Kirchenasyl: Oft letzte Hoffnung
Kirchenasyl: Oft letzte Hoffnung

02.09.2015

Kirchenasyl wird nicht jedem Flüchtling gewährt Hilfe nach Einzelfallprüfung

Für viele Flüchtlinge ist das Kirchenasyl die letzte mögliche Chance, in Deutschland bleiben zu können. Doch auch hier werden genaue Prüfungen durchgeführt, wie Dietlind Jochims von "Asyl in der Kirche" domradio.de berichtete.

domradio.de: Kirchenasyl soll nach wie vor nur "Ultima Ratio" bleiben, ein letzter Ausweg. Das haben die Kirchen jetzt nochmal bekräftigt. Warum ist diese Form des Asyls denn überhaupt noch notwendig?

Dietlind Jochims (Bundesvorsitzende der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche") :

"Ultima Ratio" heißt ja, dass die Menschen dann ins Kirchenasyl kommen, wenn sie eine Abschiebeanordnung erhalten haben und gleichzeitig Kirchengemeinden, Berater oder Unterstützer denken, dass diesen Menschen durch die Abschiebung Gefahren für ihr Leben drohen oder wenn die Abschiebung aus anderen Gründen unzumutbar ist. Da es immer noch passiert, dass solche Gründe bei einer Abschiebungsandrohung nicht berücksichtigt werden, ist Kirchenasyl nach wie vor eine wichtige Menschenrechtsarbeit.

domradio.de: Im Moment gibt es die Debatte um Bürgerkriegsflüchtlinge und so genannte Wirtschaftsflüchtlinge. Damit gemeint sind überwiegend Menschen aus den Westbalkanstaaten. Treffen Sie auch eine solche Unterscheidung mit Blick auf das Kirchenasyl?

Dietlind Jochims: Grundsätzlich nicht. Es kommen grundsätzlich Menschen ins Kirchenasyl, die in einer großen Gefahr für ihr Leib oder ihr Leben wären, wenn sei abgeschoben werden würden. Das kann auch Menschen aus sogenannten "sicheren Herkunftsländern" passieren. Allerdings gibt es auch eine zweite Überlegung, die angestellt wird. Und diese besagt, dass geschaut wird, welche Perspektiven diese Menschen nach Inanspruchnahme des Kirchenasyls haben. Wenn abzusehen ist, dass sich auch nach dem Kirchenasyl keine Bleiberechtsperspektive bietet, dann hat auch das Kirchenasyl wenig Sinn und Zweck.

domradio.de: Wer bekommt im Moment bei Ihnen Kirchenasyl?

Dietlind Jochims: Momentan gibt es bundesweit rund 300 Kirchenasyle. Die Nationalitäten und die Herkunft sind ganz bunt gemischt. Es gibt einige Kirchenasyle aus den Westbalkanstaaten, viele allerdings aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Somalia und Eritrea. Das sind die Haupt-Herkunftsländer.

domradio.de: Vor einigen Monaten gab es Streit um das Kirchenasyl. Es ging um den Umfang und die Nutzung. Mit Blick auf die Herausforderungen angesichts der zahlreichen Flüchtlinge: Ist der Staat nicht mittlerweile froh über jede Hilfe durch die christlichen Kirchen?

Dietlind Jochims: Das glaube ich schon. Ohne das große kirchliche Engagement für und mit Flüchtlingen sähen wir in Deutschland ganz schön alt aus. Die Frage ist allerdings, ob der Staat das Kirchenasyl als Hilfe betrachtet. 

domradio.de: Bundeskanzlerin Merkel hat ja für Syrien das so genannte Dublin-Verfahren ausgesetzt. Halten Sie weitere Erleichterungen für Flüchtlinge in Deutschland für nötig?

Dietlind Jochims: Ich halte es für unbedingt notwendig, dass viele der langwierigen und wenig zielführenden Verwaltungsabläufe noch einmal dahingehend überprüft werden, wie sie mit einer so stark steigenden Zahl von Flüchtlingen funktionieren können. Dazu gehört auch ein unmittelbar notwendiges Überdenken der Dublin-Verordnung. Die hat sich inzwischen vorne, hinten und seitwärts überholt. Da könnte man auch noch ganz anders reagieren, als die Verordnung nur für Angehörige einer bestimmten Nationalität auszusetzen. 

Das Interview führte Tobias Fricke

 

 

(DR)

Gottesdienste Kar- und Osterwoche

DOMRADIO.DE alle Gottesdienste der Kar- und Osterwoche auch auf Facebook und Youtube.

Alle Übertragungen im Überblick (pdf).

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 03.04.2020
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…