Dunkle Wolken über Australiens Kirche
Dunkle Wolken über der Kirche

25.09.2018

Was kann die Missbrauchsstudie aussagen - und was nicht? Warum die Deutung der Zahlen so schwierig ist

Am Dienstag wollen die deutschen Bischöfe die Ergebnisse ihrer Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche vorstellen. Vorab wurden viele Details bekannt. Schon jetzt zeigt sich, wie schwierig eine Auswertung ist.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beschreibt, was die Studie aussagen kann - und was nicht. Dabei bezieht sich diese erste Analyse ausschließlich auf die bisher bekanntgewordenen Daten.

Was haben die Wissenschaftler untersucht?

Sie haben im Auftrag der Bischöfe Daten aus 38.156 Personal- und Handakten aller 27 deutschen Bistümer ausgewertet. Die Akten betreffen Anschuldigungen aus den Jahren 1946 bis 2014, also aus mehr als 70 Jahren. Hinzu kommen Interviews mit Betroffenen sowie beschuldigten und nicht beschuldigten Klerikern, Vergleichsanalysen sowie eine anonymisierte Befragung von Betroffenen. Außerdem wurden Strafakten analysiert und Präventionskonzepte unter die Lupe genommen.

Warum wurden keine Originalakten ausgewertet?

Die Forscher hatten keinen direkten Zugriff auf die Originalakten - zum Schutz auch jener kirchlichen Mitarbeiter, die nichts mit Missbrauchsvorwürfen zu tun haben. Mitarbeiter aus den Bistümern oder beauftragte Anwälte haben die Akten durchgesehen und die Informationen nach Vorgabe der Wissenschaftler anonym auf Erfassungsbögen übertragen.

Sind die Akten vollständig?

Nach Angaben der Forscher gibt es Hinweise darauf, dass "relevante Personalakten oder andere Dokumente zu früheren Zeiten vernichtet oder manipuliert" wurden. Die exakte Zahl dieser Akten sei nicht mehr zu ermitteln. Auch sei insgesamt die Personalaktenführung beim Thema Missbrauch "heterogen und ohne einheitliche Standards".

Ist die genaue Zahl der Täter und Opfer bekannt?

Da die Einzelfälle nicht juristisch bewertet wurden, spricht die Studie nur von "Beschuldigten" und "Betroffenen". Zu den "Beschuldigten" gehören überführte Einmaltäter und Mehrfachtäter genauso wie zu Unrecht beschuldigte Geistliche und solche Fälle, bei denen nichts mehr geklärt werden kann. Analog gehören zu den "Betroffenen" alle Missbrauchsopfer, aber auch Betroffene, bei denen sich die Vorwürfe als unzutreffend erwiesen haben, und solche, bei denen die Vorfälle nicht mehr geklärt werden konnten.

Was sagt die Studie über Zölibat und Homosexualität?

Die Forscher betonen, alle Befunde seien lediglich beschreibend. Aufgrund der Methodik sei "ein statistischer Nachweis kausaler Zusammenhänge zwischen einzelnen Phänomenen oder Variablen nicht möglich". Allenfalls könnten auf der Grundlage vorliegender Befunde Vermutungen geäußert werden. So schreiben die Wissenschaftler, dass "weder Homosexualität noch Zölibat eo ipso Ursachen für sexuellen Missbrauch von Minderjährigen" seien.

Allerdings "könnten spezifische Strukturen und Regeln der katholischen Kirche ein hohes Anziehungspotenzial für Personen mit einer unreifen homosexuellen Neigung haben". Außerdem legten einige Befunde nahe, "sich mit der Frage zu befassen, in welcher Weise der Zölibat für bestimmte Personengruppen in spezifischen Konstellationen ein möglicher Risikofaktor für sexuelle Missbrauchshandlungen sein kann".

Welche Aussagekraft hat die Studie?

Der Forschungsansatz ist nach Angaben der Wissenschaftler weltweit einzigartig, weil kriminologische, psychologische, soziologische und forensisch-psychiatrische Aspekte einbezogen wurden. Insofern ist sie vielschichtiger als die ähnlich umfangreiche, aber rein kriminologische Missbrauchs-Studie im Auftrag der US-Bischofskonferenz aus dem Jahr 2004.

Gottfried Bohl
(KNA)

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.08.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Berlin, Berlin, wir berichten aus Berlin
  • Die Fragen der Zeit: Artenschutz und Klima
  • Mensch, Tier, Christentum: Was sagt der Glaube über das Tierwohl?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)