Fasten als Chance
Fasten als Chance

14.02.2018

Rohstoffe sparen und damit die Umwelt schonen Fasten gegen Ressourcenverschwendung

Die Menschheit verbraucht mehr Rohstoffe, als die Erde zur Verfügung hat. Es müsse ein Umdenken geben, sagen Experten. Ein Ansatz dafür ist eine Jahrhunderte alte Tradition: das Fasten.

Fasten heißt, für sich auf Dinge zu verzichten, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. Doch Menschen können auch für andere fasten. Denn: Wegen unseres Konsums kann es sein, dass es anderen Menschen auf der Welt und der Erde schlecht geht. Hinter den täglich genutzten Produkten stecken mehr Ressourcen, als mancher denken mag.

Carolin Baedeker vom Wuppertal Institut erforscht, wie sich die Übergänge in eine nachhaltige Gesellschaft gestalten lassen. «Jeder Mensch hat einen sogenannten ökologischen Ressourcen-Rucksack, den er mit seinem Konsum und seinem Verhalten füllt», erklärt Baedeker. Das Wuppertal Institut entwickelte daher einen Ressourcen-Rechner. Er soll ein Bewusstsein schaffen, in welchen Bereichen der Mensch viel verbraucht.

Gut 30 Tonnen Ressourcen pro Person

In den Rechner kann jeder seine Daten in Bereichen wie Wohnen oder Ernährung eingeben und bekommt ausgerechnet, wie viele Ressourcen er im Jahr verbraucht. "Der ökologische Rucksack drückt das Gewicht aller natürlichen Rohstoffe aus, die für unseren Konsum anfallen. Sprich: Alle Produkte inklusive ihrer Herstellung, Nutzung und Entsorgung", heißt es auf der Internetseite. 

Haben Sie eine Mikrowelle in der Küche stehen? Wie viele Tassen Kaffee trinken Sie am Tag, und werfen Sie viele Lebensmittel weg? Sind ihre Möbelstücke älter oder jünger als zehn Jahre? Fahren Sie mit dem Auto ins Fitnessstudio, um dort auf dem Laufband zu joggen oder laufen Sie draußen? Das sind einige von vielen Fragen, die im Ressourcen-Rechner beantwortet werden müssen.

Bereits rund 200.000 Nutzer haben Baedeker zufolge ihren Verbrauch in den Rechner eingegeben. Im Schnitt verbraucht ein Deutscher 30 Tonnen Ressourcen im Jahr. Doch der Ressourcenverbrauch muss den Angaben zufolge auf 17 Tonnen gesenkt werden, damit die Gesellschaft nachhaltig lebt. Ökostrom, fleischärmere Ernährung, lieber mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto - das hilft den Angaben zufolge, den eigenen Ressourcen-Rucksack zu verkleinern.

"Fasten ist ein Perspektivwechsel"

Die Arbeit von Baedekers Forschungsgruppe teilt sich grob in zwei Bereiche: "Die Nachhaltigkeitsbewertung erfasst, wie viel Ressourcen hinter jedem Produkt stecken." Als zweites gehe es darum, Produkte und Dienstleistungen so zu entwickeln, dass Menschen ihre nicht-nachhaltigen Routinen verändern und sie ressourcenleichter leben können.

Alternativen für umweltschonende Produkte sollten Baedeker zufolge genau hinterfragt werden. Oftmals komme es zum sogenannten Rebound-Effekt. Durch veränderte Routinen und die Nutzung ressourcen- und energiesparender Produkte oder Dienstleistungen kann es zu Kosteneinsparungen kommen: Durch die Ersparnisse werden meist jedoch andere Dinge oder größere Geräte gekauft. Im Endeffekt hebt das die Ressourcenersparnis wieder auf.

Doch was hilft? Fasten und teilen ist für Georg Stoll, entwicklungspolitischer Referent des katholischen Hilfswerks Misereor, ein guter Ansatz. "Fasten ist mehr als Verzicht, sondern ein Perspektivwechsel", erklärt er. "Fasten und teilen hat unter globaler Sicht eine hohe Aktualität. Wir stehen hier vor neuen, globalen Herausforderungen."

Die Gunst der Fastenstunde nutzen

Die Deutschen leben seinen Angaben zufolge seit den 1970er Jahren vom Naturkapital der Erde, weil sie mehr verbrauchen als die Erde wieder herstellen kann. Daher haben die Menschen in der westlichen Welt eine Verantwortung, wie er sagt. Die Fastenzeit biete eine gute Gelegenheit, sich umzuorientieren, denn "Verzicht als Umorientierung ist vielleicht das Gebot der Stunde".

Stoll kritisierte, dass im politischen Raum kaum jemand den notwendigen radikalen Umbau hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft in der erforderlichen Konsequenz vorantreibe. Die herrschende Ideologie lautet Stoll zufolge, dass Konsum notwendig ist, um die Marktwirtschaft aufrecht zu erhalten. Auch Entwicklungsarbeit sehe die Politik vor allem im Zusammenhang mit neuen Absatzmärkten. "Jeder kann und sollte zwar auch persönlich versuchen, etwas zu tun, aber für die notwendige große Änderung müssen auch die gesellschaftlichen Institutionen auf den Prüfstand." Wichtig sei die Frage, wie sich Wohlstand für alle global verwirklichen lasse.

Umdenken auch in der Politik nötig

Auch Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende der Umweltorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, fordert ein Umdenken in der Politik: "Die politischen Bedingungen müssen sich ändern, damit es Menschen einfacher fällt, sich nachhaltig zu bewegen." Das bedeute Verbesserungen im öffentlichen Verkehr für Radfahrer und Fußgänger.

Auch Preise müssen ihr zufolge die ökologischen Kosten widerspiegeln, was zu weniger Autos und weniger Flügen führen würde. Es könne nicht sein, dass das ein Tabu-Thema sei, an das sich Politiker nicht heranwagten.

Maren Breitling
(KNA)

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