Offener Brief bayerischer Ordensleute
Offener Brief bayerischer Ordensleute
Pater Stefan Kiechle
Pater Stefan Kiechle

11.11.2015

Flüchtlingspolitik: Bayerische Ordensobere kritisieren Seehofer "Mit brennender Sorge"

Bislang hatte es vonseiten der katholischen Kirche in Bayern kaum offene Kritik an der flüchtlingsfeindlichen Rhetorik von Ministerpräsident Seehofer gegeben. Nun wenden sich fast 50 Ordensobere in einem offenen Brief an den CSU-Chef.

Wenn es um die Aufnahme von und den Umgang mit Flüchtlingen geht, ist der bayerische Ministerpäsident Hort Seehofer (CSU) ein Freund deutlicher Worte: "Bis zur letzten Patrone" werde die Regierung sich gegen eine massenhafte Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme wehren, sagte er schon 2011. In diesem Jahr forderte er eine "wirksame Notwehr" und rigorose "Notmaßnahmen", sollte die Bundesregierung nicht bald für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen in Bayern sorgen. Den Flüchtlingen wirft er gerne "massenhaften Asylmissbrauch" vor.

Deutliche Kritik an einer solchen Wortwahl kam zuletzt von Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki: Seehofers Äußerungen stimmten ihn "mehr als nachdenklich, denn wir müssen die Würde jedes einzelnen Menschen auf der Flucht achten", so der Kardinal am Montag. Statt Jubel über begrenzte Flüchtlingszahlen seien jetzt vorausschauende Entscheidungen von der Politik für die Integration erforderlich. Entschieden wandte sich Woelki gegen eine Begrenzung des Familiennachzugs für syrische Flüchtlinge, die momentan von Teilen der CDU und CSU gefordert wird.

Bezug auf den Patron der Flüchtenden

Nun bekommt CSU-Chef Seehofer auch Gegenwind von der katholischen Kirche in Bayern: Am Fest des Hl. Martin, des Patrons der Flüchtenden, veröffentlichten Ordensobere bayerischer Klöster und Ordensgemeinschaften einen Brief an den Ministerpräsidenten. Darin apellieren sie unter anderem, die Rhetorik im Blick auf die Geflüchteten zu überdenken und jene als Schwestern und Brüder zu sehen, die in Not geraten sind. 45 (Höhere) Oberinnen und Obere haben den Brief unterzeichnet, darunter auch Sr. Katharina Ganz, Generaloberin der Dienerinnen der Heiligen Kindheit Jesu, Michael Reepen, Abt der Abtei Münsterschwarzach am Main in Unterfranken, und Pater Stefan Kiechle SJ, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten.

Die Ordensleute nehmen darin "mit brennender Sorge wahr, wie auch in unserem Land rechtsnationale Kräfte und Meinungen wieder sprach- und öffentlichkeitsfähig werden, die ein Klima der Angst und Bedrohung schüren und gegen Geflüchtete und Menschen anderer Religionen hetzen und inzwischen schon tätlich gegen sie vorgehen".

Leise Ironie

Die Ordensleute sparen in ihrem Brief nicht mit deutlichen Worten - und auch nicht mit leiser Ironie, wenn sie schreiben: "Weil wir wissen, dass Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident Seehofer, die Meinung der Bevölkerung wichtig ist, richten wir heute das Wort an Sie – wissend, dass viele Menschen alle Kräfte einsetzen, um den Geflüchteten beizustehen."

Seehofer solle "dringend von einer Rhetorik Abstand zu nehmen, die Geflüchtete in ein zwielichtiges Licht stellt", heißt es weiter. Die Unterzeichner plädieren vielmehr dafür, "in den politischen Debatten und Entscheidungen die Geflüchteten zuerst als Mitmenschen zu sehen, die als Schwestern und Brüder zu uns kommen und unsere Solidarität brauchen."

Konkrete Forderungen

Bezugnehmend auf den in der vergangenen Woche in der Bundesregierung geschlossenen "Asylkompromiss" appellieren die Ordensoberen an Seehofer, "unbedingt von der Maßnahme Abstand zu nehmen, Transitzonen und Auffanglager einzurichten. Die Asylanträge von Geflüchteten aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten sollten individuell und mit "einem wohlwollenden Blick auf die Schicksale dieser Menschen" geprüft werden, die Erklärung, die Westbalkanstaaten Bosnien, Serbien, Mazedonien, Albanien, den Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten zu deklarieren, solle zurückgenommen werden.

Die Unterzeichner schließen ihren Brief mit der eindringlichen Bitte um "eine Mentalität, die dem Teilen mehr zutraut als der Sorge nur für das eigene Wohlergehen".

(dr)

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