deutschland einen freien Arbeitsmarkt, theoretisch können sie also überall arbeiten.

domradio.de: Auch als Professoren und Ärzte?

Gabriel: Theoretisch auf jeden Fall! Da geht es natürlich sehr schnell um die Anerkennung von Erfahrungen, die sie aus ihrem Herkunftsland mitbringen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter - es kommt wirklich sehr auf den Einzelfall an. Zudem: In den ersten drei Monaten nach Ankunft gilt ein Arbeitsverbot. Es hängt also zunächst einmal am jeweiligen Aufenthaltstatus, wie dieser Zugang zum Arbeitsmarkt sich gestaltet. Was wir natürlich auch sehen, ist, dass die Vorbildung der Flüchtlinge sehr unterschiedlich ist. Manche bringen eine hohe Qualifikation mit, andere eine sehr geringe. Das heißt, es geht in dem Projekt auch darum, bestimmte Personengruppen für bestimmte Berufe zu qualifizieren. 

domradio.de: Was sind denn die größten Stolpersteine bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt? Welche Bedenken haben potenzielle Arbeitgeber?

Gabriel: Ein Problem, mit dem wir uns gerade beschäftigen, sind die Schulabschlüsse. Für viele gesetzlich geregelte Ausbildungen - wie zum Beispiel im Pflegebereich - brauchen die Menschen einen Hauptschulabschluss, um die Ausbildung überhaupt anfangen zu dürfen. Den bringen aber viele nicht mit. Andere haben eine Schule besucht, vielleicht sogar studiert, können es aber nicht nachweisen. Wenn die Nachweise fehlen, sagt aber der Gesetzgeber :"Tut uns leid, da können wir nichts machen." Es geht also darum, den Leuten entweder bei der Anerkennung ihrer Vorbildung oder beim nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschluss zu helfen. Nur so bekommen sie einen Zugang zum Ausbildungsmarkt.

domradio.de: Im Erzbistum Köln gibt es ja eine ganze Reihe positiver Beispiele von Flüchtlingen, die schon angefangen haben zu arbeiten. Einige werden wir auch in unserer Themenwoche zu gelungener Integration noch vorstellen. Würden Sie sagen, es gibt das so etwas wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner, damit ein Arbeitsverhältnis zustande kommt?

Gabriel: Der kleinste gemeinsame Nenner ist natürlich im Grunde nicht anders als bei anderen Arbeitsverhältnissen auch: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich verstehen. Eine Besonderheit ist die Sprache. Viele Geflüchtete sprechen noch nicht so gut Deutsch; da ist es gut, wenn der Arbeitgeber sagt: "Ich habe hier eine soziale Verantwortung, ich gehe in Vorleistung und kümmere mich ein bisschen mehr um ihn oder sie. Ich organisiere eine Begleitung, vielleicht noch einen Sprachkurs und gebe ihm damit die Chance, sich weiter zu entwickeln."

domradio.de: Wir stehen noch ziemlich am Anfang. Wie optimistisch sind Sie, dass wir das schaffen können, in Deutschland die meisten Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen?

Gabriel: Zu dem Thema "Wir schaffen das!" denke ich, dass sich diese Frage so gar nicht direkt stellt. Wir leben in einer globalisierten Welt im 21. Jahrhundert. Diese Welt und dieses Land werden sehr viel bunter. Es wird sicher auch in Zukunft noch oft erhöhte Migrationszahlen geben, sei es über Flucht oder über Arbeitsmigration, letztere kann man bedingt steuern. Die Frage ist also eher "Wie schaffen wir das?" Und je mehr Geld und Arbeit wir jetzt investieren, desto besser schaffen wir das auch.

Das Gespräch führte Tobias Fricke. Das Interview lief im Rahmen der domradio.de -Themenwoche "Integration".

(DR)

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