06.12.2013

Bischof Bode über "Evangelii Gaudium" "Das spricht die Menschen an"

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ist Vorsitzender der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft bei der Deutschen Bischofskonferenz. Im domradio.de-Interview spricht er über das päpstliche Schreiben Evangelii Gaudium und mögliche Folgen für den Dialog mit den Laien.

domradio.de: Sie haben In einer ersten Stellungnahme über das Schreiben gesagt, Franziskus führe eine neue Sprache ein, an die man sich gewöhnen müsse. Was meinen Sie damit?

Bischof Bode: Der Papst spricht hier eine Sprache, die den Dialog eröffnet, die Fragen nicht abschließt und festsetzt, sondern eher einen Anstoß und einen Weckruf gibt. Und das in sehr markanten Worten und auch in einer Sprache, die vielen Leuten zu Herzen geht. So kennen wir das nicht von päpstlichen Schreiben. Man merkt, dass er sehr aus der Pastoral kommt, dass er aus dem Leben mit den Menschen kommt und Beispiele und Bilder benutzt. Es ist eine sehr lebendige Sprache, fast wie in einem Brief, der geschrieben wird, wo man auch persönlich angesprochen wird. Das ist sehr zupackend, das spricht die Menschen an.

domradio.de: "Der Bischof muss immer das Miteinander in seiner Diözese fördern", schreibt der Papst: Manchmal soll er an der Spitze vorangehen aber manchmal auch inmitten aller sein, weil die Herde ja selbst den Spürsinn besitzt, neue Wege zu finden. Schränkt der Papst damit nicht Ihre bischöfliche Vollmacht ein?

Bischof Bode: Nein, die bischöfliche Autorität sollte nicht daran hängen, dass der Bischof immer nur der erste sein kann und seine Leute nicht zu Entfaltung bringen. Er sollte dazwischen sein, er muss sogar manchmal hinterhergehen, um auch für die Schwächeren da sein zu können. Es ist dieses wunderbare Bild: Vorausgehen, mittendrin sein, hintergehen. Bischöfliche Autorität zeigt sich gerade darin, dass sie auch die Schwächeren zur Entfaltung bringt, und dass der Bischof nicht durch seine Vollmacht die anderen niederdrückt.

Und wenn die Herde den Spürsinn besitzt, neue Wege zu finden, dann ist es am Bischof, das, was an ihn herangetragen wird, natürlich zu prüfen. Ob das insgesamt in die Kirche hineingehört und mit dem Ursprung von Jesu Werk vereinbar ist. Das ist Aufgabe seines Amtes. Das geschieht dann aber in synodalen und gemeinsamen Formen. In einem gemeinsamen Suchen und Ringen und nicht einfach nur durch einen Schiedsspruch.

domradio.de: Was heißt das auch für den Dialogprozess innerhalb der Kirche, da sitzen Sie ja in der Steuerungsgruppe?

Bischof Bode: Es bestätigt sehr stark unsere Vorgehensweise, miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Dialogprozess mag in Einzelheiten noch nicht riesige Erfolge zeitigen, aber einen Erfolg gibt es sicher: Die Gesprächskultur in der Kirche ist gewachsen, der Grundwasserspiegel von Gesprächs- und Dialogkultur ist gestiegen. Das wird in diesem Schreiben bestätigt, der Papst fragt die Bischöfe und die Gläubigen in den Fragen der Ehe- und Familienpastoral. Das sind ja alles Elemente einer dialogischen Weise, Kirche zu sein. Ich fühle mich durch dieses Schreiben sehr darin bestätigt und glaube, dass sich das für den weiteren Fortgang des Dialogprozesses nur positiv auswirken kann.

domradio.de: Erkennen Sie ganz konkrete Wünsche des Papstes in diesem Schreiben?

Bischof Bode: Er spricht ja sehr klar darüber, dass die Kirchenstrukturen nicht zu administrativ sein sollen, dass die Ortskirchen und die Bischofskonferenzen gestärkt werden sollen. Er sagt, der Papst habe nicht alle Fragen von Rom aus zu lösen. Die Sakramente seien nicht nur Belohnungen, sondern auch Hilfen für schwierige Situationen des Lebens. Und dann diese scharfe Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftssystem, dass also der Kapitalismus eine Form sei, die sogar tödlich sein kann, wenn nur das Recht des Stärkeren wirkt. Und die Mitentscheidung von Frauen in der Kirche. Auch wenn er deutlich macht, dass Frauen keine Priester werden können, öffnet er den Raum für die Mitentscheidung in wichtigen Dingen. Er betont auch die Rolle der Laien als Volk Gottes, das gemeinsam unterwegs ist. Er knüpft sehr an das Konzil an. Evangelii gaudium ist ja eine Anknüpfung an "Gaudium et spes", also die Pastoralkonstitution des Konzils über den Dialog in der Ökumene und mit anderen Religionen. Da sind sehr konkrete Vorschläge drin, auch wie man predigt.

domradio.de: Der Papst schreibt, dass die Kommunion ein Heilmittel für die Schwachen sein soll und nicht als Belohnung für die Vollkommenen gedacht ist. Will der Papst die Möglichkeit der Kommunion für Wiederverheiratet-Geschiedene?

Bischof Bode: Das wird er hier nicht sofort intendiert haben, die Frage soll ja bei der nächsten Synode besprochen werden. Aber diese Aussage öffnet dafür einen Weg, dass wir unter bestimmten Bedingungen eben doch auch in schwierige Situationen hinein den Menschen Zutritt zur Eucharistie gewähren. Das ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Überhaupt der ganze Duktus dieses Schreibens öffnet ja den Raum für solche pastoralen Lösungen, ohne nur vom Kirchenrecht her zu denken.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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