KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme
KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

20.01.2019

KZ-Gedenkstätten ziehen mehr als 2,5 Millionen Besucher an Viel Interesse an Holocaust-Gedenken

In ganz Deutschland erinnern KZ- und NS-Gedenkstätten an die Schreckensherrschaft der Nazis. Auch über 70 Jahre nach Kriegsende kommen viele Interessierte, mancherorts wurden im vergangenen Jahr Besucherrekorde verzeichnet - unter anderem in NRW.

Das Interesse an KZ-Gedenkstätten und anderen Mahnorten für NS-Opfer in Deutschland ist ungebrochen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die ehemaligen Konzentrationslager besucht. Fast alle Einrichtungen verzeichneten 2018 steigende oder gleichbleibende Besucherzahlen. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

Hochrechnungen gehen allein für die KZ-Gedenkstätte Dachau nordwestlich von München von mehr als 900.000 Besuchern aus. Das Interesse steige stetig, teilte eine Sprecherin mit. Die Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin meldete einen Zuwachs auf über 700.000 Besucher. Derweil verzeichnete die Gedenkstätte Buchenwald so viele Besucher, dass die Einrichtung laut einem Sprecher inzwischen an den Rand ihrer Kapazitäten kommt: Geschätzt besuchten weit über 500.000 Menschen im vergangenen Jahr das ehemalige KZ bei Weimar.

NS-Dokumentationszentrum in Köln bricht jährlich Besucherrekorde

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen zog im vergangenen Jahr rund 250.000 Besucher an, ein Sprecher nannte dies "eine stabile Zahl". Besonders erfreulich sei die Resonanz auf die Sonderausstellung "Kinder im KZ Bergen-Belsen" gewesen. Stetig steigend sind die Besucherzahlen in Hamburg-Neuengamme: 2018 kamen etwa 140.000 Interessierte, mehr als doppelt so viele wie 2008.

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln meldete mit rund 92.800 einen neuen Besucherrekord - inzwischen den 17. in Folge. Insgesamt nahm das öffentliche Interesse an den 28 nordrhein-westfälischen NS-Gedenkstätten weiter zu. Allein in den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Besucher nach Angaben der Landesregierung um mehr als ein Drittel auf knapp 400.000 in 2018 gestiegen.

In Pirna-Sonnenstein immer mehr interessierte Schüler

Im brandenburgischen Frauen-KZ Ravensbrück wurde hingegen ein leichter Rückgang der Besucherzahlen auf 110.000 beobachtet. Die bayerische KZ-Gedenkstätte Flossenbürg verzeichnete einen leichten Besucherzuwachs auf 90.500 in 2018. Mit rund 25.000 Besuchern zählte die Gedenkstätte Esterwegen in Niedersachsen etwa so viele wie in den Jahren zuvor. Sie erinnert als zentraler Ort an alle 15 Emslandlager, einer Gruppe von Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager an der Grenze zu den Niederlanden.

Die sächsische NS-Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein verzeichnete für das vergangene Jahr einen Besucherrekord. Insgesamt kamen rund 13.800 Menschen in die Gedenkstätte zur Geschichte der nationalsozialistischen Krankenmorde. Besonders erfreulich ist den Angaben der Einrichtung nach der deutliche Anstieg von interessierten Schulgruppen.

Holocaust-Gedenken am Tag der Befreiung Auschwitz'

Die Berliner Gedenkstätten konnten 2018 ebenfalls mehr Menschen anziehen als im Jahr davor. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand zählte mit ihren insgesamt vier Einrichtungen rund 240.000 Besucher, rund 25.000 mehr als im Vorjahr. Allein die Ausstellungen im Bendlerblock, dem Zentrum des Umsturzversuchs gegen das nationalsozialistische Regime am 20. Juli 1944, besuchten mehr als 118.000 Menschen. Etwas weniger Besucher, knapp 116.700, hatte die Berliner Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum der Holocaust-Gedenktag begangen. In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma und Homosexuelle.

(epd)

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