Bischof Bedford-Strohm am Münchner Bahnhof
Bischof Bedford-Strohm am Münchner Bahnhof
Kardinal Marx am Münchner Bahnhof
Kardinal Marx am Münchner Bahnhof

05.09.2015

Marx und Bedford-Strohm begrüßen Flüchtlinge am Bahnhof Ökumenische Willkommenskultur

Willkommenskultur auf ökumenisch: Die obersten Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Deutschland haben am Samstagnachmittag am Münchner Hauptbahnhof aus Ungarn einreisende Flüchtlinge begrüßt.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, schüttelten viele Hände, hießen die Flüchtlinge unter großem Applaus willkommen und dankten den zahlreichen Helfern.

Die Idee sei spontan beim gemeinsamen Mittagessen entstanden, sagte Marx der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bedford-Strohm und er hätten sich getroffen, weil einiges miteinander zu besprechen gewesen sei. Währenddessen seien auf dem Smartphone regelmäßig neue Nachrichten über die Ankunft von Flüchtlingen eingegangen. Daraufhin hätten sich der Münchner Erzbischof und der bayerische Landesbischof spontan entschieden, zum Bahnhof zu gehen und die Menschen willkommen zu heißen.

Lob für Ehrenamtliche

Marx lobte das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen, aber auch die Arbeit der Polizei und der Behörden auf allen Ebenen. Diese Willkommensbereitschaft, auch von großen Teilen der Bevölkerung, sei ein "gutes Zeichen".

In einem "Spiegel"-Interview hatte Marx ebenfalls am Samstag die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Deutschland als "Schande" bezeichnet. "Mir tut das physisch weh, wenn ich Leute mit Hitlergruß und Naziparolen sehe", sagte der Kardinal. Aus Sicht der katholischen Kirche sei es entsetzlich, was hierzulande gerade passiere.

"Ausländerfeindlich und katholisch zu sein geht nicht zusammen." Hassparolen seien nicht akzeptabel. An Menschen, die bei Rechten mitmarschierten, appelliere er: "Haltet euch unbedingt fern davon", so Marx. Er hob hervor, dass viele ehrenamtliche Helfer und andere Unterstützung für Flüchtlinge aus der Kirche kämen.

Kein Zündeln am rechten oder linken Rand

Der Kardinal rief dazu auf, innerhalb der Kirche nicht wegzusehen. "In kirchlichen Kreisen sollten wir sehr gut aufpassen, wenn einer steile Thesen vertritt. Zündeln am rechten oder linken Rand ist unverantwortlich, für jeden!"

Marx betonte weiter, dass es für alle Asylbewerber faire und zügige Verfahren geben müsse. "Aber wir als Kirchen waren immer skeptisch gegenüber der Kategorie 'Sicheres Herkunftsland'." Er sei auch dagegen, "dass man ganz generell sagt, nur weil ihr aus Armutsgründen kommt, seid ihr eigentlich weniger wert und gehört gar nicht hierhin".

Nötig sei ein europäisches Konzept, wie man mit diesen Staaten umgehe, damit sie sich entwickeln könnten. "Das entbindet uns nicht von der Verpflichtung, auch in diesen Ländern zu helfen."

(KNA)

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