Päpstlicher Sonderermittler in Chile im Krankenhaus
Symbolbild Missbrauch in der Kirche

25.09.2018

Chronik des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche Von einem Brief zu einer Studie

Ende Januar 2010 wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Die Bischöfe haben 2014 ein groß angelegtes Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, um die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. Eine Chronik.

Ende Januar 2010: Der Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, macht durch einen Brief an ehemalige Schüler den Missbrauchsskandal an seiner Schule bekannt. Er schreibt, Jesuiten hätten in den 1970er und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht - und zwar systematisch und über Jahre. Bald folgen neue Berichte über meist ältere Fälle an anderen Orten.

22. Februar 2010: Die Bischöfe bitten auf ihrer Vollversammlung in Freiburg um Entschuldigung wegen der Missbrauchsfälle. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird Sonderbeauftragter für das Thema. Eine Hotline für Opfer wird eingerichtet.

24. März 2010: Die Kirche beteiligt sich am Runden Tisch, der von der Bundesregierung eingerichtet wird.

31. August 2010: Die Bischöfe verschärfen ihre "Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch". Glaubhaft verdächtigte Geistliche müssen nun umgehend vom Dienst suspendiert werden.

20. September 2010: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, schlägt einen "breiten Reflexionsprozess" von Bischöfen, Priestern und Laien vor. Damit will die Kirche angesichts des Missbrauchsskandals Vertrauen wiedergewinnen.

23. September 2010: Die Bischöfe stellen ein Konzept zur Vorbeugung vor. Es sieht unter anderem vor, dass jedes Bistum eine Stelle einrichtet, die sich um Präventionsfragen kümmert. Gegründet wird auch ein "Präventionsfonds" für besonders innovative Projekte innerhalb der Kirche.

30. September 2010: Die Bischofskonferenz legt am Runden Tisch in Berlin ein Konzept zur Entschädigung der Opfer sexuellen Missbrauchs vor. Dazu gehört die Zahlung eines Geldbetrags, der als "finanzielle Anerkennung" des zugefügten Leids gelten soll.

13. Juli 2011: Die deutschen Bischöfe kündigen zwei Forschungsprojekte zur wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche an.

7. Dezember 2012: Die Ergebnisse des ersten Forschungsprojekts werden vorgestellt. Der Forensiker Norbert Leygraf kommt darin zu dem Schluss, dass nur wenige katholische Priester, die Minderjährige missbraucht haben, im klinischen Sinne pädophil seien.

31. Dezember 2012: Die Bischofskonferenz stellt die Hotline für Missbrauchsopfer ein, weil es kaum noch Anfragen gebe. Im Januar 2013 wird der Abschlussbericht vorgestellt.

9. Januar 2013: Die Bischofskonferenz beendet die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer. Das von seinem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen 2011 begonnene Forschungsprojekt sollte durch umfangreiche Aktenstudien belastbare Zahlen zum Missbrauch erbringen.

26. August 2013: Die Bischofskonferenz veröffentlicht abermals verschärfte Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch. Danach sollen Kleriker, die Schutzbefohlene missbraucht haben, nicht mehr in den Seelsorgedienst zurückkehren dürfen, wenn "dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft". Ein komplettes Beschäftigungsverbot für sexuell straffällig gewordene Priester nach dem Beispiel der amerikanischen Bischöfe lehnt die Bischofskonferenz ab.

24. März 2014: Die Bischöfe beauftragen einen Forschungsverbund um den Mannheimer Psychiater Harald Dreßing mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Ziele sind eine Erhebung quantitativer Daten zur Häufigkeit und zum Umgang mit sexuellen Missbrauchshandlungen an Minderjährigen durch Geistliche. Darüber hinaus sollen Täterstrategien, Opfererleben und das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche untersucht werden.

2016: Eine erste Teilstudie wird vorgestellt. Diese hatte Missbrauchsuntersuchungen aus anderen Ländern in den Blick genommen. Danach waren die Täter in erster Linie Gemeindepfarrer und andere Priester (über 80 Prozent). Bei rund einem Drittel wurde eine emotionale oder sexuelle Unreife festgestellt, bei jedem fünften eine Persönlichkeitsstörung und bei 17,7 Prozent Merkmale von Pädophilie.

Alkoholabhängig waren 13,1 Prozent der Täter. Zu den häufigen Folgen für Missbrauchsopfer gehörten psychische Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen, gefolgt von verhaltensrelevanten Folgen wie einem sozialen Rückzug und körperlichen Folgen wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen.

12. September 2018: Der "Spiegel" veröffentlicht vorab erste Daten aus der Zusammenfassung der Studie, die am 25. September vorgestellt werden soll. Demnach haben die Forscher 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Priestern und Ordensleuten in den Jahren von 1946 bis 2014 dokumentiert. Dabei handele es sich überwiegend um männliche Kinder und Jugendliche, mehr als die Hälfte von ihnen seien zur Tatzeit jünger als 14 gewesen.

25. September 2018: Die Bischöfe stellen die Ergebnisse ihrer Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche vor.

(KNA)

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