2013: Eucharistischer Kongress in Köln
2013: Eucharistischer Kongress in Köln

10.06.2013

Eucharistischer Kongress endet mit Papstbotschaft Gott statt "Grabenkämpfe"

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist der erste Nationale Eucharistische Kongress in Deutschland zu Ende gegangen. In einer Grußbotschaft rief Papst Franziskus die Katholiken in Deutschland zu einem lebendigen Glaubenszeugnis auf.

"Herr, zu wem sollen wir gehen?" Die Leitfrage des Eucharistischen Kongresses beantworteten am Sonntag 20.000 Menschen unisono und mit den Füßen: Sie kamen im Kölner Rhein-Energie-Stadion zum großen Abschlussgottesdienst zusammen. Wo sonst der 1. FC Köln kämpft, beten und bekundeten Katholiken ihren Glauben. Statt Spieler zogen Messdiener ein, statt Fangesänge hallten Kirchenlieder durch das Rund. Feierlicher Höhepunkt eines fünftägigen Glaubensfestes.

Zwar gibt es in der katholischen Kirche eine mehr als 100-jährige Tradition dieser Art Treffen. Dennoch betrat sie damit in Deutschland ein Stück Neuland - der letzte Kongress fand vor Jahrzehnten in München statt. Anders als Katholikentage mit ihrem gesellschaftspolitischen Anspruch ist der Eucharistische Kongress - im Namen klingt es an - religiöser akzentuiert. Trotz des sperrigen Titels konnten die Deutsche Bischofskonferenz und das Erzbistum Köln zwischen 45.000 und 48.000 Teilnehmer für ein Programm rund um Glaubensgespräche und Gottesdienste mobilisieren.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und Kardinal Joachim Meisner zogen jedenfalls eine positive Bilanz. Der Kölner Erzbischof dankte für den Reichtum der Kölner Tage, Zollitsch sprach von einem "großartigen Fest des Glaubens" mit einer herrlichen Atmosphäre. Fünf Tage prägten die Teilnehmer, die an den roten Bändern um den Hals mit den Teilnehmerkarten erkennbar waren, das Bild der rheinischen Metropole mit.

Innere Selbstvergewisserung

Das Hauptthema des Festes, die in Gestalt von Brot und Wein gefeierte Gegenwart Gottes, ist für viele Menschen schwer zugänglich. Diese Konzentration auf den Kern des Glaubens bedeute aber keineswegs einen Rückzug in einen frommen Elfenbeinturm, betont Zollitsch. Die Kirche wolle aktiv die moderne Welt mitgestalten. Das ist die große Botschaft, die - gerade auch nach dem Missbrauchsskandal - von Köln in Richtung Gesellschaft ausgeht. Dazu passt die Grußbotschaft des Papstes, mit der er sich erstmals offiziell an die Katholiken in Deutschland wandte: Geistliche und Laien hätten den Auftrag, "Gott zur Welt und die Welt zu Gott zu bringen".

Aber über dieses mehr nach außen gerichtete Signal wollte der Kongress vor allem zur inneren Selbstvergewisserung beitragen. In ihren Glaubensgesprächen griffen gleich mehrere Bischöfe das Faktum auf, dass die Zahl der Kirchenmitglieder geringer wird - um dann aber die Gläubigen zu Selbstbewusstsein aufzurufen. Ein Außenseiterdasein sei kein Grund zur Entmutigung, sagte etwa der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki. Und Kurienkardinal Walter Kasper betonte, zur Geschichte der Kirche gehöre das Leben in der Krise und als Minderheit dazu.

Brottafel und Lichtinstallation

Kirchenpolitische heiße Eisen wie der Umgang mit Wiederverheirateten kamen bei dem Kongress immer mal wieder zur Sprache, spielten aber eine eher untergeordnete Rolle. Eindeutig war die Antwort von Kurienkardinal Walter Kasper auf innerkirchliche Reformwünsche. Er forderte eine Neuausrichtung der Debatte und warnt vor "Grabenkämpfen". Geistliche sollten sich von Medien nicht auf "Nebenkriegsschauplätze"» wie die Fragen nach Diakoninnen oder Zölibat drängen lassen. Die Kirche müsse die Frage nach Gott und Christus wieder ins Zentrum rücken.

Auf seine Weise versuchte das der Eucharistische Kongress - nicht nur mit Vorträgen, sondern auch mit einem bunten Programm auf Bühnen in der City, einem Glaubensfest in der Lanxess Arena und einem Jugendfestival. An einer Brottafel mit 300 Tischen kamen mehrere Hundert Menschen zusammen, um miteinander Produkte der Kölner Bäcker-Innung zu teilen - und machten so auf die karitative Dimension des Christentums aufmerksam.

Renner unter den 800 Veranstaltungen des Eucharistischen Kongresses war die Lichtinstallation im Kölner Dom an den späten Abenden. Der Andrang zu «lux eucharistica» war groß und zog auch Menschen ohne rote Bänder an. Diese Komposition verbindet auf originelle Weise nicht nur Licht und Musik, sondern auch Kunst und Religion - und ist damit ein Beispiel dafür, wie die Kirche in der Welt ankommen kann.

Andreas Otto (kna)

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